Jejunumflora: Funktion, Störungen & Behandlung
Die Jejunumflora bezeichnet die Gesamtheit der Mikroorganismen im Jejunum, dem mittleren Abschnitt des Dünndarms. Sie spielt eine wichtige Rolle für die Verdauung und Darmgesundheit.
Wissenswertes über "Jejunumflora"
Die Jejunumflora bezeichnet die Gesamtheit der Mikroorganismen im Jejunum, dem mittleren Abschnitt des Dünndarms. Sie spielt eine wichtige Rolle für die Verdauung und Darmgesundheit.
Was ist die Jejunumflora?
Die Jejunumflora bezeichnet die Gemeinschaft der Mikroorganismen – hauptsächlich Bakterien – die im Jejunum leben. Das Jejunum ist der mittlere Abschnitt des Dünndarms und befindet sich zwischen dem Zwischdärm (Duodenum) und dem Krummdarm (Ileum). Im Vergleich zum Dickdarm ist die Keimzahl im Dünndarm insgesamt deutlich geringer, doch das Jejunum beherbergt eine charakteristische mikrobielle Gemeinschaft, die für die Verdauungs- und Resorptionsprozesse von Bedeutung ist.
Zusammensetzung der Jejunumflora
Im gesunden Jejunum sind die Bakterienzahlen verhältnismäßig niedrig – typischerweise zwischen 103 und 105 koloniebildende Einheiten pro Milliliter Darminhalt. Zu den häufig vorkommenden Bakteriengruppen gehören:
- Streptokokken (z. B. Streptococcus spp.)
- Laktobazillen (Lactobacillus spp.)
- Enterokokken (Enterococcus spp.)
- Vereinzelt auch Staphylokokken und andere Gram-positive Keime
Die relativ geringe Keimzahl im Jejunum wird durch mehrere Schutzmechanismen aufrechterhalten, darunter die peristaltische Darmbewegung, die Magensäure und antimikrobielle Sekrete wie Galle und Pankreasenzyme.
Funktionen der Jejunumflora
Die Mikroorganismen im Jejunum übernehmen wichtige Aufgaben:
- Unterstützung der Verdauung: Bestimmte Bakterien helfen bei der Fermentation von Kohlenhydraten und der Verstoffwechselung von Nährstoffen.
- Schutzfunktion: Die normale Flora verhindert die Ansiedlung pathogener (krankmachender) Keime.
- Immunmodulation: Bakterien im Dünndarm interagieren mit dem darmassoziiertem Immunsystem (GALT – Gut-Associated Lymphoid Tissue) und tragen zur Immunabwehr bei.
- Produktion von Vitaminen: Einige Bakterien produzieren Vitamine wie Vitamin K und bestimmte B-Vitamine.
Störungen der Jejunumflora
Eine Fehlbesiedlung des Dünndarms, auch als Small Intestinal Bacterial Overgrowth (SIBO) bezeichnet, ist die häufigste Störung der Jejunumflora. Hierbei kommt es zu einer übermäßigen Vermehrung von Bakterien im Dünndarm, was zu verschiedenen Beschwerden führen kann.
Ursachen einer Fehlbesiedlung
- Verminderte Darmmotilität (z. B. bei Diabetes mellitus oder nach Operationen)
- Anatomische Veränderungen des Darms (z. B. Divertikel, Verwachsungen)
- Magenmangelsäure (Hypochlorhydrie oder Achlorhydrie)
- Erkrankungen wie Morbus Crohn oder Zustände nach Dünndarmoperationen
- Immunschwäche
Symptome einer Fehlbesiedlung
- Blähungen und Meteorismus
- Durchfall oder Verstopfung
- Bauchschmerzen und -krämpfe
- Nährstoffmangelzustände (z. B. Vitamin B12-Mangel, Fettlösliche Vitaminmängel)
- Ungewollter Gewichtsverlust
Diagnose
Die Diagnose einer Dünndarm-Fehlbesiedlung und die Beurteilung der Jejunumflora erfolgen durch verschiedene Methoden:
- Atemtest: Beim Glukose- oder Laktuloseatemtest werden Wasserstoff- und Methanwerte im Atemgas gemessen, die bei bakterieller Überwucherung erhöht sind.
- Dünndarmaspiration: Durch eine Endoskopie wird Dünndarmflüssigkeit entnommen und mikrobiologisch untersucht (Goldstandard).
- Blutuntersuchungen: Nachweis von Nährstoffmängeln als Hinweis auf eine gestörte Resorption.
Behandlung
Die Therapie richtet sich nach der Ursache der Störung und umfasst:
- Antibiotika: Z. B. Rifaximin, ein schlecht resorbierbares Antibiotikum, das gezielt im Darm wirkt.
- Probiotika: Können helfen, eine gesunde Darmflora wiederherzustellen und die Jejunumflora zu stabilisieren.
- Diätanpassungen: Ernährungsumstellungen (z. B. Low-FODMAP-Diät) zur Reduzierung der Substratverfügbarkeit für Darmbakterien.
- Behandlung der Grunderkrankung: Zum Beispiel bessere Blutzuckereinstellung bei Diabetes oder chirurgische Korrektur anatomischer Anomalien.
Quellen
- Ghoshal, U. C. et al.: "Small Intestinal Bacterial Overgrowth and Irritable Bowel Syndrome: A Bridge between Functional Organic Dichotomy." Gut and Liver, 2017.
- World Gastroenterology Organisation (WGO): Small Intestinal Bacterial Overgrowth (SIBO) – Global Guidelines, 2020. Verfügbar unter: www.worldgastroenterology.org
- Schölmerich, J. (Hrsg.): Medizinische Therapie in Klinik und Praxis. Springer Verlag, aktuelle Auflage.
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