Ambivalenz – Bedeutung, Ursachen & Therapie
Ambivalenz beschreibt das gleichzeitige Erleben widersprechender Gefühle oder Gedanken. In der Psychologie ist sie ein zentrales Konzept bei der Diagnose und Behandlung psychischer Erkrankungen.
Wissenswertes über "Ambivalenz"
Ambivalenz beschreibt das gleichzeitige Erleben widersprechender Gefühle oder Gedanken. In der Psychologie ist sie ein zentrales Konzept bei der Diagnose und Behandlung psychischer Erkrankungen.
Was ist Ambivalenz?
Ambivalenz bezeichnet das gleichzeitige Vorhandensein von einander widersprechenden Gefühlen, Gedanken, Wünschen oder Einstellungen gegenüber einer Person, Situation oder Entscheidung. Der Begriff stammt vom lateinischen ambo (beide) und valentia (Stärke) und wurde Anfang des 20. Jahrhunderts vom Schweizer Psychiater Eugen Bleuler geprägt. Im Alltag erleben viele Menschen gelegentlich ambivalente Gefühle, etwa die gleichzeitige Freude und Trauer beim Abschluss eines Lebensabschnittes. In der klinischen Psychologie und Psychiatrie hat Ambivalenz jedoch eine besondere diagnostische und therapeutische Bedeutung.
Arten der Ambivalenz
Emotionale Ambivalenz
Bei der emotionalen Ambivalenz erlebt eine Person gleichzeitig gegensätzliche Gefühle gegenüber demselben Objekt oder derselben Person, zum Beispiel Liebe und Hass gegenüber einem nahestehenden Menschen. Dieses Phänomen ist in engen Beziehungen häufig anzutreffen und gilt bis zu einem gewissen Grad als normal.
Kognitive Ambivalenz
Kognitive Ambivalenz tritt auf, wenn jemand gleichzeitig widersprechende Überzeugungen oder Gedanken über ein Thema hält. Dies kann Entscheidungsprozesse erheblich erschweren und zu anhaltendem inneren Konflikt führen.
Motivationale Ambivalenz
Die motivationale Ambivalenz beschreibt das gleichzeitige Vorhandensein von Annaeherungs- und Vermeidungstendenzen gegenüber einem Ziel oder einer Verhaltensweise. Sie spielt eine wichtige Rolle in der Motivierenden Gesprächsführung (Motivational Interviewing), einer therapeutischen Methode, die besonders bei Suchterkrankungen und Verhaltensänderungen eingesetzt wird.
Ambivalenz in der Psychiatrie und Psychologie
In der klinischen Praxis ist Ambivalenz ein zentrales Merkmal verschiedener psychischer Erkrankungen:
- Schizophrenie: Eugen Bleuler beschrieb Ambivalenz als eines der Grundsymptome der Schizophrenie. Betroffene erleben extreme und lähmende Widersprüche in Gefühlen, Gedanken und Willensentscheidungen.
- Borderline-Persönlichkeitsstörung: Starke emotionale Ambivalenz, insbesondere in zwischenmenschlichen Beziehungen, ist ein typisches Merkmal dieser Erkrankung.
- Angststörungen und Depressionen: Ambivalenz gegenüber Behandlung und Veränderung kann den Therapieverlauf erschweren.
- Zwangsstörungen: Ambivalente Gedankenmuster tragen zum Erleben von Zwang und innerer Spannung bei.
Ambivalenz und Therapie
Das Erkennen und Bearbeiten von Ambivalenz ist ein wesentlicher Bestandteil vieler psychotherapeutischer Ansätze. In der kognitiven Verhaltenstherapie (KVT) wird daran gearbeitet, widersprüchliche Kognitionen zu identifizieren und aufzulösen. Im Rahmen der Motivierenden Gesprächsführung wird Ambivalenz nicht als Hindernis, sondern als normaler Bestandteil des Veränderungsprozesses betrachtet. Therapeuten helfen Patienten, ihre ambivalenten Gefühle zu erkunden und die Motivation zur Veränderung zu stärken, ohne Druck auszuüben.
Ambivalenz im Alltag
Ein gewisses Maß an Ambivalenz ist Teil des normalen menschlichen Erlebens und kein Zeichen einer psychischen Erkrankung. Sie kann jedoch belastend werden, wenn sie Entscheidungen unmöglich macht, zu andauerndem inneren Stress führt oder Beziehungen stark belastet. In solchen Fällen kann professionelle psychologische Unterstützung hilfreich sein.
Wann zum Arzt?
Wenn Ambivalenz über längere Zeit das tägliche Leben, die Arbeit oder wichtige Beziehungen erheblich beeinträchtigt, ist es ratsam, einen Arzt oder Psychotherapeuten aufzusuchen. Besonders bei Hinweisen auf eine zugrundeliegende psychische Erkrankung sollte frühzeitig professionelle Hilfe in Anspruch genommen werden.
Quellen
- Bleuler, E. (1911). Dementia praecox oder die Gruppe der Schizophrenien. Leipzig: Deuticke.
- Miller, W. R. & Rollnick, S. (2013). Motivational Interviewing: Helping People Change. 3. Auflage. New York: Guilford Press.
- Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN). S3-Leitlinie Schizophrenie (2019). Verfügbar unter: https://www.dgppn.de
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