Kreatin ist vor allem als Nahrungsergänzungsmittel zur Förderung des Muskelaufbaus, des Krafttrainings und der sportlichen Leistungsfähigkeit bekannt. Inzwischen beschäftigt sich die Forschung jedoch zunehmend mit der Frage, welche Rolle Kreatin im Gehirn spielt.
Da bei Migräne offenbar auch Veränderungen des zerebralen Energiestoffwechsels eine Rolle spielen, erscheint die folgende Idee zunächst plausibel: Könnte die zusätzliche Einnahme von Kreatin die Energieversorgung der Nervenzellen unterstützen und dadurch Migräneattacken vorbeugen?
Was ist Kreatin?
Kreatin ist eine körpereigene Verbindung, die aus den Aminosäuren Arginin, Glycin und Methionin gebildet wird. Ein großer Teil des körpereigenen Kreatins befindet sich in der Muskulatur. Kleinere, aber funktionell wichtige Mengen kommen auch im Gehirn vor.
Dort ist Kreatin Bestandteil des sogenannten Kreatin-Phosphokreatin-Systems. Dieses System hilft den Zellen, den universellen Energieträger ATP schnell wiederherzustellen. Besonders relevant ist das in Situationen, in denen der Energiebedarf kurzfristig stark ansteigt. Über die Ernährung nehmen wir Kreatin hauptsächlich durch Fleisch und Fisch auf. Zusätzlich ist es als Nahrungsergänzungsmittel erhältlich. Am besten untersucht ist Kreatin-Monohydrat.
Was hat Kreatin mit Migräne zu tun?
Migräne ist eine neurologische Erkrankung und deutlich mehr als ein gewöhnlicher Kopfschmerz. An ihrer Entstehung sind unter anderem Nervensignale, Botenstoffe, genetische Faktoren und die Verarbeitung äußerer Reize beteiligt. Forschungsergebnisse deuten außerdem darauf hin, dass der Energiestoffwechsel in bestimmten Hirnregionen bei Menschen mit Migräne verändert sein kann.
Hier setzt der theoretische Zusammenhang mit Kreatin an: Aufgrund seiner Funktion im Energiestoffwechsel könnte es Nervenzellen möglicherweise dabei unterstützen, kurzfristige Schwankungen des Energiebedarfs besser auszugleichen. Ob dies Migräneattacken beeinflusst, ist bislang nicht geklärt.
Hilft Kreatin gegen Migräne?
Hier ist eine klare Unterscheidung wichtig: Es gibt Forschung zu Kreatin und dem Gehirn, Forschung zum Energiestoffwechsel bei Migräne und theoretische Überlegungen zu einer möglichen Verbindung. Es gibt aber bislang kaum direkte klinische Forschung zur Einnahme von Kreatin bei Migräne.
Einige bildgebende Studien haben Veränderungen der Kreatinwerte in bestimmten Hirnregionen während einer Migräneattacke festgestellt. Die Ergebnisse sind jedoch nicht einheitlich. Solche Beobachtungen zeigen lediglich, dass Kreatin am Energiestoffwechsel des Gehirns beteiligt sein könnte. Sie beweisen nicht, dass zusätzlich eingenommenes Kreatin Migräne verhindert oder lindert.
Aktuell gilt daher: Es gibt einen plausiblen wissenschaftlichen Ansatz, aber keinen ausreichenden klinischen Wirksamkeitsnachweis.
Kann Kreatin Kopfschmerzen verursachen?
Wer Kreatin ausprobieren möchte, sollte ein reines Kreatin-Monohydrat wählen. Kopfschmerzen werden gelegentlich im Zusammenhang mit Kreatin berichtet. Ein eindeutiger ursächlicher Zusammenhang ist bei üblichen Mengen jedoch nicht belegt. Treten nach Beginn der Einnahme stärkere Kopfschmerzen auf, können auch andere Faktoren eine Rolle spielen, beispielsweise:
- eine hohe Einzeldosis,
- Schlafmangel,
- eine veränderte Trainingsbelastung,
- eine allgemein zu geringe Flüssigkeitsaufnahme,
- Koffein oder weitere Inhaltsstoffe eines Kombinationsprodukts.
Welches Kreatin ist sinnvoll?
Für die allgemeine Supplementierung ist Kreatin-Monohydrat die naheliegendste Wahl. Es ist gut untersucht, vergleichsweise preiswert und muss nicht mit weiteren Wirkstoffen kombiniert werden. Beim Kauf sollte man auf folgende Punkte achten:
- Reines Kreatin-Monohydrat,
- keine unnötigen Zusatzstoffe,
- transparente Angaben zu Reinheit und Herstellung,
- nachvollziehbare Qualitätskontrollen.
Wie viel Kreatin wird üblicherweise eingenommen?
Für allgemeine und sportliche Zwecke werden häufig etwa 3 bis 5 Gramm Kreatin-Monohydrat täglich verwendet. Diese Menge ist jedoch keine wissenschaftlich bestätigte Dosierung gegen Migräne. Eine spezielle Migräne-Dosis gibt es bislang nicht. Menschen mit Nierenerkrankungen, auffälligen Nierenwerten, Schwangerschaft oder regelmäßiger Medikamenteneinnahme sollten die Einnahme vorher ärztlich abklären.
Fazit: Ist Kreatin bei Migräne sinnvoll?
Aufgrund seiner Rolle im Energiestoffwechsel des Gehirns könnte Kreatin grundsätzlich interessant sein. Bisher fehlen jedoch überzeugende klinische Studien, die eine Wirkung gegen Migräne belegen. Wer Kreatin zur Unterstützung des Trainings oder der körperlichen Leistungsfähigkeit einnehmen möchte, sollte auf ein hochwertiges Kreatin-Monohydrat achten. Als Mittel zur Behandlung oder Vorbeugung von Migräne kann Kreatin derzeit noch nicht empfohlen werden.
Quellen
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