Dissoziation: Ursachen, Symptome & Behandlung
Dissoziation bezeichnet eine psychische Reaktion, bei der Gedanken, Gefühle oder Erinnerungen vom Bewusstsein abgespalten werden. Sie kann als Schutzreaktion auftreten.
Wissenswertes über "Dissoziation"
Dissoziation bezeichnet eine psychische Reaktion, bei der Gedanken, Gefühle oder Erinnerungen vom Bewusstsein abgespalten werden. Sie kann als Schutzreaktion auftreten.
Was ist Dissoziation?
Dissoziation ist ein psychologischer Prozess, bei dem bestimmte mentale Inhalte – wie Gedanken, Gefühle, Wahrnehmungen oder Erinnerungen – vom normalen Bewusstsein abgetrennt werden. In leichter Form kennen viele Menschen Dissoziation als Tagträumerei oder das Gefühl, auf Autopilot zu handeln. In schwereren Ausprägungen kann sie ein Symptom psychischer Erkrankungen sein und den Alltag erheblich beeinträchtigen.
Ursachen
Dissoziation tritt häufig als Reaktion auf belastende oder traumatische Erlebnisse auf. Der Geist nutzt die Dissoziation als Schutzmechanismus, um mit überwältigenden Erfahrungen umzugehen. Typische Ursachen sind:
- Traumatische Erlebnisse wie körperlicher oder sexueller Missbrauch, Unfalle, Kriegserlebnisse oder Naturkatastrophen
- Chronischer Stress und anhaltende emotionale Belastung
- Schlafmangel und extreme Erschöpfung
- Drogenkonsum oder bestimmte Medikamente
- Bestehende psychische Erkrankungen wie Borderline-Störung, posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) oder Angststörungen
Symptome
Die Symptome der Dissoziation können sehr unterschiedlich sein und reichen von mild bis schwer:
- Depersonalisation: Das Gefühl, sich selbst von außen zu beobachten oder sich von dem eigenen Körper losget rennt zu fühlen
- Derealisation: Die Umgebung wirkt unwirklich, traumartig oder verfremdet
- Amnesie: Lücken im Gedächtnis, besonders für belastende Ereignisse
- Identitätskonfusion: Unsicherheit über die eigene Identität oder persönliche Geschichte
- Emotionale Taubheit: Gefühle werden nicht mehr wahrgenommen oder erscheinen weit entfernt
- Konzentrationsprobleme und das Gefühl, nicht vollständig präsent zu sein
Diagnose
Die Diagnose einer dissoziativen Störung wird von einem qualifizierten Psychiater oder Psychologen gestellt. Dabei kommen folgende Methoden zum Einsatz:
- Klinisches Interview: Detaillierte Befragung zu Symptomen, Lebensgeschichte und Vorerkrankungen
- Standardisierte Fragebögen wie die Dissociative Experiences Scale (DES) zur Einschätzung der Schwere der Symptome
- Ausschluss organischer Ursachen durch neurologische und internistische Untersuchungen, um andere Erkrankungen wie Epilepsie auszuschließen
Gemäß dem Diagnostischen und Statistischen Manual Psychischer Störungen (DSM-5) werden verschiedene dissoziative Störungen unterschieden, darunter die dissoziative Identitätsstörung (DIS), die dissoziative Amnesie und das Depersonalisations-/Derealisationsstörung.
Behandlung
Die Behandlung richtet sich nach der Art und Schwere der dissoziativen Symptome sowie den zugrunde liegenden Ursachen.
Psychotherapie
Die Psychotherapie ist die wichtigste Behandlungsform. Bewährte Ansätze sind:
- Traumafokussierte kognitive Verhaltenstherapie (TF-KVT): Aufarbeitung traumatischer Erlebnisse und Veränderung dysfunktionaler Denkmuster
- EMDR (Eye Movement Desensitization and Reprocessing): Eine spezielle Methode zur Verarbeitung traumatischer Erinnerungen
- Dialektisch-Behaviorale Therapie (DBT): Besonders bei Borderline-Persönlichkeitsstörung eingesetzt
- Stabilisierungstherapie: Aufbau innerer Sicherheit und Bewältigungsstrategien im Alltag
Medikamentöse Behandlung
Es gibt keine spezifisch zugelassenen Medikamente für dissoziative Störungen. Jedoch können begleitende Symptome wie Angst oder Depression medikamentös behandelt werden, zum Beispiel mit Antidepressiva oder Anxiolytika.
Weitere Unterstützung
- Stressmanagement und Entspannungstechniken (z. B. Achtsamkeit, Atemtechniken)
- Aufbau eines stabilen sozialen Unterstützungsnetzwerks
- Psychoedukation für Betroffene und Angehörige
Wann zum Arzt?
Wer häufig Episoden erlebt, in denen das Gefühl für die eigene Identität, die Umgebung oder die eigene Körperlichkeit verloren geht, sollte einen Arzt oder Psychologen aufsuchen. Besonders wichtig ist eine frühzeitige Abklärung, wenn die Symptome den Alltag, die Arbeit oder soziale Beziehungen beeinträchtigen.
Quellen
- American Psychiatric Association (2013). Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders, 5th Edition (DSM-5). Arlington, VA: American Psychiatric Publishing.
- Weltgesundheitsorganisation (WHO) (2019). International Classification of Diseases, 11th Revision (ICD-11). Genf: WHO.
- Brand, B. L., Lanius, R., Vermetten, E., Loewenstein, R. J. & Spiegel, D. (2012). Where Are We Going? An Update on Assessment, Treatment, and Neurobiological Research in Dissociative Disorders as We Move Toward the DSM-5. Journal of Trauma & Dissociation, 13(1), 9–31.
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