- 1. Kurzüberblick: Was hilft bei CFS?
- 2. Chronisches Fatigue-Syndrom (CFS): Definition und Ursachen
- 3. Symptome: Woran erkennt man CFS?
- 4. ME/CFS-Diagnose: Welche Blutwerte und Untersuchungen sind sinnvoll?
- 5. Therapieziele bei ME/CFS
- 6. ME/CFS-Therapie: Wie sieht die Behandlung konkret aus?
- 7. Ernährung bei ME/CFS
ME/CFS ist eine komplexe chronische Erkrankung, die weit über gewöhnliche Müdigkeit hinausgeht. Dieser Leitfaden gibt einen kompakten Überblick über typische Symptome, Diagnostik, Therapieansätze, Ernährung und mögliche unterstützende Maßnahmen.
1. Kurzüberblick: Was hilft bei CFS?
- Was ist CFS? Das Chronische Fatigue-Syndrom (CFS) ist eine komplexe, chronische Erkrankung mit ausgeprägter Erschöpfung, die sich durch Ruhe nicht ausreichend bessert.
- Typische Symptome: Besonders charakteristisch ist die Post-Exertional Malaise (PEM) – eine deutliche Verschlechterung der Beschwerden nach körperlicher oder geistiger Belastung.
- Diagnostik: Da es keinen einzelnen Laborwert als Nachweis gibt, dient die Diagnostik dazu, andere Ursachen für die Fatigue auszuschließen.
- Wichtigste Therapieansätze: Eine zentrale Rolle spielt das Aktivitäts- und Energiemanagement, um Überlastung und sogenannte Crashs zu vermeiden. Ergänzend können Symptome gezielt behandelt werden.
- Wann ärztlich abklären? Bei anhaltender starker Erschöpfung, einer deutlichen Verschlechterung nach Belastung oder zusätzlichen Warnzeichen.
2. Chronisches Fatigue-Syndrom (CFS): Definition und Ursachen
Das Chronische Fatigue-Syndrom (CFS), auch Myalgische Enzephalomyelitis (ME/CFS) genannt, ist eine komplexe chronische Erkrankung, die durch eine ausgeprägte körperliche und geistige Erschöpfung gekennzeichnet ist. Die Beschwerden bessern sich nicht ausreichend durch Erholung und können den Alltag erheblich einschränken.
CFS wird heute als neuroimmunologische Erkrankung verstanden. Häufig tritt die Erkrankung nach Infektionen auf, unter anderem nach viralen Infekten. Auch nach SARS-CoV-2-Infektionen wird ME/CFS im Zusammenhang mit Long COVID beobachtet.
Wer ist besonders häufig betroffen?
CFS kann prinzipiell Menschen jeden Alters treffen. Epidemiologische Daten zeigen jedoch, dass überproportional häufig Frauen diagnostiziert werden (die Literatur spricht von einem Verhältnis von ca. 3:1 oder Quoten von rund 80 %). Oft zeigen sich zwei Altersgipfel beim Krankheitsbeginn: bei Jugendlichen/jungen Erwachsenen (10–19 Jahre) sowie bei Personen zwischen 30 und 39 Jahren.
3. Symptome: Woran erkennt man CFS?
Typisch für ME/CFS ist eine ausgeprägte körperliche und geistige Erschöpfung, die sich durch Ruhe nicht ausreichend bessert. Besonders charakteristisch ist die Post-Exertional Malaise (PEM): Schon geringe körperliche, geistige oder emotionale Belastungen können die Beschwerden deutlich verschlechtern. Dies geschieht häufig zeitverzögert und die Beschwerden können über Stunden oder Tage anhalten.
Weitere typische Symptome
Neben Fatigue und PEM können unter anderem folgende Beschwerden auftreten:
- Kognitive Einschränkungen: Konzentrations- und Gedächtnisprobleme („Brain Fog“)
- Nicht erholsamer Schlaf: Trotz ausreichender Schlafdauer fühlen sich Betroffene häufig nicht erholt.
- Orthostatische Beschwerden: Schwindel, Herzrasen oder Kreislaufprobleme beim längeren Stehen
- Muskel- und Gelenkschmerzen: Muskelschmerzen, Gelenkbeschwerden oder diffuse Schmerzen
- Gastrointestinale Beschwerden: beispielsweise Verdauungsprobleme oder Unverträglichkeiten
Anhaltende starke Erschöpfung und eine deutliche Verschlechterung nach Belastung sollten medizinisch abgeklärt werden. Bei neuen neurologischen Ausfällen, Bewusstseinsstörungen, unerklärlichem Gewichtsverlust oder starken ungewöhnlichen Schmerzen ist eine zeitnahe ärztliche Abklärung besonders wichtig, da auch andere Erkrankungen ähnliche Beschwerden verursachen können.
4. ME/CFS-Diagnose: Welche Blutwerte und Untersuchungen sind sinnvoll?
Die Diagnose von ME/CFS erfolgt anhand der typischen Beschwerden, der Krankheitsgeschichte und definierter Diagnosekriterien. Einen einzelnen Bluttest für ME/CFS oder einen spezifischen Biomarker gibt es bislang nicht. Blutuntersuchungen helfen vor allem dabei, andere mögliche Ursachen für Fatigue und weitere Beschwerden zu erkennen oder auszuschließen. Zur ärztlichen Basisdiagnostik können unter anderem folgende Werte und Untersuchungen gehören:
- Blutbild, Leber- und Nierenwerte
- Entzündungswerte wie CRP und BSG
- Schilddrüsenwerte
- Blutzucker bzw. HbA1c
- Eisenstatus einschließlich Ferritin
- Elektrolyte, Calcium und Phosphat
- Zöliakie-Screening, Urinuntersuchung
Welche Blutwerte bei Verdacht auf ME/CFS tatsächlich sinnvoll sind, hängt von den individuellen Beschwerden, Vorerkrankungen und bisherigen Untersuchungsergebnissen ab.
Welche weiteren Untersuchungen können sinnvoll sein?
Bei entsprechendem klinischem Verdacht können zusätzliche Untersuchungen erfolgen, zum Beispiel auf Vitamin B12, Folsäure oder Vitamin D, bestimmte Infektionen oder hormonelle beziehungsweise immunologische Auffälligkeiten. Je nach Beschwerdebild können außerdem eine Schlafdiagnostik, neurologische Untersuchungen oder Tests auf orthostatische Störungen sinnvoll sein.
Welche Erkrankungen müssen ausgeschlossen werden?
Ähnliche Beschwerden können unter anderem bei Schilddrüsenerkrankungen, Anämie und Eisenmangel, Schlafstörungen, Autoimmunerkrankungen, neurologischen Erkrankungen, Infektionen oder psychischen Erkrankungen auftreten. Eine sorgfältige Differenzialdiagnostik ist deshalb ein wichtiger Bestandteil der ME/CFS-Diagnose.
5. Therapieziele bei ME/CFS
Da es bislang keine heilende Therapie gibt, stehen vor allem die Linderung von Symptomen, die Vermeidung von Post-Exertional Malaise (PEM) und der Erhalt der Lebensqualität im Mittelpunkt.
- Kurzfristig: Symptome lindern und Crashs vermeiden
Ein wichtiges Ziel ist es, belastende Beschwerden wie Schmerzen, Schlafstörungen oder orthostatische Symptome gezielt zu behandeln. Gleichzeitig soll ein angepasstes Aktivitäts- und Energiemanagement (Pacing) helfen, individuelle Belastungsgrenzen einzuhalten und PEM-Episoden möglichst zu vermeiden.
- Mittelfristig: Alltag stabilisieren
Im weiteren Verlauf geht es darum, einen möglichst stabilen Umgang mit den vorhandenen Energiereserven zu entwickeln. Begleiterkrankungen und nachgewiesene Nährstoffmängel sollten dabei gezielt behandelt werden.
- Langfristig: Lebensqualität erhalten
Langfristig steht eine individuell angepasste Krankheitsbewältigung im Vordergrund. Ziel ist es, Überlastungen und Rückfälle möglichst zu vermeiden und die vorhandene körperliche und geistige Belastbarkeit bestmöglich zu erhalten.
6. ME/CFS-Therapie: Wie sieht die Behandlung konkret aus?
Das bereits beschriebene Pacing bildet die Grundlage des Belastungsmanagements. Im Alltag bedeutet das vor allem, körperliche, geistige und soziale Aktivitäten so zu planen, dass die individuelle Belastungsgrenze möglichst nicht überschritten wird. Hilfreich können feste Ruhephasen, das Aufteilen größerer Aufgaben und eine flexible Anpassung der Aktivitäten an die aktuelle Tagesform sein.
Je nach Beschwerdebild können unterschiedliche Symptome gezielt behandelt werden. Welche Medikamente oder therapeutischen Maßnahmen geeignet sind, muss individuell ärztlich entschieden werden.
Umgang mit orthostatischen Beschwerden
Bei vielen Betroffenen treten Beschwerden beim längeren Stehen oder Sitzen auf. Dazu können Schwindel, Herzrasen, Schwäche oder Konzentrationsprobleme gehören. Je nach Ursache können unter ärztlicher Begleitung unter anderem eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr, eine angepasste Salzaufnahme, Kompressionskleidung oder Medikamente erwogen werden.
Schlaf und Erholung
Nicht erholsamer Schlaf gehört zu den häufigen Beschwerden bei ME/CFS. Neben einer möglichst regelmäßigen Schlafroutine sollten behandelbare Ursachen von Schlafstörungen abgeklärt werden. Dabei ist wichtig, zwischen allgemeiner Schlafhygiene und krankheitsbedingtem, nicht erholsamem Schlaf zu unterscheiden.
Ernährung und Nährstoffmängel
Die Ernährung sollte in erster Linie eine ausreichende Energie- und Nährstoffversorgung sicherstellen. Bestehen nachgewiesene Mängel, beispielsweise bei Eisen, Vitamin B12 oder Vitamin D, können diese gezielt behandelt werden. Nahrungsergänzungsmittel gelten jedoch nicht als spezifische Therapie für ME/CFS. Auf Ernährung und häufig diskutierte Nährstoffe wird im folgenden Kapitel ausführlicher eingegangen.
7. Ernährung bei ME/CFS
Eine spezielle ME/CFS-Diät gibt es nicht. Sinnvoll ist eine ausgewogene, nährstoffreiche und individuell gut verträgliche Ernährung. Bei Unverträglichkeiten oder gastrointestinalen Beschwerden sollte die Auswahl der Lebensmittel angepasst werden.
| Eher geeignete Lebensmittel | Eher ungünstige Lebensmittel |
|---|---|
| Haferflocken, Reis, Kartoffeln, Vollkornprodukte | Stark verarbeitete Fertigprodukte |
| Gemüse und gut verträgliches Obst | Sehr zuckerreiche Lebensmittel und Getränke |
| Fisch, Eier, Tofu, Hülsenfrüchte, mageres Fleisch | Sehr fettreiche oder schwer verdauliche Speisen |
| Nüsse, Samen und hochwertige Pflanzenöle | Übermäßiger Alkoholkonsum |
| Gut verträgliche Milchprodukte oder Alternativen | Lebensmittel, die individuelle Beschwerden auslösen |
| Wasser und ungesüßte Getränke |
Große Mengen Koffein, wenn Beschwerden dadurch zunehmen |
Entscheidend ist die individuelle Verträglichkeit. Stark einschränkende Diäten sollten nicht ohne fachliche Begleitung durchgeführt werden, da sie das Risiko für eine unzureichende Nährstoffversorgung erhöhen können.
Nahrungsergänzung bei ME/CFS: Was ist mit Coenzym Q10 und NADH?
Neben Vitaminen und Mineralstoffen werden bei ME/CFS auch Substanzen wie Coenzym Q10 (CoQ10) und NADH untersucht. Beide spielen eine Rolle im zellulären Energiestoffwechsel und wurden in kleineren Studien teilweise in Kombination eingesetzt.
Einige Untersuchungen zeigen mögliche positive Effekte auf Fatigue und weitere Beschwerden. Die bisherige Studienlage ist jedoch begrenzt und nicht eindeutig genug, um CoQ10 oder NADH allgemein zur Behandlung von ME/CFS zu empfehlen.
Quellen
Brito, E. M., Bonifanti, L., Patel, R., Jimenez, J., Junco, J., Rozenfeld, I. R., Renesca, V., & Cheema, A. K. (2025). Nutraceutical Supplementation Effects on Subjective Fatigue Symptoms in Myalgic Encephalomyelitis/Chronic Fatigue Syndrome: A Systematic Review. Cureus, 17(7), e87178. https://doi.org/10.7759/cureus.87178
Dorczok, M. C., Mittmann, G., Mossaheb, N., Schrank, B., Bartova, L., Neumann, M., & Steiner-Hofbauer, V. (2025). Dietary Supplementation for Fatigue Symptoms in Myalgic Encephalomyelitis/Chronic Fatigue Syndrome (ME/CFS)-A Systematic Review. Nutrients, 17(3), 475. https://doi.org/10.3390/nu17030475
Europäische Kommission. (2012, 16. Mai). Verordnung (EU) Nr. 432/2012 der Kommission vom 16. Mai 2012 zur Festlegung einer Liste zulässiger anderer gesundheitsbezogener Angaben über Lebensmittel als Angaben über die Reduzierung eines Krankheitsrisikos sowie die Entwicklung und die Gesundheit von Kindern (Text von Bedeutung für den EWR). EUR-Lex. https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/?uri=CELEX:32012R0432
Gindri, I. M., Ferrari, G., Pinto, L. P. S., Bicca, J., Dos Santos, I. K., Dallacosta, D., & Roesler, C. R. M. (2024). Evaluation of safety and effectiveness of NAD in different clinical conditions: a systematic review. American journal of physiology. Endocrinology and metabolism, 326(4), E417–E427. https://doi.org/10.1152/ajpendo.00242.2023
Kodama, S., Nakata, M., Konishi, N., Yoshino, M., Fujisawa, A., Naganuma, M., Kobayashi, Y., Hirai, Y., Kitagawa, A., Miyokawa, M., Mishima, R., Teramukai, S., & Fukushima, M. (2026). Vitamin D in Myalgic Encephalomyelitis/Chronic Fatigue Syndrome After COVID-19 or Vaccination: A Randomized Controlled Trial. Nutrients, 18(3), 521. https://doi.org/10.3390/nu18030521
Mantle, D., Hargreaves, I. P., Domingo, J. C., & Castro-Marrero, J. (2024). Mitochondrial Dysfunction and Coenzyme Q10 Supplementation in Post-Viral Fatigue Syndrome: An Overview. International journal of molecular sciences, 25(1), 574. https://doi.org/10.3390/ijms25010574
Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Diagnose oder Behandlung.