Intensives Training setzt wichtige Anpassungsprozesse in Gang, stellt den Körper aber auch vor besondere Herausforderungen: Der Energiebedarf steigt, die Muskulatur arbeitet auf Hochtouren und es entstehen vermehrt reaktive Sauerstoffverbindungen. Genau hier setzt die Forschung zu Astaxanthin im Sport an. Das natürliche Carotinoid wird vor allem im Zusammenhang mit oxidativem Stress, Muskelbeanspruchung, Ausdauerleistung und Regeneration untersucht.
Was passiert bei oxidativem Stress im Training?
Während körperlicher Aktivität benötigt der Körper mehr Sauerstoff. Dadurch können vermehrt sogenannte reaktive Sauerstoffspezies – kurz ROS – entstehen. Häufig werden sie pauschal als schädliche freie Radikale bezeichnet. Ganz so einfach ist es jedoch nicht.
In moderaten Mengen sind ROS an wichtigen Signalprozessen beteiligt. Sie helfen dem Körper dabei, sich an Trainingsreize anzupassen. Wird die Belastung allerdings sehr hoch und fehlen ausreichende Erholungsphasen, kann das Gleichgewicht zwischen oxidativen Prozessen und der körpereigenen Abwehr vorübergehend gestört werden. Besonders intensive Trainings- und Wettkampfphasen können daher höhere Anforderungen an Regeneration, Schlaf und Ernährung stellen.
Was ist Astaxanthin?
Astaxanthin ist ein Carotinoid, das unter anderem von der Mikroalge Haematococcus pluvialis gebildet wird. Über die Nahrung kommt es beispielsweise in Lachs, Garnelen und anderen Meerestieren vor. Die Mikroalge produziert Astaxanthin unter ungünstigen Umweltbedingungen als eigenen Schutzstoff. Aufgrund seiner besonderen Molekülstruktur wird das fettlösliche Carotinoid seit Jahren im Zusammenhang mit oxidativen Prozessen, körperlicher Belastung und Regeneration untersucht. Die Ergebnisse sind bislang jedoch nicht abschließend bewertet.
Astaxanthin im Sport: Diese Effekte werden untersucht
Die Forschung zu Astaxanthin und Sport konzentriert sich vor allem auf vier Bereiche:
- Ausdauerleistung,
- oxidative Belastung,
- Muskelbeanspruchung,
- Erholung nach intensivem Training.
Mögliche Effekte auf die Ausdauerleistung
In einer randomisierten, placebokontrollierten Studie nahmen trainierte Radfahrer über einen Zeitraum von 28 Tagen täglich 4 mg Astaxanthin oder ein Placebo ein. Nach der Supplementierung zeigte die Astaxanthin-Gruppe eine signifikante Verbesserung bei einem 20-Kilometer-Zeitfahren. Gleichzeitig stieg die durchschnittlich erbrachte Leistung während des Zeitfahrens. Aufgrund der kleinen Teilnehmerzahl sollten diese Ergebnisse jedoch vorsichtig interpretiert werden (Earnest et al., 2011).
Mögliche Effekte auf die Kraftausdauer
In einer doppelblinden, placebokontrollierten Studie erhielten junge, gesunde Männer über sechs Monate täglich 4 mg Astaxanthin oder ein Placebo. Untersucht wurden verschiedene Parameter der körperlichen Leistungsfähigkeit. Bei einem standardisierten Kniebeugentest mit 42,5 kg Zusatzgewicht nahm die Anzahl der Wiederholungen in beiden Gruppen zu. Nach sechs Monaten betrug die durchschnittliche Steigerung in der Astaxanthin-Gruppe 27,05 Kniebeugen, verglichen mit 9,00 zusätzlichen Kniebeugen in der Placebogruppe. Der Unterschied zwischen den Gruppen war statistisch signifikant. Aufgrund der kleinen, ausschließlich männlichen und überwiegend 17 bis 19 Jahre alten Teilnehmergruppe sowie der nicht kontrollierten Trainingsbedingungen sind die Ergebnisse nur eingeschränkt übertragbar (Malmsten und Lignell, 2008).

Oxidativer Stress und Muskelbeanspruchung
Eine weitere Studie untersuchte 32 junge Fußballspieler. Die Teilnehmer erhielten über 90 Tage entweder Astaxanthin oder ein Placebo. Nach einer intensiven zweistündigen Belastung waren bestimmte Blutwerte, die als indirekte Marker für die Muskelbeanspruchung dienen, in der Astaxanthin-Gruppe niedriger als in der Placebogruppe. Die Forschenden beobachteten außerdem Unterschiede bei einzelnen Markern des oxidativen Stresses und der körpereigenen antioxidativen Abwehr (Djordjevic et al., 2012).
Immunantwort und Entzündungsmarker
In einer Untersuchung mit 40 trainierten Fußballspielern wurde zusätzlich die Immunantwort betrachtet. Nach 90 Tagen mit täglich 4 mg Astaxanthin zeigten sich in der Astaxanthin-Gruppe günstigere Veränderungen beim sekretorischen Immunglobulin A, kurz sIgA. Dieser Antikörper ist ein Bestandteil der Immunabwehr an den Schleimhäuten.
Darüber hinaus stiegen bestimmte Entzündungs- und Muskelmarker nach der Trainingsphase nur in der Placebogruppe deutlich an. Die Studienergebnisse sprechen daher für einen möglichen Einfluss von Astaxanthin auf die Immunantwort sowie auf belastungsbedingte Entzündungs- und Muskelprozesse (Baralic et al., 2015).
Was sagt die Gesamtheit der Studien?
Die bisherigen Einzelstudien zeigen positive Ansätze. Eine aktuelle systematische Übersichtsarbeit und Metaanalyse kommt jedoch zu einem differenzierten Ergebnis: Astaxanthin verbesserte über alle einbezogenen Studien hinweg weder die maximale Sauerstoffaufnahme noch die Zeitfahrleistung oder die maximale Leistungsfähigkeit statistisch signifikant.
Deutlichere Hinweise fanden die Forschenden bei einzelnen Regenerationsmarkern. In der zusammengefassten Auswertung waren die Kreatinkinasewerte unter Astaxanthin statistisch signifikant niedriger. Da Kreatinkinase lediglich ein indirekter Marker für belastungsbedingte Muskelveränderungen ist, lässt sich daraus jedoch nicht automatisch eine spürbar schnellere Regeneration ableiten. Insgesamt könnte Astaxanthin daher eher im Zusammenhang mit der Erholung nach körperlicher Belastung als mit einer direkten Leistungssteigerung interessant sein (Liu et al., 2026).
Fazit: Regeneration und Belastung in Balance bringen
Oxidative Prozesse gehören zum Training. In einem gewissen Umfang unterstützen sie sogar die Anpassung des Körpers an neue Belastungen. Das Ziel sollte deshalb nicht darin bestehen, freie Radikale vollständig zu vermeiden, sondern Trainingsbelastung und Regeneration sinnvoll auszubalancieren. Astaxanthin wird im Sport vor allem im Zusammenhang mit oxidativem Stress, Muskelbeanspruchung, Immunantwort und Erholung untersucht. Einzelne Humanstudien zeigen positive Ergebnisse. Eine zuverlässige Steigerung von Ausdauer oder Leistungsfähigkeit ist nach derzeitigem Forschungsstand jedoch nicht belegt.
Quellen
Baralic, I., Andjelkovic, M., Djordjevic, B., Dikic, N., Radivojevic, N., Suzin-Zivkovic, V., Radojevic-Skodric, S. und Pejic, S. (2015): „Effect of Astaxanthin Supplementation on Salivary IgA, Oxidative Stress, and Inflammation in Young Soccer Players“. Evidence-Based Complementary and Alternative Medicine, 2015, Artikel 783761. doi: 10.1155/2015/783761.
Djordjevic, B., Baralic, I., Kotur-Stevuljevic, J., Stefanovic, A., Ivanisevic, J., Radivojevic, N., Andjelkovic, M. und Dikic, N. (2012): „Effect of Astaxanthin Supplementation on Muscle Damage and Oxidative Stress Markers in Elite Young Soccer Players“. The Journal of Sports Medicine and Physical Fitness, 52(4), S. 382–392. PMID: 22828460.
Earnest, C. P., Lupo, M., White, K. M. und Church, T. S. (2011): „Effect of Astaxanthin on Cycling Time Trial Performance“. International Journal of Sports Medicine, 32(11), S. 882–888. doi: 10.1055/s-0031-1280779.
Liu, S., Yao, W., Wei, Y., Azhati, S., Wu, Y., Zhong, W., Wang, P., Dai, H., Zhao, K. und Liu, C. (2026): „The Effects of Astaxanthin Supplementation on Exercise Recovery Biomarkers and Exercise Performance: A Systematic Review and Meta-Analysis“. Nutrients, 18(10), Artikel 1570. doi: 10.3390/nu18101570.
Malmsten, C. L. und Lignell, Å. (2008): „Dietary Supplementation with Astaxanthin-Rich Algal Meal Improves Strength Endurance – A Double Blind Placebo Controlled Study on Male Students“. Carotenoid Science, 13, S. 20–22