Katastrophisieren – Ursachen, Symptome & Therapie
Katastrophisieren bezeichnet ein Denkmuster, bei dem Ereignisse als extrem bedrohlich überbewertet werden. Es ist häufig bei Angststörungen und chronischen Schmerzen.
Wissenswertes über "Katastrophisieren"
Katastrophisieren bezeichnet ein Denkmuster, bei dem Ereignisse als extrem bedrohlich überbewertet werden. Es ist häufig bei Angststörungen und chronischen Schmerzen.
Was ist Katastrophisieren?
Katastrophisieren (auch Katastrophendenken oder Katastrophisierung genannt) bezeichnet ein kognitives Denkmuster, bei dem eine Person Situationen, Ereignisse oder körperliche Empfindungen als weitaus schlimmer, gefährlicher oder unkontrollierbarer bewertet, als sie objektiv betrachtet sind. Dabei wird regelmäßig das schlimmstmögliche Ergebnis erwartet und in den Vordergrund gestellt. Katastrophisieren gilt in der kognitiven Verhaltenstherapie als eine sogenannte kognitive Verzerrung (englisch: cognitive distortion).
Ursachen und Entstehung
Katastrophisierendes Denken entsteht meist nicht plötzlich, sondern entwickelt sich über längere Zeit. Verschiedene Faktoren können dazu beitragen:
- Frühere Traumata oder negative Erlebnisse: Wer in der Vergangenheit schwierige Situationen erlebt hat, neigt eher dazu, zukünftige Ereignisse ähnlich einzuschätzen.
- Angststörungen: Generalisierte Angststörung, Panikstörung und soziale Phobie gehen häufig mit Katastrophisieren einher.
- Depression: Negative Denkmuster sind ein zentrales Merkmal depressiver Erkrankungen.
- Chronische Schmerzen: Menschen mit chronischen Schmerzen neigen dazu, Schmerzsignale zu überbewerten und als bedrohlicher wahrzunehmen.
- Genetische Veranlagung und persönlichkeitsbedingte Faktoren: Eine erhöhte emotionale Sensibilität oder Ängstlichkeit als Persönlichkeitsmerkmal kann das Risiko erhöhen.
- Erziehung und soziales Umfeld: Ein Umfeld, in dem Übertreibung oder Überbehütung verbreitet ist, kann dieses Muster fördern.
Symptome und Erscheinungsformen
Katastrophisieren äußert sich auf verschiedenen Ebenen:
Gedankliche Ebene
- Gedanken wie „Das wird ganz sicher schief gehen“ oder „Ich werde das nicht überstehen“
- Gedankliches Überbewerten kleiner Rückschläge als katastrophal
- Gedankenspiralen und Grübeln („Was wäre wenn ...“-Szenarien)
- Gefühl der Hilflosigkeit und Kontrollverlust
Emotionale Ebene
- Starke Angst, Panik oder innere Unruhe
- Hoffnungslosigkeit oder Verzweiflung
- Erhöhte Reizbarkeit
Körperliche Ebene
- Anspannung der Muskulatur
- Schlafstörungen durch anhaltende Sorgen
- Verstärkte Schmerzwahrnehmung bei chronischen Schmerzen
Zusammenhang mit chronischen Schmerzen
Besonders gut erforscht ist die Rolle des Katastrophisierens bei chronischen Schmerzerkrankungen. Der sogenannte Pain Catastrophizing Scale (PCS) ist ein etabliertes Messinstrument, das das Ausmaß katastrophisierender Gedanken im Zusammenhang mit Schmerzen erfasst. Studien zeigen, dass Patienten mit hohen Katastrophisierungswerten eine höhere Schmerzintensität, eine stärkere Beeinträchtigung im Alltag und eine schlechtere Therapieprognose aufweisen.
Diagnose
Katastrophisieren ist keine eigenständige Diagnose im Sinne des ICD-10 oder DSM-5, sondern ein Symptom oder Merkmal, das im Rahmen psychologischer Befunderhebungen identifiziert wird. Folgende Instrumente werden häufig eingesetzt:
- Pain Catastrophizing Scale (PCS): Speziell für den Schmerzkontext entwickelt
- Kognitive Schemata und Interviews: Im Rahmen der kognitiven Verhaltenstherapie
- Fragebogen zu angstbezogenen Kognitionen
Behandlung
Katastrophisierendes Denken kann effektiv behandelt werden. Die wichtigsten Therapieansätze sind:
Kognitive Verhaltenstherapie (KVT)
Die kognitive Verhaltenstherapie ist die Methode der ersten Wahl. Dabei lernen Betroffene, negative Denkmuster zu erkennen, zu hinterfragen und durch realistischere Gedanken zu ersetzen. Techniken wie die kognitive Umstrukturierung helfen, das Denken flexibler zu gestalten.
Achtsamkeitsbasierte Verfahren
Ansätze wie Mindfulness-Based Stress Reduction (MBSR) oder die Akzeptanz- und Commitment-Therapie (ACT) unterstützen Betroffene dabei, Gedanken als Gedanken wahrzunehmen, ohne ihnen übermäßig Bedeutung beizumessen.
Schmerzbewältigung
Bei chronischen Schmerzen kommen spezifische Programme zur Schmerzbewältigung zum Einsatz, die Katastrophisieren als zentralen Behandlungspunkt einschließen.
Medikamentöse Unterstützung
Bei gleichzeitig bestehenden Angststörungen oder Depressionen kann eine medikamentöse Behandlung, z. B. mit Antidepressiva (SSRI oder SNRI), die psychotherapeutische Behandlung unterstützen.
Wann zum Arzt?
Wenn katastrophisierende Gedanken den Alltag erheblich beeinträchtigen, zu sozialem Rückzug führen oder mit anhaltender Angst, Depression oder Schlafstörungen verbunden sind, sollte eine ärztliche oder psychotherapeutische Fachkraft aufgesucht werden.
Quellen
- Sullivan, M. J. L. et al. (1995): The Pain Catastrophizing Scale: Development and Validation. Psychological Assessment, 7(4), 524–532.
- Beck, A. T. (2011): Kognitive Therapie der Depression. Beltz Verlag, Weinheim.
- Weltgesundheitsorganisation (WHO): Mental Health Action Plan 2013–2030. WHO Press, Genf.
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