Dein Baby sabbert, kaut auf allem herum und schläft unruhig? Dann kündigt sich vielleicht der erste Zahn an. Hier erfährst Du, wann das Zahnen beginnt, in welcher Reihenfolge die Milchzähne kommen, welche Anzeichen normal sind und was gegen Zahnungsschmerzen hilft. Alle Angaben beruhen auf wissenschaftlichen Studien und Empfehlungen von Fachgesellschaften.
Wann beginnt das Zahnen beim Baby?
Der Durchbruch der Milchzähne findet meist zwischen dem 4. und dem 36. Lebensmonat statt [7, 8]. In einer rumänischen Studie mit 70 Kindern kam der erste Zahn im Mittel mit 7 Monaten, bei den frühesten Kindern schon mit 3, bei den spätesten erst mit 13 Monaten [8]. Eine große Auswertung mit über 42.000 Kindern weltweit bestätigt diese breite Spanne, auch je nach Herkunft unterscheiden sich die Durchschnittswerte um mehrere Monate [7].
Ein Baby, das mit neun Monaten noch keinen Zahn zeigt, liegt also im Rahmen dessen, was in den Studien vorkommt [8]. Wer unsicher ist, fragt in der Kinderarztpraxis nach. Die zahnärztliche Früherkennung ist ab dem 6. bis 9. Lebensmonat vorgesehen [1].
Reihenfolge der Milchzähne: Welcher Zahn kommt wann?
Insgesamt bekommen Kinder 20 Milchzähne, zehn im Oberkiefer und zehn im Unterkiefer. Meist beginnt ein unterer mittlerer Schneidezahn. Es folgen die oberen mittleren und die seitlichen Schneidezähne, dann die ersten Backenzähne, die Eckzähne und zuletzt die zweiten Backenzähne. Bei etwa jedem sechsten Kind erscheint allerdings ein oberer Schneidezahn vor den unteren [8].
| Nr. | Zahn | Durchschnittsalter (Monate) | Beobachtete Spanne (Monate) |
|---|---|---|---|
| 1 | Untere mittlere Schneidezähne | ca. 8 | 3 bis 14 |
| 2 | Obere mittlere Schneidezähne | ca. 9 | 3 bis 18 |
| 3 | Obere seitliche Schneidezähne | ca. 11 | 6 bis 26 |
| 4 | Untere seitliche Schneidezähne | ca. 12 | 6 bis 29 |
| 5 | Erste Backenzähne (oben und unten) | ca. 16 | 9 bis 23 |
| 6 | Obere Eckzähne | ca. 17 | 10 bis 22 |
| 7 | Untere Eckzähne | ca. 18 | 10 bis 24 |
| 8 | Untere zweite Backenzähne | ca. 23 | 19 bis 29 |
| 9 | Obere zweite Backenzähne | ca. 25 | 21 bis 30 |
Werte aus einer Studie mit 70 Kindern, sie zeigen eine Größenordnung, keine Norm [8].
Anzeichen fürs Zahnen
Typische Symptome beim Zahnen sind vermehrter Speichelfluss, Beißen und Kauen, Unruhe und empfindliches Zahnfleisch. Sie entstehen, weil sich der Zahn durch Knochen und Zahnfleisch schiebt. Das Gewebe reagiert mit einer örtlichen Entzündung, das Zahnfleisch kann gerötet und geschwollen wirken [4, 6]. Wie stark ein Baby betroffen ist, ist sehr verschieden. Eine Meta-Analyse aus 25 Studien schätzt, dass rund 80 Prozent der Kinder Beschwerden haben [3].
Die häufigsten Anzeichen:
- Beißen und Kauen: Häufigstes Zeichen, bei etwa zwei Dritteln der Kinder. Der Gegendruck scheint das Spannungsgefühl im Kiefer zu lindern.
- Sabbern: Bei knapp der Hälfte der Kinder, in den Tagen vor dem Durchbruch oft deutlich mehr.
- Quengeln und Reizbarkeit: Das häufigste allgemeine Symptom.
- Gereiztes Zahnfleisch: Babys reiben, saugen und beißen häufiger darauf.
- Unruhige Nächte: Zahnende Babys wachen häufiger auf.
- Leicht erhöhte Temperatur: Im Mittel nur etwa 0,16 Grad mehr als am Vortag.
Wie lange dauert das Zahnen pro Zahn?
Die Beschwerden halten meist nur wenige Tage an. In einer US-Studie mit 111 Babys häuften sie sich in einem Fenster von etwa acht Tagen: vier Tage vor dem Durchbruch, am Tag selbst und drei Tage danach [5].
Fieber? Was nicht aufs Zahnen geschoben werden sollte
Am Tag des Zahndurchbruchs steigt die Temperatur bei manchen Kindern minimal an, Fieber ist das aber nicht [4, 6]. In einer US-Studie mit täglichen Messungen lag die Temperatur nur bei einem von 369 Zahndurchbrüchen über 39 Grad, bei keinem über 40 Grad [5].
Zahnen oder Infekt?
Dass Fieber oder Durchfall in die Zeit des Zahnens fallen, ist meist Zufall. Im Alter der ersten Zähne lässt der Nestschutz durch die Mutter nach und das eigene Abwehrsystem ist noch nicht vollständig ausgereift. Hinzu kommt, dass Babys alles in den Mund stecken. Infekte sind in dieser Phase deshalb häufig, auch Durchfall hat dann oft eine infektiöse Ursache. Das Baby sollte bei Fieber ab 38 Grad, Durchfall und starken oder anhaltenden Beschwerden ärztlich untersucht werden.
Zahnungsschmerzen lindern: Beißring, Kühlung und Zahnfleischmassage
An erster Stelle stehen einfache Mittel ohne Medikamente: Beißring, Zahnfleischmassage und viel Nähe. Ihre Wirkung ist nur schwach belegt, aber sie sind leicht umzusetzen, und in einer Studie fielen keine Nebenwirkungen auf [2, 6].
- Beißring: Schnitt in einer Studie mit 254 Kindern am besten ab [6]. Geeignet sind massive Ringe, etwa aus Kunststoff. Flüssigkeitsgefüllte Beißringe gelten als unsicher.
- Zahnfleischmassage: Mit sauberer Fingerkuppe oder einer sehr weichen Fingerzahnbürste ein bis zwei Minuten sanft über die Stelle streichen. Der Druck kann den Schmerz überlagern.
- Nähe und Ablenkung: Kuscheln, Tragen, Vorlesen, Singen, Spielen. Schlafprobleme und Weinen gingen in der Studie damit bei fast allen betroffenen Kindern zurück [6].
- Kühlen: Fachgesellschaften in den USA und Großbritannien empfehlen gekühlte Beißringe (nicht gefroren) [4, 6].
Was besser weggelassen werden sollte
- Bernsteinketten und andere Zahnungsketten bergen Strangulations- und Erstickungsgefahr [4].
- Betäubende Zahnungsgele stehen in der Kritik. Benzocain wird mit einer Störung des Sauerstofftransports im Blut in Verbindung gebracht, Lidocain kann bei Babys das Nervensystem belasten [2, 4].
Fazit: Zahnen beim Baby ist meist harmlos
Zahnen ist ein natürlicher Vorgang. Viele Babys haben milde Beschwerden wie Sabbern, Kauen, Unruhe und empfindliches Zahnfleisch, manche merken kaum etwas. Die Beschwerden beschränken sich meist auf wenige Tage rund um den Durchbruch eines Zahns. Fieber ab 38 Grad, Durchfall oder starke Krankheitszeichen gehören nicht zum Zahnen. Zur Linderung eignen sich einfache Mittel: ein Beißring, eine sanfte Zahnfleischmassage und viel Nähe. Und wenn die Nacht wieder einmal lang wird: Die anstrengende Phase geht bei jedem Zahn vorbei.
Quellen
[1] Berg, B., Cremer, M., Flothkötter, M., Koletzko, B., Krämer, N., Krawinkel, M., Lawrenz, B., Przyrembel, H., Schiffner, U., Splieth, C., Vetter, K., & Weißenborn, A. (2021). Kariesprävention im Säuglings- und frühen Kindesalter: Handlungsempfehlungen des bundesweiten Netzwerks Gesund ins Leben. Monatsschrift Kinderheilkunde, 169(6), 550–558. https://doi.org/10.1007/s00112-021-01167-z
[2] Canto, F. M. T., Costa Neto, O. de C., Loureiro, J. M., Marañón-Vásquez, G. A., Ferreira, D. M. T. P., Maia, L. C., & Pithon, M. M. (2022). Efficacy of treatments used to relieve signs and symptoms associated with teething: A systematic review. Brazilian Oral Research, 36, Article e066. https://doi.org/10.1590/1807-3107bor-2022.vol36.0066
[3] Garima, J., Mathur, V. P., Tewari, N., Rahul, M., Sultan, F., Haldar, P., Bansal, K., & Upadhyay, A. D. (2025). Global prevalence of teething problems in infants and children: A systematic review and meta-analysis. International Journal of Paediatric Dentistry, 35(3), 608–624. https://doi.org/10.1111/ipd.13272
[4] Langford, D. K., Guelmann, M., & Katz, J. (2025). Teething in infants: A structured review of symptomatology, parental misconceptions, and evidence-based management. Journal of Clinical Pediatric Dentistry, 49(6), 11–21. https://doi.org/10.22514/jocpd.2025.122
[5] Macknin, M. L., Piedmonte, M., Jacobs, J., & Skibinski, C. (2000). Symptoms associated with infant teething: A prospective study. Pediatrics, 105(4), 747–752. https://doi.org/10.1542/peds.105.4.747
[6] Memarpour, M., Soltanimehr, E., & Eskandarian, T. (2015). Signs and symptoms associated with primary tooth eruption: A clinical trial of nonpharmacological remedies. BMC Oral Health, 15, Article 88. https://doi.org/10.1186/s12903-015-0070-2
[7] Muthu, M. S., Vandana, S., Akila, G., Anusha, M., Kandaswamy, D., & Aswath Narayanan, M. B. (2024). Global variations in eruption chronology of primary teeth: A systematic review and meta-analysis. Archives of Oral Biology, 158, Article 105857. https://doi.org/10.1016/j.archoralbio.2023.105857
[8] Ogodescu, E., Popa, M., Isac, C., Pinosanu, R., Olaru, D., Cismas, A., Tudor, A., & Miron, M. (2022). Eruption timing and sequence of primary teeth in a sample of Romanian children. Diagnostics, 12(3), Article 606. https://doi.org/10.3390/diagnostics12030606