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Erkältung, Grippe oder Corona? Symptome, Verlauf und Unterschiede Erkältung, Grippe oder Corona? Symptome, Verlauf und Unterschiede 2026-10-16T07:45:06+00:00 2026-10-16T09:22:13+00:00
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Erkältung, Grippe oder Corona? Symptome, Verlauf und Unterschiede

Die Beschwerden ähneln sich oft stark. Welche Unterschiede Studien zeigen, warum Symptome allein für eine sichere Unterscheidung nicht ausreichen und was bei der Behandlung tatsächlich belegt ist.

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Bei Husten, Halsschmerzen und Abgeschlagenheit stellt sich schnell die Frage: Handelt es sich um eine Erkältung, eine Grippe oder um COVID-19? Die drei Atemwegsinfektionen können sehr ähnliche Beschwerden verursachen, unterscheiden sich jedoch in Verlauf, Schweregrad und Behandlung. Dieser Artikel fasst zusammen, welche Symptome typisch sind, was Studien über die Unterschiede zeigen und bei welchen Warnzeichen ärztlicher Rat eingeholt werden sollte.

Erkältung, Grippe, Corona: Welche Viren stecken dahinter?

Die Erkältung (grippaler Infekt) ist eine sehr häufige, in der Regel von selbst ausheilende Infektion der oberen Atemwege. Erwachsene bekommen sie etwa zwei- bis dreimal im Jahr, kleine Kinder deutlich öfter [1].

Die Grippe (Influenza) wird durch Influenzaviren verursacht. In Studien werden vor allem die Typen A (H1N1, H3N2) und B unterschieden [2]. Eine Grippe ist keine „starke Erkältung“, sondern eine eigene Erkrankung. Menschen mit Influenza sind meist kränker als bei einer Erkältung [1].

Corona (COVID-19) geht auf das Virus SARS-CoV-2 zurück. Die Erkrankung kann sehr unterschiedlich verlaufen, wobei sich viele Merkmale mit der Influenza überschneiden [10].

Symptome im Vergleich: Woran erkennt man die Unterschiede?

  • Erkältung: Typisch sind Schnupfen, Halskratzen und Husten. Bei einer Erkältung treten die Beschwerden meist in milderer Form auf. Eine Grippe geht dagegen laut Übersichtsarbeit häufiger mit Fieber, Schüttelfrost, Kopf- und Muskelschmerzen und ausgeprägtem Krankheitsgefühl einher [1].
  • Grippe: Ein Review mit 18 Studien an hospitalisierten Erwachsenen verglich beide Infektionen (COVID-19 & Influenza). Bei Influenza waren Fieber, Husten, Auswurf, Atemnot, Erbrechen sowie Nasen-, Hals- und Augenbeschwerden häufiger [10]. Wichtig: Fieber ist keine Pflicht. In Studien mit gesunden Freiwilligen, die gezielt mit Influenzaviren infiziert wurden, trat Fieber bei etwa 37 % (H1N1) bzw. 41 % (H3N2) der Infektionen auf, bei Influenza B nur bei 7,5 % [2]. Zudem verlief rund ein Drittel der Infektionen ohne Symptome [2].
  • Corona: Bei COVID-19 waren im selben Review Durchfall, neurologische Symptome wie Kopfschmerzen, Müdigkeit sowie der Verlust von Geruchs- und Geschmackssinn häufiger. Einige Autoren beschreiben für Corona zudem einen langsameren Krankheitsbeginn, für Influenza einen plötzlichen mit kürzerer Inkubationszeit [10].
Symptom
COVID-19 Erkrankte
Influenza Erkrankte
Fieber
ca. 72 %
ca. 90 %
Husten
ca. 58 %
ca. 85 %
Atemnot
ca. 33 %
ca. 49 %
Schnupfen
ca. 8 %
ca. 39 %
Halsschmerzen
ca. 9 %
ca. 37 %
Muskelschmerzen
ca. 19 %
ca. 30 %
Erbrechen

ca. 9 %

ca. 24 %

Wichtige Einschränkung: Die Übersicht stammt aus einer Metaanalyse an Krankenhauspatienten [10, 7]. Die Werte gelten für schwerer Erkrankte und lassen sich nicht ohne Weiteres auf den Alltag übertragen. Die Studien stammen überwiegend aus der frühen Phase der Pandemie. Seitdem haben sich die Virusvarianten und die Immunität der Bevölkerung verändert.

Verlauf und Ansteckungsdauer

Für die Grippe liegen besonders gute Daten aus Studien mit Freiwilligen vor. Die Virusausscheidung setzte rasch nach der Infektion ein und erreichte am zweiten Tag ihren Höhepunkt. Im Mittel dauerte sie etwa 4,8 Tage. Systemische Beschwerden wie Gliederschmerzen erreichten ebenfalls am zweiten Tag ihren Höhepunkt, die Gesamtsymptome am dritten Tag. Die Daten stammen allerdings von gesunden Erwachsenen. Für Kinder und ältere Menschen kann der Verlauf abweichen [2].

Doppelinfektion von Grippe und COVID-19

Eine gleichzeitige Infektion mit Grippe und Corona ist grundsätzlich möglich, tritt in der Praxis jedoch insgesamt eher selten auf. Bei den allermeisten Menschen mit einer bestätigten COVID-19-Diagnose liegt keine zusätzliche Influenza-Infektion vor. Eine Metaanalyse fand bei bestätigter COVID-19 in 0,8 % der Fälle gleichzeitig Influenza [3].

Dennoch zeigen Auswertungen, dass bestimmte demografische und geografische Faktoren eine Rolle spielen: So sind Kinder mit einem Anteil von 3,2 % deutlich häufiger von einer Doppelinfektion betroffen als Erwachsene. Auch im weltweiten Vergleich schwankt die Häufigkeit je nach Region spürbar. In Asien lag sie bei 4,5 %, in Amerika bei 0,4 % [3].

Wie gefährlich sind Grippe und Corona?

Bei der Schwere der Erkrankung gibt es Unterschiede, die vom Alter und von Vorerkrankungen abhängen. Bei COVID-19 waren Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes und Übergewicht häufiger. Bei Influenza waren Lungenerkrankungen und geschwächte Abwehr häufiger [10].

Aus Deutschland liegen aktuelle Daten vor: In der CORONA-Germany-Studie starben im Krankenhaus 16,8 % der Patienten mit der Wildtyp- bzw. Delta-Variante, 8,4 % mit Omikron und 4,7 % mit Influenza. Auch nach Herausrechnen von Alter, Geschlecht und Vorerkrankungen blieb das Sterberisiko im Krankenhaus bei Omikron höher als bei Influenza. Das Risiko stieg bei allen Virustypen stark mit dem Alter. [5]

Bei der Erkältung ist das Risiko für Komplikationen gering. Sie kommen aber vor, etwa als Nasennebenhöhlen- oder Mittelohrentzündung, besonders bei Kindern [1].

Die Wirksamkeit der Grippeimpfung

Die Wirksamkeit von Grippeimpfstoffen schwankt je nach Saison, Virusstamm und Altersgruppe. Eine Übersichtsarbeit zu älteren Menschen in Pflegeeinrichtungen fand Wirksamkeiten zwischen 7,2 % und 89,8 % gegen laborbestätigte Influenza. In einer Studie senkte ein verstärkter Impfstoff die Infektionsrate um 17 % [8]. Wer in Deutschland geimpft werden sollte, legt die Ständige Impfkommission (STIKO) fest. Deren Empfehlungen können beim RKI nachgelesen werden. Im Durchschnitt aller Altersgruppen und Saisons senkt die Impfung das Risiko für eine laborbestätigte Erkrankung um 20 % bis 60 % [11].

Gewissheit durch Tests

Weil sich die Symptome überlappen, hilft nur ein Labortest bei der sicheren Unterscheidung. Wegen möglicher Doppelinfektionen empfehlen Forschende Testverfahren, die mehrere Erreger gleichzeitig erfassen (Multiplex-PCR) [4]. Besonders sinnvoll ist ein Test bei Risikopersonen oder ausgeprägten Beschwerden, weil dann Behandlung und Schutz anderer davon abhängen können.

Behandlung einer Infektion und Hausmittel: Was hilft wirklich?

  • Ruhe und Flüssigkeit sind bei allen drei Erkrankungen die Basis. Die Evidenz für Erkältungsmittel ist oft schwach. Gute Belege gibt es für Händewaschen zur Vorbeugung [1]. Zink kann die Dauer einer Erkältung möglicherweise verkürzen, sofern es bei den ersten Symptomen angewendet wird; ein vorbeugender Nutzen vor einer Infektion ist hingegen nicht eindeutig belegt.
  • Honig ist gut bei Husten untersucht. In einem Cochrane-Review verkürzte Honig die Hustendauer stärker als Placebo. Ab dem vierten Tag brachte er keinen Vorteil mehr. Die Studien umfassten Kinder ab 12 Monaten [9].
  • Salzwasser für Nase und Rachen: Nasenspülungen mit Kochsalzlösung können Beschwerden etwas lindern. Ein Cochrane-Review bewertet die Datenlage allerdings als begrenzt, da die Studien klein sind [12]. In einer Pilotstudie verkürzten Nasenspülungen zusammen mit Gurgeln mit Salzwasser die Erkältungsdauer um knapp zwei Tage [13]. Für Nasenspülungen sollte abgekochtes oder steriles Wasser verwendet werden.
  • Antibiotika wirken nicht gegen Viren. Nur ein kleiner Teil der Erkältungen geht mit einer bakteriellen Infektion einher. Bei Nasennebenhöhlenentzündungen wird ein Antibiotikum erst erwogen, wenn die Beschwerden 7 bis 10 Tage anhalten und sich nicht bessern [1]. Auch bei COVID-19 hatten nur etwa 7 % der Krankenhauspatienten eine bakterielle Koinfektion. Routinemäßige Antibiotika werden daher nicht empfohlen [6].
  • Antivirale Medikamente gibt es für Grippe und Corona. Ob sie infrage kommen, entscheidet die Ärztin oder der Arzt, besonders bei Risikopatienten.

Viele weitere Hausmittel wie Hühnersuppe, Wickel oder Zwiebelsaft sind beliebt und meist unbedenklich, ihr Nutzen ist wissenschaftlich nur wenig belegt.

Fazit: So unterscheiden sich Erkältung, Grippe und Corona

Erkältung, Grippe und COVID-19 sind virale Atemwegsinfektionen mit oft ähnlichen Beschwerden. Der wichtigste Unterschied liegt im Schweregrad: Eine Erkältung heilt meist von selbst aus, während Influenza und COVID-19 häufiger schwer verlaufen, vor allem bei älteren Menschen und Personen mit Vorerkrankungen. Anhand der Symptome allein lassen sich die drei Erkrankungen nicht sicher unterscheiden, Gewissheit bringt nur ein Labortest. Antibiotika helfen gegen Viren nicht. Grundlage der Behandlung sind Ruhe und ausreichend Flüssigkeit. Risikopersonen sollten frühzeitig ärztlichen Rat einholen.


Quellen

  1. Allan, G. M., & Arroll, B. (2014). Prevention and treatment of the common cold: Making sense of the evidence. Canadian Medical Association Journal, 186(3), 190–199. https://doi.org/10.1503/cmaj.121442
  2. Carrat, F., Vergu, E., Ferguson, N. M., Lemaitre, M., Cauchemez, S., Leach, S., & Valleron, A.-J. (2008). Time lines of infection and disease in human influenza: A review of volunteer challenge studies. American Journal of Epidemiology, 167(7), 775–785. https://doi.org/10.1093/aje/kwm375
  3. Dadashi, M., Khaleghnejad, S., Abedi Elkhichi, P., Goudarzi, M., Goudarzi, H., Taghavi, A., Vaezjalali, M., & Hajikhani, B. (2021). COVID-19 and influenza co-infection: A systematic review and meta-analysis. Frontiers in Medicine, 8, Article 681469. https://doi.org/10.3389/fmed.2021.681469
  4. Dao, T. L., Hoang, V. T., Colson, P., Million, M., & Gautret, P. (2021). Co-infection of SARS-CoV-2 and influenza viruses: A systematic review and meta-analysis. Journal of Clinical Virology Plus, 1(3), Article 100036. https://doi.org/10.1016/j.jcvp.2021.100036
  5. Dickow, J., Gunawardene, M. A., Willems, S., Feldhege, J., Wohlmuth, P., Bachmann, M., Bergmann, M. W., Gesierich, W., Nowak, L., Pape, U.-F., Schreiber, R., Wirtz, S., Twerenbold, R., Sheikhzadeh, S., & Gessler, N. (2023). Higher in-hospital mortality in SARS-CoV-2 omicron variant infection compared to influenza infection—Insights from the CORONA Germany study. PLOS ONE, 18(9), Article e0292017. https://doi.org/10.1371/journal.pone.0292017
  6. Lansbury, L., Lim, B., Baskaran, V., & Lim, W. S. (2020). Co-infections in people with COVID-19: A systematic review and meta-analysis. Journal of Infection, 81(2), 266–275. https://doi.org/10.1016/j.jinf.2020.05.046
  7. Li, P., Wang, Y., Peppelenbosch, M. P., Ma, Z., & Pan, Q. (2020). Systematically comparing COVID-19 with 2009 influenza pandemic for hospitalized patients. International Journal of Infectious Diseases, 102, 375–380. https://doi.org/10.1016/j.ijid.2020.11.127
  8. Moa, A., Kunasekaran, M., Akhtar, Z., Costantino, V., & MacIntyre, C. R. (2023). Systematic review of influenza vaccine effectiveness against laboratory-confirmed influenza among older adults living in aged care facilities. Human Vaccines & Immunotherapeutics, 19(3), Article 2271304. https://doi.org/10.1080/21645515.2023.2271304
  9. Oduwole, O., Udoh, E. E., Oyo-Ita, A., & Meremikwu, M. M. (2018). Honey for acute cough in children. Cochrane Database of Systematic Reviews, 2018(4), Article CD007094. https://doi.org/10.1002/14651858.CD007094.pub5
  10. Osman, M., Klopfenstein, T., Belfeki, N., Gendrin, V., & Zayet, S. (2021). A comparative systematic review of COVID-19 and influenza. Viruses, 13(3), Article 452. https://doi.org/10.3390/v13030452
  11. Robert Koch-Institut. (2026, 10. September). Schutzimpfung gegen Influenza – Wirksamkeit. https://www.rki.de/SharedDocs/FAQs/DE/Impfen/Influenza/FAQ_Liste_Wirksamkeit.html
  12. King, D., Mitchell, B., Williams, C. P., & Spurling, G. K. P. (2015). Saline nasal irrigation for acute upper respiratory tract infections. Cochrane Database of Systematic Reviews, 2015(4), Article CD006821. https://doi.org/10.1002/14651858.CD006821.pub3
  13. Ramalingam, S., Graham, C., Dove, J., Morrice, L., & Sheikh, A. (2019). A pilot, open labelled, randomised controlled trial of hypertonic saline nasal irrigation and gargling for the common cold. Scientific Reports, 9, Article 1015. https://doi.org/10.1038/s41598-018-37703-3

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