- Das Wichtigste in Kürze
- Kaufland ruft Aptamil und Milumil erneut zurück
- So prüfst Du Deine Vorräte
- Was seit Dezember 2025 passiert ist
- Ursache: Verunreinigtes ARA-Öl aus China
- Bacillus cereus und Cereulid: Unterschied zwischen Keim und Gift
- Was die EU unternimmt
- Wie gefährlich ist Cereulid für Säuglinge? Was bisher bekannt ist
- Symptome: Fried-Rice-Syndrom bei Säuglingen
- Zubereitung im Alltag: Frisch anrühren, nicht stehen lassen
- Fazit: Was der Rückruf für Eltern bedeutet
Das Wichtigste in Kürze
Im Oktober 2026 ist das Thema Cereulid in Babynahrung zurück: Kaufland hat am 9. Oktober bestimmte Chargen von Aptamil und Milumil erneut zurückgerufen. Es handelt sich um dieselben Chargen, die Danone bereits im Februar 2026 zurückgerufen hatte. Durch ein Versehen waren einzelne Packungen wieder in den Verkauf gelangt.
- Was ist passiert? Seit Dezember 2025 wurden weltweit Säuglingsnahrungen zurückgerufen, weil ein verunreinigtes Öl mit Arachidonsäure (ARA) das Bakteriengift Cereulid enthielt. In Deutschland betraf das vor allem Beba und Alfamino (Nestlé) sowie Aptamil und Milumil (Danone).
- Was ist neu? Der erneute Rückruf bei Kaufland, ein EU-Entwurf vom 1. September 2026 für einen verbindlichen Cereulid-Grenzwert in Säuglingsnahrung und neue Erkenntnisse zu Erkrankungsfällen.
Kaufland ruft Aptamil und Milumil erneut zurück
Am 9. Oktober 2026 hat Kaufland in Abstimmung mit den Behörden Chargen von Aptamil und Milumil erneut zurückgerufen. Danone hatte diese Chargen bereits am 5. Februar 2026 zurückgerufen, einzelne Packungen waren aber wieder in Kaufland-Filialen verkauft worden. Laut Kaufland sind inzwischen alle betroffenen Produkte aus den Regalen entfernt (produktwarnung.eu).
Betroffen sind diese Produkte mit den genannten Mindesthaltbarkeitsdaten (MHD):
| Produkt | EAN | Betroffene MHD |
|---|---|---|
| Aptamil Pronutra Pre, 800 g | 4056631001202 | 14.10.2026, 30.10.2026, 10.11.2026, 18.11.2026, 04.12.2026 |
| Aptamil Pronutra Pre, 1.200 g | 4056631003701 | 13.11.2026, 19.11.2026, 26.11.2026, 04.12.2026 |
| Aptamil Pronutra 1, 800 g | 4056631001226 | 15.10.2026, 10.11.2026, 03.12.2026 |
| Aptamil Pronutra 2, 800 g | 4056631001240 | 27.10.2026, 21.11.2026, 05.12.2026, 19.12.2026, 08.01.2027, 09.01.2027 |
| Aptamil Pronutra 2, 1.200 g | 4056631003725 | 29.11.2026, 02.01.2027 |
| Aptamil Pronutra 3, 800 g | 4056631001264 | 07.11.2026, 29.11.2026, 11.12.2026, 18.12.2026 |
| Aptamil Profutura Pre, 800 g | 4056631003435 | 11.02.2027, 14.03.2027, 20.04.2027, 08.05.2027, 08.06.2027, 06.08.2027, 17.09.2027 |
| Aptamil Profutura 1, 800 g | 4056631003459 | 03.12.2026, 08.01.2027, 12.02.2027, 18.03.2027, 21.04.2027, 08.05.2027, 08.06.2027, 08.08.2027, 27.09.2027 |
| Aptamil Profutura 2, 800 g | 4056631003473 | 02.12.2026, 07.01.2027, 20.01.2027, 10.02.2027, 19.04.2027, 18.05.2027, 14.06.2027, 04.08.2027, 05.08.2027, 22.08.2027, 02.11.2027, 11.11.2027 |
| Milumil Pre, 1.200 g | 4056631003961 | 15.10.2026, 20.11.2026, 03.12.2026, 24.12.2026, 15.01.2027, 19.02.2027 |
Stand: 9. Oktober 2026. Maßgeblich ist immer die aktuelle Meldung auf lebensmittelwarnung.de. Betroffene Packungen kannst Du in jeder Kaufland-Filiale zurückgeben. Den Kaufpreis bekommst Du auch ohne Kassenbon erstattet.
So prüfst Du Deine Vorräte
Ein Blick auf Packung und MHD reicht, um sicherzugehen. Das gilt auch für angebrochene Packungen, Vorräte bei Großeltern oder in der Kita und für Probepackungen.
- Marke und Sorte prüfen: Betroffen waren in Deutschland vor allem Aptamil und Milumil (Danone) sowie Beba und Alfamino (Nestlé).
- MHD und Charge ablesen: Beides steht meist auf dem Boden oder der Seite der Packung. Vergleiche es mit der Tabelle oben und den Herstellerseiten von Aptamil, Milupa und Nestlé.
- Verwendung stoppen: Die Nahrung nicht mehr verwenden, auch nicht „nur noch die letzte Flasche“.
- Zurückgeben: Händler und Hersteller erstatten den Kaufpreis in der Regel auch ohne Kassenbon.
Was seit Dezember 2025 passiert ist
Aus einer verunreinigten Zutat wurde innerhalb weniger Wochen einer der größten Rückrufe von Säuglingsnahrung, mit Rückrufen in fast 100 Ländern.
| Datum | Ereignis |
|---|---|
| 09.10.2026 | Kaufland ruft bereits im Februar zurückgerufene Aptamil- und Milumil-Chargen erneut zurück |
| 01.09.2026 | EU-Kommission legt Entwurf für einen verbindlichen Cereulid-Grenzwert in Säuglingsnahrung vor |
| Mai 2026 | Weitere Rückrufe außerhalb Europas, etwa in den USA bei a2 Milk |
| Anfang März 2026 | Öko-Test findet in 33 geprüften Anfangsnahrungen kein Cereulid (mehr) |
| 26.02.2026 | Verschärfte EU-Einfuhrkontrollen für ARA-Öl aus China treten in Kraft |
| 19.02.2026 | EFSA und ECDC schätzen das Risiko durch die Rückrufe als gering ein |
| 10.02.2026 | Belgien meldet Cereulid-Nachweise in Stuhlproben erkrankter Säuglinge |
| 05.02.2026 | Danone erweitert den Rückruf auf weitere Aptamil- und Milumil-Chargen |
| 02.02.2026 | EFSA veröffentlicht Sicherheitswerte für Cereulid in Säuglingsnahrung |
| 30.01.2026 | Danone warnt öffentlich vor ersten Aptamil-Chargen |
| 05.01.2026 | Nestlé informiert die Öffentlichkeit in Deutschland über den Rückruf von Beba und Alfamino |
| 12.12.2025 | Erste Warnung im europäischen Schnellwarnsystem RASFF |
Ursache: Verunreinigtes ARA-Öl aus China
Ausgangspunkt war ein Öl mit Arachidonsäure (ARA), das viele Hersteller als Zutat für Säuglingsnahrung einsetzen. ARA ist eine langkettige Omega-6-Fettsäure, die für die Entwicklung von Säuglingen wichtig ist. Das betroffene Öl stammt nach Angaben der Verbraucherzentralen von einem der weltweit größten ARA-Produzenten mit Sitz in Wuhan.
Weil viele Marken diese Zutat vom selben Lieferanten bezogen, betraf eine einzige Verunreinigung gleichzeitig Produkte mehrerer Hersteller und Länder. Tests auf Cereulid in ARA-Öl waren vor dem Vorfall nicht üblich, weil dieses Risiko für Öle schlicht nicht bekannt war.
Wichtig: ARA selbst ist nicht das Problem. Es geht um die Verunreinigung einer Zutat mit einem Bakteriengift, also um ein Thema der Rohstoffkontrolle.
Bacillus cereus und Cereulid: Unterschied zwischen Keim und Gift
In vielen Medienberichten ist pauschal von „Bakterien in Babynahrung“ die Rede. Das klingt zwar alarmierend, ist aus medizinischer Sicht jedoch zu ungenau. Hier ist ein wichtiger Unterschied entscheidend. Bacillus cereus ist das Bakterium, während Cereulid das Gift ist, das bestimmte Stämme dieses Bakteriums bilden können.
Das Bakterium kommt natürlicherweise in der Umwelt vor, etwa im Boden oder auf pflanzlichen Rohstoffen. In geringen Mengen ist es in Lebensmitteln keine Seltenheit. Problematisch wird es erst, wenn sich der Keim vermehrt und dabei Giftstoffe bildet. Das Bundesinstitut für Risikobewertung unterscheidet bei Bacillus cereus zwei klar verschiedene Krankheitsbilder:
- Diarrhöisches Syndrom:
Hier gelangen lebende Bakterien in den Darm, vermehren sich dort und produzieren sogenannte Enterotoxine im Körper. Die Symptome (Durchfall und Bauchschmerzen) treten meist nach 8 bis 16 Stunden auf.
- Emetisches Syndrom (Cereulid-Typ):
In diesem Fall ist das Toxin bereits im Lebensmittel gebildet worden. Das Gift wird mitverzehrt und wirkt direkt im Körper. Typisch sind plötzlich einsetzende Übelkeit und starkes Erbrechen, oft schon nach 30 Minuten bis 6 Stunden.
Für die aktuellen Rückrufe ist ausdrücklich das emetische Toxin Cereulid relevant, nicht das diarrhöische Krankheitsbild (BfR). Cereulid ist dabei außergewöhnlich widerstandsfähig: Es übersteht 121 °C über zwei Stunden und bleibt zwischen pH 2 und 11 stabil. Weder Kochen noch Magensäure zerstören es (Rütschle, 2015).
Was die EU unternimmt
Seit dem 26. Februar 2026 muss jede Lieferung von ARA-Öl aus China nachweislich frei von Cereulid sein, und die Hälfte der Sendungen wird bei der Einfuhr kontrolliert (Durchführungsverordnung (EU) 2026/459). Am 1. September 2026 hat die EU-Kommission außerdem einen Entwurf für einen verbindlichen Cereulid-Grenzwert in Säuglingsnahrung vorgelegt; bis er in Kraft tritt, dienen die Richtwerte der EFSA als Grundlage für Rückrufe (EFSA Journal).
Wie gefährlich ist Cereulid für Säuglinge? Was bisher bekannt ist
Die meisten Erkrankungen verliefen mild, einzelne Säuglinge mussten wegen Flüssigkeitsverlust ins Krankenhaus. Das ist das Ergebnis der gemeinsamen Bewertung von EFSA und ECDC vom 19. Februar 2026.
- Gemeldete Fälle: Zwischen dem 19. Dezember 2025 und dem 13. Februar 2026 meldeten sechs EU-Länder (Belgien, Dänemark, Frankreich, Luxemburg, Österreich, Spanien) und Großbritannien Säuglinge mit Magen-Darm-Beschwerden nach dem Verzehr von Säuglingsnahrung (ECDC).
- Bestätigte Nachweise: In Belgien wurde Cereulid in Stuhlproben von acht erkrankten Säuglingen nachgewiesen (ECDC). Damit ist belegt, dass das Gift tatsächlich bei Kindern angekommen ist.
- Aktuelle Einschätzung: EFSA und ECDC gehen davon aus, dass durch die Rückrufe praktisch keine belasteten Produkte mehr im Handel sind und das Risiko einer Aufnahme gering ist. Der Kaufland-Fall zeigt allerdings, dass einzelne Packungen dennoch wieder in den Verkauf gelangen können.
Warum Säuglinge besonders gefährdet sind: Sie trinken bezogen auf ihr Körpergewicht sehr viel, ihr Stoffwechsel ist noch nicht ausgereift, und Erbrechen führt bei ihnen schneller zu Flüssigkeits- und Salzverlust. Besonders empfindlich sind Babys unter sechs Monaten. In seltenen Einzelfällen wurden bei Cereulid-Vergiftungen Leber- oder Nierenschäden beschrieben.
Symptome: Fried-Rice-Syndrom bei Säuglingen
Beschwerden durch Cereulid werden oft unter dem Begriff „Fried-Rice-Syndrom“ zusammengefasst. Die EFSA beschreibt es als typische Lebensmittelvergiftung mit Übelkeit, Erbrechen, teils Durchfall und Krämpfen, die kurz nach der Aufnahme einsetzt.
- Zeit bis zu den Symptomen: typischerweise 30 Minuten bis 6 Stunden bis zum plötzlichen Erbrechen.
- Hauptsymptom: plötzliches, teils starkes Erbrechen, häufig mit Bauchschmerzen. Auch Durchfall und Krämpfe sind möglich.
Hat Dein Baby ein zurückgerufenes Produkt bekommen und erbricht, wende Dich an Deine Kinderarztpraxis, außerhalb der Sprechzeiten an den Bereitschaftsdienst unter 116 117. Bei Zeichen von Austrocknung wie kaum nassen Windeln, trockenem Mund, eingesunkener Fontanelle oder Teilnahmslosigkeit gehört Dein Kind sofort in die Kinderklinik oder Notaufnahme.
Zubereitung im Alltag: Frisch anrühren, nicht stehen lassen
Unabhängig von den Rückrufen kann sich Bacillus cereus auch im Haushalt vermehren. In trockenem Milchpulver ist das nicht möglich, in angerührter Nahrung schon. Steht die Flasche länger bei Raumtemperatur oder warm, kann sich der Keim vermehren und Cereulid bilden. Erneutes Erwärmen zerstört das Gift nicht. Das BfR empfiehlt deshalb:
- Säuglingsmilch immer unmittelbar vor dem Füttern frisch zubereiten.
- Reste nicht aufbewahren und nicht wieder aufwärmen.
- Fertige Flaschen nicht stundenlang warmhalten, etwa in Thermoskannen oder Flaschenwärmern.
- Für unterwegs abgekochtes Wasser und Pulver getrennt mitnehmen und erst vor dem Füttern mischen.
Fazit: Was der Rückruf für Eltern bedeutet
Der Cereulid-Fall zeigt, wie eine einzige verunreinigte Zutat über globale Lieferketten viele Marken gleichzeitig treffen kann. Das Risiko im Handel ist heute gering, doch der erneute Rückruf im Oktober 2026 macht deutlich, dass sich ein Blick auf die eigenen Vorräte lohnt. Wer Packungen mit den Rückruflisten abgleicht, Säuglingsnahrung immer frisch zubereitet und bei Erbrechen nach dem Füttern betroffener Produkte ärztlichen Rat einholt, ist auf der sicheren Seite.
Quellen
Stand der Quellen: 13. Oktober 2026.
- Verbraucherzentrale. (2026, 12. Oktober). Cereulid in Babynahrung: Erneuter Rückruf Aptamil und Milumil von Kaufland.
- produktwarnung.eu. (2026, 9. Oktober). Rückruf: Cereulid – Kaufland ruft erneut bereits zurückgerufene Aptamil- und Milumil-Babynahrung zurück.
- EFSA BIOHAZ Panel. (2026). Scientific opinion on the risks associated with cereulide in food, particularly infant formula. EFSA Journal, 24(1), 9941.
- ECDC & EFSA. (2026, 19. Februar). Multi-country foodborne event caused by cereulide in infant formula products. EFSA Journal.
- ECDC. (2026, 19. Februar). Lower risk of exposure to cereulide following continued recall of infant formula products across European countries.
- Europäische Kommission. (2026). Durchführungsverordnung (EU) 2026/459.
- ChemLinked. (2026). EU Draft Sets Cereulide Limit for Infant Formula and Infant FSMP.
- Food Safety Magazine. (2026). EU Proposes Maximum Limits for Cereulide in Infant Formula.
- FoodNavigator. (2026, 25. Februar). Emergency checks imposed on China amid infant formula crisis.
- Food Safety News. (2026, 28. Mai). Infant formula recalled because of cereulide contamination.
- Öko-Test. (2026, März). Test Säuglingsnahrung: Cereulid.
- Bundesinstitut für Risikobewertung. (2026). Cereulid in Säuglingsnahrung.
- Bundesinstitut für Risikobewertung. (o. J.). Bacillus cereus in Lebensmitteln: Bei Vermehrung kann das Bakterium ein Gift bilden.
- Rütschle, A. (2015). Quantifizierung, Lokalisation und Export des emetischen Toxins Cereulid aus humanpathogenen Bacillus cereus. Dissertation, TU München.
- Nestlé Deutschland. (2026). Warum ruft Nestlé BEBA und ALFAMINO Produkte zurück?
- Danone. (2026). Stellungnahmen zu Aptamil und Milupa Milumil.