1. Kurzüberblick: Was hilft bei Neurodermitis?
Bei Neurodermitis handelt es sich um einen genetisch und immunologisch bedingten Defekt der Hautbarriere. Dieser führt zu Feuchtigkeitsverlust und ermöglicht das Eindringen von Allergenen und Erregern.
Häufige Symptome
Quälender Juckreiz, extrem trockene Haut, Rötungen (Erytheme) und nässende oder schuppende Ekzeme.
Wichtigste Diagnostik
Erfolgt in erster Linie klinisch anhand typischer Symptome und Kriterien wie den Rajka-Hanifin-Kriterien oder dem SCORAD-Index zur Einschätzung der Schwere.
Erste Therapiebausteine
Tägliche, konsequente Basistherapie (Rückfettung, Befeuchtung), Vermeidung individueller Triggerfaktoren und topische antientzündliche Akutbehandlung.
Wann ärztlich abklären?
Bei Verdacht auf bakterielle/virale Superinfektion (gelbe Krusten, Bläschen), rascher Ausbreitung, Therapieversagen der Basispflege oder starkem Leidensdruck.
2. Was ist Neurodermitis?
Neurodermitis, medizinisch atopische Dermatitis genannt, ist eine chronisch-entzündliche Hauterkrankung. Bei ihrer Entstehung wirken eine erbliche Veranlagung, eine gestörte Hautbarriere, eine Fehlregulation des Immunsystems und äußere Einflüsse zusammen. Dadurch verliert die Haut leichter Feuchtigkeit und reagiert empfindlicher auf Reizstoffe, Allergene und Krankheitserreger.
Wer ist besonders häufig von Neurodermitis betroffen?
Neurodermitis tritt besonders häufig im Kindesalter auf und beginnt oft bereits in den ersten Lebensjahren. In Deutschland sind etwa 13 % der Kinder und rund 2 % der Erwachsenen zumindest zeitweise betroffen. International können die Häufigkeiten je nach Region und Studie deutlich variieren.
3. Symptome: Woran erkennt man Neurodermitis?
Das wichtigste Symptom der Neurodermitis ist starker Juckreiz. Durch häufiges Kratzen wird die Haut zusätzlich gereizt und die geschwächte Hautbarriere weiter geschädigt. Dadurch kann ein sogenannter Juckreiz-Kratz-Kreislauf entstehen. Weitere typische Beschwerden sind:
- sehr trockene und empfindliche Haut
- gerötete, schuppende oder nässende Hautstellen
- entzündete Ekzeme
- verdickte oder rissige Haut bei längerem Verlauf
- Schlafstörungen durch nächtlichen Juckreiz
An welchen Körperstellen die Ekzeme auftreten, hängt häufig vom Alter ab. Bei Säuglingen sind oft das Gesicht, die Kopfhaut und die Außenseiten der Arme und Beine betroffen. Bei älteren Kindern und Erwachsenen zeigen sich die Beschwerden häufiger in den Arm- und Kniebeugen, an den Händen oder am Nacken.
Weitere mögliche Anzeichen und Symptome
Zusätzlich können Begleitzeichen auftreten, die jedoch nicht bei allen Betroffenen vorkommen. Dazu gehören:
- eine doppelte Hautfalte unter den Augen
- ausgedünnte äußere Augenbrauen
- auffallend blasse Hautreaktionen nach Reiben oder Kratzen
- dunkle oder gereizte Haut rund um die Augen
4. Diagnostik: Welche Werte sind wichtig?
Ärztliche Untersuchung
Bei der ärztlichen Untersuchung werden unter anderem folgende Punkte beurteilt:
- Aussehen und Verteilung der Hautveränderungen
- Stärke und Dauer des Juckreizes
- Häufigkeit und Verlauf der Schübe
- Mögliche Auslöser
- Schlaf und Lebensqualität
- Allergische Begleiterkrankungen wie Heuschnupfen oder Asthma
Die Diagnose wird anhand des typischen Hautbildes, der Verteilung der Ekzeme, des Juckreizes und des Krankheitsverlaufs gestellt. Die Hanifin-und-Rajka-Kriterien können die Diagnose unterstützen. SCORAD und EASI dienen vor allem zur Einschätzung des Schweregrads und des Verlaufs.
Blutwerte und Allergiediagnostik
Bei Neurodermitis können das Gesamt-IgE und bestimmte Abwehrzellen, die sogenannten Eosinophilen, erhöht sein. Diese Werte allein reichen jedoch weder zur Diagnose noch zur zuverlässigen Einschätzung des Schweregrads aus. Allergietests sind vor allem dann sinnvoll, wenn ein bestimmter Auslöser vermutet wird. Je nach Verdacht kommen ein Pricktest auf der Haut oder die Bestimmung spezifischer IgE-Antikörper im Blut infrage.
Differentialdiagnosen
Andere Hauterkrankungen sollten ausgeschlossen werden:
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Erkrankung |
Unterscheidungsmerkmal |
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Seborrhoisches Ekzem |
Meist ab 1. Lebensmonat, fettig-gelbliche Schuppen, kaum Juckreiz. |
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Scabies (Krätze) |
Milbengänge sichtbar (Fingerzwischenräume, Genitalien), extremer nächtlicher Juckreiz. |
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Kontaktekzem |
Streng lokalisierte Reaktion am Ort des Allergenkontakts (z. B. Metalle, Duftstoffe). |
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Kutanes T-Zell-Lymphom |
Meist bei Erwachsenen, asymmetrisch, therapieresistent, erfordert Biopsie. |
5. Therapieziele bei Neurodermitis
- Kurzfristig: Entzündung und Juckreiz lindern, den Schlaf verbessern und zusätzliche Hautinfektionen vermeiden.
- Mittelfristig: Die Hautbarriere durch konsequente Pflege stabilisieren und akute Ekzeme wirksam kontrollieren.
- Langfristig: Neue Schübe möglichst verhindern oder hinauszögern, individuell relevante Auslöser reduzieren und die Lebensqualität verbessern.
6. Therapieplan in Stufen
Die Behandlung orientiert sich an einem dynamischen Stufenschema, das je nach aktuellem Hautzustand intensiviert ("Step-up") oder reduziert ("Step-down") wird.
Vereinfachte, leitlinienorientierte Behandlung nach Stufenplan
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Stufe |
Zustand |
Mögliche leitlinienorientierte Therapieoptionen |
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1 |
Trockene Haut, minimaler Juckreiz |
Konsequente Basistherapie mit rückfettenden und feuchtigkeitsspendenden Pflegeprodukten sowie Vermeidung individuell bekannter Trigger. |
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2 |
Leichte bis moderate Ekzeme |
Maßnahmen aus Stufe 1 plus schwach bis mittelstark wirksame topische Glukokortikosteroide. Alternativ können topische Calcineurininhibitoren eingesetzt werden. |
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3 |
Mittelschwere bis schwere Ekzeme |
Maßnahmen aus Stufe 1 plus eine ärztlich angepasste, intensivere äußerliche Behandlung, z.B. mit stärker wirksamen topischen Glukokortikosteroiden. Je nach Alter und Körperstelle können auch topische Calcineurininhibitoren oder medizinische UV-Lichttherapie infrage kommen. |
| 4 | Schwere, hartnäckige Ekzeme |
Systemische Therapie, z.B. mit Biologika, JAK-Inhibitoren oder in bestimmten Fällen klassischen Immunsuppressiva wie Ciclosporin. Die Auswahl erfolgt unter fachärztlicher Kontrolle. |
Vitamine und Mineralstoffe für die Haut
Bestimmte Mikronährstoffe können die physiologischen Funktionen unterstützen:
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Nährstoff |
Health Claim (EU-VO 432/2012) |
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Zink |
Zink trägt zur Erhaltung normaler Haut bei. Zink trägt zu einer normalen Funktion des Immunsystems bei. |
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Biotin |
Biotin trägt zur Erhaltung normaler Haut bei. |
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Vitamin A |
Vitamin A trägt zur Erhaltung normaler Haut bei. Vitamin A trägt zu einer normalen Funktion des Immunsystems bei. |
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Vitamin D |
Vitamin D trägt zu einer normalen Funktion des Immunsystems bei. Vitamin D hat eine Funktion bei der Zellteilung. |
Wichtig: Nahrungsergänzungsmittel sind keine Medikamente und können Neurodermitis nicht nachweislich behandeln oder eine ärztlich verordnete Therapie ersetzen. Die aufgeführten EU-Health-Claims beziehen sich ausschließlich auf normale Körperfunktionen.
Naturheilkundliche Ansätze
Bei Neurodermitis werden häufig pflanzliche Öle wie Nachtkerzenöl oder Borretschöl eingesetzt, da sie die mehrfach ungesättigte Fettsäure Gamma-Linolensäure (GLA) enthalten. Diese kann theoretisch entzündungsmodulierend wirken und in die Bildung hautschützender Lipide eingreifen. Ziel ist eine Unterstützung der gestörten Hautbarriere sowie eine mögliche Linderung von Trockenheit und Juckreiz. Die klinische Evidenz ist jedoch gemischt, sodass diese Präparate eher als ergänzende Maßnahme und nicht als Standardtherapie gelten.
7. Ernährung bei Neurodermitis
Eine spezielle Neurodermitis-Diät, die nachweislich bei allen Betroffenen Schübe verhindert oder die Erkrankung heilt, gibt es nicht. Eine ausgewogene Ernährung kann zur allgemeinen Gesundheit und zur ausreichenden Versorgung mit Nährstoffen beitragen. Sie ersetzt jedoch keine Hautpflege oder medikamentöse Behandlung.
Eine antientzündliche (mediterrane/pflanzenbasierte) Ernährung mit viel frischem Gemüse, Beeren und gesunden Fetten (Omega-3-Fettsäuren aus Fisch oder Algenöl). Ballaststoffe (Präbiotika) dienen den Darmbakterien als Nahrung.
Quellen
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