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Östrogendominanz - Was verbirgt sich dahinter?


Jeden Monat bereitet sich der Körper der Frau von Neuem darauf vor: Wird es in diesem Zyklus so weit sein? Wird eine Befruchtung stattfinden? Lautet die Antwort nein, so setzt die Menstruation zwei Wochen später ein. Aus evolutionärer Sicht dient der weibliche Zyklus der Fruchtbarkeit und Fortpflanzung, um Nachkommen zu zeugen und die eigene Art zu erhalten. Logisch, sollte man meinen. Menstruation ist oft ein Tabuthema, dabei betrifft es jede Frau jahrzehntelang.

Wie läuft der weibliche Zyklus ab?

Der weibliche Zyklus hat seine immer wiederkehrenden Abläufe. Er beginnt am ersten Tag der Periode und endet am Tag vor der nächsten Periode. In diesem Zeitraum spricht man von einem Zyklus. Der „Musterzyklus“ dauert 28 Tage. Dieser hat verschiedene Phasen: Die Dauer, die jede Phase hat, kann in ihrer Länge individuell sein und variiert von Frau zu Frau. Das heißt, 23 Tage bis zu 35 Tage gelten als völlig normal. Auch eine Frau kann im Laufe ihres Lebens unterschiedliche Zykluslängen haben.

Was passiert in den einzelnen Zyklusphasen?

  1. Proliferationsphase: Die erste Phase im weiblichen Zyklus
  2. Die Ovulationsphase in der Mitte des weiblichen Zyklus‘
  3. Die Lutealphase: Entwicklung des Gelbkörpers
  4. Einsetzen der Menstruation

Die Abfolge ist immer wieder die gleiche: Es werden verschiedene Hormone (Botenstoffe als Signale) ausgeschüttet, die über das Gehirn geregelt werden und innerhalb des Zyklus ganz konkrete Aufgaben erfüllen. Über Signale (Hormone) gelangen die Informationen zu unseren Eierstöcken. So schickt das Gehirn zu Beginn eines neuen Zyklus über den Hypothalamus als übergeordnete Instanz ein Wachstumshormon los. Dieses wird an die Hypophyse – also die hormonbildende Drüse – weitergeleitet: Es kommt zu einer Hormonausschüttung. Am Anfang wird das so genannte Follikelstimulierende Hormon (kurz auch FSH) ausgeschüttet. Das Hormon FSH (wie der Name schon sagt) regt die Reifung des Eis im Eierstock an.

Die heranwachsende Eizelle produziert immer mehr Östrogen, das in die Blutbahn freigesetzt wird. Östrogen zählt zu den Sexualhormonen. Umso mehr Östrogen produziert wird und im Blutkreislauf zirkuliert, bekommt das Gehirn über diese Botenstoffe die Information: Alles klar, wir sind bereit! Die Eizelle ist groß genug und kann sich auf den Weg machen. Im Eierstock gebildete Östrogene sorgen dann dafür, dass die Gebärmutterschleimhaut neu gebildet wird.

Hinzu kommt jetzt ein zweites Hormon: Das luteinisierende Hormon (kurz LH, auch Luteotropin). LH wird im Vorderlappen der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) produziert. Diese steht unter der Kontrolle des Hypothalamus im Zwischenhirn, reagiert aber auch auf die im Blut vorhandenen Geschlechtshormone. So entsteht ein Regelkreis. LH steuert bei Frauen im gebärfähigen Alter zusammen mit anderen Steuerhormonen den Menstruationszyklus. Sein besonderes Merkmal ist, dass es den Eisprung, die Ovulation im Eierstock auslöst. Nach dem Eisprung fördert LH zudem die Entwicklung des Gelbkörpers aus der verbliebenen Eihülle, dem Follikel. Den Gelbkörper regt es dann zur deutlich vermehrten Produktion von Progesteron an, sodass dessen Blutserumspiegel vorübergehend steigt. Außerdem unterstützt LH die Bildung von Östrogenen. Die weiblichen Geschlechtshormone gehören zwei Richtungen an: den Östrogenen (schwerpunktmäßig Östradiol) und Gestagenen beziehungsweise Progesteron.

Das luteinisierende Hormon kommt auch beim Mann vor – dort heißt es ICSH (interstitielles zellstimulierendes Hormon). ICSH regt in den Hoden das Wachstum der Leydig-Zellen an. Diese produzieren männliche Geschlechtshormone (Androgene, insbesondere Testosteron).

Kurz gesagt:

Mit ansteigendem LH-Spiegel wird der Eisprung ausgelöst – und die Eizelle in den Eileiter freigegeben. Das ist der Zeitpunkt, an dem die Frau fruchtbar ist. Der Eisprung findet meist in der Mitte des Zyklus der Frau statt, und zwar 10 bis 14 Tage vor der nächsten Regelblutung. Bei einem verlängerten Zyklus von beispielsweise 30 Tagen verschiebt er sich ein wenig nach hinten und liegt zwischen dem 16. bis 20. Tag des Zyklus. Nach dem Eisprung ist die Eizelle nur recht kurz befruchtungsfähig: Das Zeitfenster beträgt 12 bis 24 Stunden. In dieser Zeit wandert die Eizelle Richtung Gebärmutter und kann von Spermien befruchtet werden. Damit die Spermien die Eizelle erreichen, öffnet sich in dieser Phase der Muttermund leicht. Das ist der Musterzyklus, der bei jeder Frau in dieser Abfolge gleich ist.


Die Eizellen der Frau

Bei jeder Frau sind alle Eizellen, die im Laufe eines Lebens produziert werden, bereits zum Zeitpunkt ihrer Geburt angelegt. Die Eizellen werden also schon in der Schwangerschaft gebildet und wachsen dann „nur noch“ in den einzelnen Zyklen heran. Ist eine der Eizellen während des Zyklus groß genug gewachsen, kann sie als eine Eizelle während des Eisprungs in den Eileiter freigegeben werden.

Alles oder nichts

Ja. Es hat eine Befruchtung stattgefunden und der Progesteronspiegel bleibt erhalten. Die befruchtete Eizelle wandert in die Gebärmutter und nistet sich dort ein. Progesteron wird daher auch als das schwangerschaftserhaltende Hormon bezeichnet: es macht es für die Eizelle schön gemütlich in der Gebärmutterschleimhaut, damit sie richtig heranreifen und sich ausbilden kann.

Nein. Die Eizelle wurde nicht befruchtet und der Körper muss die weiblichen Geschlechtsorgane auf einen neuen Zyklus vorbereiten: Innerhalb der nächsten zehn Tage bildet sich der Gelbkörper zurück und es wird kein weiteres Progesteron produziert. Die Sexualhormone sinken und die Periode wird ausgelöst. Die Schleimhaut, die aufgebaut wurde, wird wieder abgebaut. Dabei wird das Immunsystem aktiv. Denn die abgebauten Zellen werden von Immunzellen aufgefressen und der Rest als Regelblutung ausgeschieden.

 


Was sind die Aufgaben von Östrogen und Progesteron?

Östrogen, das von der heranwachsen Eizelle in der ersten Phase vermehrt produziert wird, sorgt dafür, dass wir kontakfreudiger sind. In dieser Zeit sind wir sind kreativer, offener und aktiver. Denn evolutionär es geht darum, dass die Eizelle befruchtet wird. Zum Zeitpunkt, an dem wir fruchtbar sind, wirken wir tatsächlich wirklich attraktiver auf den Mann.

In der zweiten Zyklushälfte geht es vor allem um Rückzug und Ruhe. Die befruchtete Eizelle soll sich nun optimal in der Gebärmutter einnisten können. Für diesen „inneren Rückzug“ sorgt Progesteron.

Diese beiden Hormone beeinflussen somit erheblich unsere Stimmung. Man spricht auch von der Attraktivitäts- und Wachsamkeitsphase.

 

Die Periode als Spiegel der Gesundheit

Mit diesem Verständnis wird nun auch klar: Der Zyklus dient uns Frauen als Spiegel für unseren Gesundheitszustand. Und lädt uns Monat für Monat ein, tiefer in uns hineinzuhorchen:

  • Habe ich einen funktionierenden Zyklus und regelmäßig meine Periode?
  • Wie fühle ich mich währenddessen?

Für einen funktionierenden Zyklus müssen unsere Systeme im Körper gut zusammenarbeiten. Dazu zählen unter anderem unser Nerven-, Hormon- und auch das Immunsystem.

Gibt es Störungen in einem der Systeme, kann sich das auf den gesamten Zyklus auswirken.

Wenn der Zyklus aus dem Rhythmus gerät: Menstruelle Störungen

Die weiblichen Sexualhormone beeinflussen unser Leben oft mehr als uns (und auch „Mann“) lieb ist. So mögen die genannten Symptome eine Normalität sein, die für die meisten Frauen zum Frau sein „dazugehören“.

Stimmungsschwankungen, PMS (prämenstruelles Syndrom, auch bekannt als „Prepare to Meet Satan“), Wassereinlagerungen, Brustspannen, Regelschmerzen, scheinbar unerklärlicher Heißhunger, unerfüllter Kinderwunsch oder Libidoverlust – die Liste der Symptome ist lange. Auch Zyklus-Unregelmäßigkeiten wie eine starke Blutung (Hypermenorrhoe), schwache Blutung (Hypomenorrhoe), häufige Blutung (Polymenorrhoe), seltene Blutung (Oligomenorrhoe), lange Blutung (Menorrhagie) und Ausbleiben der Blutung (Amenorrhoe) zählen zu den häufigen Symptomen.

In diesem Zusammenhang wird immer öfter der Begriff „Östrogendominanz" als Ursache genannt.

 

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