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Darmflora und Allergien: Wie das Mikrobiom Dein Immunsystem beeinflusst

Kann der Darm darüber entscheiden, ob wir Allergien entwickeln? Neue Forschung zeigt: Die Darmflora spielt eine überraschend wichtige Rolle dabei, wie tolerant oder überempfindlich unser Immunsystem reagiert.

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Allergien gehören heute zu den häufigsten chronisch verlaufenden Erkrankungen. Vor diesem Hintergrund rückt die Frage in den Mittelpunkt, warum das Immunsystem bei manchen Menschen harmlose Stoffe plötzlich als Bedrohung behandelt. Genau hier spielt die Darmflora eine wichtige Rolle. Besonders in der frühen Kindheit scheint die Darmflora darüber zu entscheiden, ob das Immunsystem eine gesunde Toleranz entwickelt oder später eher zu Überreaktionen neigt.

Warum ist die Darmflora so wichtig für den Körper? 

Die Darmflora ist für den Körper so wichtig, weil sie an mehreren grundlegenden Funktionen beteiligt ist. Sie unterstützt die Nährstoffaufnahme, stärkt die Barrierefunktion des Darms und hilft, schädliche Keime abzuwehren. Gleichzeitig wirkt sie an der Regulation des Immunsystems mit und beeinflusst über mikrobielle Stoffwechselprodukte auch Vorgänge, die über den Darm hinausgehen. Dazu zählen der allgemeine Stoffwechsel und wahrscheinlich auch die Verbindung zwischen Darm und Nervensystem [1–3]. 

Wie beeinflusst die Darmflora Allergien?

Allergien sind im Grunde genommen Fehlreaktionen des Immunsystems auf eigentlich harmlose Stoffe, wie beispielsweise Pollen, Tierhaare oder bestimmte Lebensmittel. Normalerweise tragen Darmmikroben dazu bei, dass das Immunsystem angemessen reagiert. Es soll gefährliche Erreger abwehren, während es harmlose Reize möglichst toleriert. Dabei beeinflussen Darmmikroben sowohl die angeborene Immunität, also die schnelle erste Abwehr, als auch die adaptive Immunität, also den lernfähigen Teil des Immunsystems [2,3]. Ist dieses Gleichgewicht gestört, kann das Risiko für überschießende Immunreaktionen steigen. 

Welche Allergien stehen mit der Darmflora in Verbindung? 

Die Forschung zeigt, dass eine Reihe von Allergien mit der Darmflora in Verbindung steht, insbesondere solche, die im Kindesalter auftreten. Dabei wird immer deutlicher, dass die frühe Entwicklung des Mikrobioms eine zentrale Rolle spielt. Studien belegen, dass eine unausgewogene oder verzögerte Mikrobiomentwicklung bei Kleinkindern das Risiko für eine Vielzahl allergischer Erkrankungen erhöhen kann [5,6].

  • Asthma 
  • Atopische Dermatitis (Neurodermitis) 
  • Nahrungsmittelallergien 
  • Allergische Rhinitis (Heuschnupfen) 
  • Allergien im Allgemeinen (z. B. auf Pollen, Staub oder Tierhaare)

Es ist jedoch wichtig zu betonen, dass die Darmflora nicht allein für die Entstehung von Allergien verantwortlich ist. Auch genetische Veranlagung, Umweltfaktoren, Ernährung und die allgemeine Entwicklung des Immunsystems spielen eine entscheidende Rolle. Das Mikrobiom stellt daher lediglich einen wichtigen Teil eines größeren Netzwerks dar, welches das Allergierisiko beeinflusst [3,5]. 

Gestörte Darmflora (Dysbiose): Ursachen und Folgen für Allergien 

Von einer Dysbiose spricht man, wenn die Zusammensetzung des Mikrobioms aus dem Gleichgewicht gerät. Eine ausgewogene Ernährung und ein gesunder Lebensstil fördern ein stabiles Mikrobiom, während Erkrankungen, Medikamente (insbesondere Antibiotika) und andere Umweltfaktoren eine Dysbiose begünstigen können [1]. 

Besonders empfindlich ist die Phase zwischen Geburt und Abstillen. In dieser Zeit sind mikrobielle Signale entscheidend für die normale Entwicklung des Immunsystems. Wird diese Entwicklung gestört, etwa durch Antibiotika oder eine veränderte Erstbesiedlung des Darms (z. B. durch einen Kaiserschnitt), kann das Immunsystem fehlgeprägt werden und später eher zu Allergien oder entzündlichen Erkrankungen neigen [2,4].

Mögliche Folgen einer Dysbiose

  • Schwächere Barrierefunktion: Das Mikrobiom hilft, die Darmbarriere zu stärken, die wie eine Schutzwand gegen schädliche Keime fungiert. Eine Dysbiose kann diese Barriere schwächen, sodass schädliche Stoffe leichter in den Körper gelangen und Entzündungen ausgelöst werden können. 
  • Veränderte T-Zell-Antworten: T-Zellen sind eine Art von Immunzellen, die eine zentrale Rolle bei der Erkennung und Bekämpfung von Krankheitserregern spielen. Eine Dysbiose kann die Funktionsweise der T-Zellen stören, sodass sie überempfindlich auf harmlose Substanzen wie Pollen oder Nahrungsmittel reagieren und dadurch Allergien auslösen. 
  • Gestörte IgA-Reaktionen: IgA ist ein Antikörper, der vor allem im Darm vorkommt und hilft, Krankheitserreger zu neutralisieren. Eine Dysbiose kann die Produktion von IgA beeinträchtigen, sodass das Immunsystem nicht mehr richtig gegen Infektionen und Allergene schützt.  
  • Geringere immunologische Toleranz: Ein gesundes Mikrobiom hilft dem Immunsystem, zwischen gefährlichen und harmlosen Stoffen zu unterscheiden. Eine Dysbiose kann diese Fähigkeit stören, was dazu führt, dass das Immunsystem allergisch auf eigentlich harmlose Substanzen reagiert 

Diese Mechanismen machen den Zusammenhang zwischen Darmflora und Allergien biologisch plausibel [2,3]. 

Darmflora aufbauen: Was hilft wirklich gegen Allergien? 

Wer seine Darmflora langfristig unterstützen möchte, sollte auf nachhaltige Ansätze setzen. Besonders hilfreich sind Maßnahmen, die die mikrobielle Vielfalt fördern und eine stabile Entwicklung des Mikrobioms unterstützen [1–4]. 

  • Ballaststoffreich essen, zum Beispiel mit Gemüse, Hülsenfrüchten und Vollkornprodukten 
  • Möglichst abwechslungsreich essen, um unterschiedliche nützliche Darmbakterien zu fördern 
  • Antibiotika nur dann einsetzen, wenn sie medizinisch wirklich notwendig sind 
  • Stillen, wenn möglich, da Muttermilch das frühe Mikrobiom prägt 
  • Kaiserschnitt nur bei medizinischer Notwendigkeit, weil sich die frühe Besiedlung nach Geburtsmodus deutlich unterscheidet 
  • Insgesamt auf einen gesunden Lebensstil mit Bewegung, Schlaf und möglichst wenig stark verarbeiteter Nahrung achten

Trotzdem gilt: Eine darmfreundliche Lebensweise kann das Risiko für Allergien verringern, garantiert aber nicht, dass sie vollständig verhindert oder behandelt werden [4]. 

Probiotika und Präbiotika bei Allergien – was sagt die Wissenschaft? 

Probiotika sind lebende Mikroorganismen, Präbiotika sind unverdauliche Nahrungsbestandteile, die nützlichen Darmbakterien als Nahrung dienen. Beide werden als mögliche Mittel zur Unterstützung des Mikrobioms und damit zur Linderung von Allergien in Betracht gezogen. Allerdings ist die Forschung zu diesem Thema noch nicht eindeutig. 

Obwohl es einige Hinweise auf mögliche Vorteile gibt, vor allem bei bestimmten Nahrungsmittelallergien oder bei Risikogruppen, sind die Ergebnisse gemischt. Der Nutzen hängt stark vom jeweiligen Bakterienstamm, der Dosis, dem Zeitpunkt der Einnahme und der betroffenen Zielgruppe ab. Probiotika und Präbiotika sind dennoch ein spannendes Forschungsfeld, das vielversprechende Ansätze zur Unterstützung des Mikrobioms und möglicherweise zur Linderung von Allergien bietet. Obwohl derzeit noch keine pauschal gesicherte Lösung für Allergien existiert, deuten erste Ergebnisse darauf hin, dass sie in bestimmten Fällen von Nutzen sein könnten [10]. 

Was sagt die Forschung zum Zusammenhang von Darmflora und Allergien? 

Die Forschung der letzten Jahre zeigt recht konsistent, dass die frühe Entwicklung des Darmmikrobioms mit dem späteren Allergierisiko zusammenhängt. Besonders relevant sind dabei die ersten Lebensmonate, der Geburtsmodus, das Stillen und die Geschwindigkeit, mit der das kindliche Mikrobiom reift [5,6]. 

Studie
Kernaussage
Mousavian et al., 2024
Das mütterliche und kindliche Mikrobiom könnte mit der Entwicklung von Allergien zusammenhängen, aber die Kausalität ist noch unklar.
Hoskinson et al., 2023
Eine verzögerte Reifung des Mikrobioms im ersten Lebensjahr ist mit späteren Allergien verbunden.
Arrieta et al., 2015
Frühkindliche Dysbiosen (Ungleichgewicht des Mikrobioms) sind mit einem höheren Asthmarisiko assoziiert.
Dai et al., 2023
Stillen fördert das Wachstum von Bifidobacterium und könnte so das Asthmarisiko bei Kindern reduzieren.

Der Geburtsmodus beeinflusst die erste mikrobielle Besiedlung des Darms, was später Auswirkungen auf das Immunsystem haben kann. Bei vaginalen Geburten kommt es zu einem intensiven Kontakt mit dem Vaginalmikrobiom der Mutter, was eine vielfältige Mikrobiombesiedlung zur Folge hat. Per Kaiserschnitt geborene Kinder haben eine andere Mikrobiombesiedlung, die sich deutlich von der von vaginal Geborenen unterscheidet. Weitere Forschungen sind nötig, um zu verstehen, wie genau diese frühe Besiedlung das Allergierisiko und die allgemeine Gesundheit beeinflusst [4]. 

Fazit: Kann eine gesunde Darmflora Allergien verhindern? 

Eine gesunde Darmflora kann Allergien wahrscheinlich nicht mit Sicherheit verhindern, aber sie scheint ein wichtiger Schutzfaktor für eine stabile Immunentwicklung zu sein. Vor allem in Schwangerschaft, Geburt, Stillzeit und früher Kindheit deuten viele Daten darauf hin, dass eine vielfältige und gut gereifte Mikrobiomentwicklung mit einem geringeren Risiko für spätere allergische Erkrankungen verbunden ist. 


Quellen

  1. Schulz, C., Malfertheiner, P. (2024). Einleitung. In: Schulz, C., Malfertheiner, P. (eds) Gastrointestinales Mikrobiom. Springer, Berlin, Heidelberg. https://doi-org.proxy.ub.uni-frankfurt.de/  
  2. Bosch, T.C.G. (2022). Ein funktionierendes Immunsystem hängt vom Mikrobiom ab. In: Die Unentbehrlichen - Mikroben, des Körpers verborgene Helfer. Springer, Berlin, Heidelberg. https://doi-org.proxy.ub.uni
  3. Beimert, A., Anz, D., Piseddu, I. (2024). Mikrobiom und der Einfluss auf das Immunsystem (luminal, mukosal, systemisch). In: Schulz, C., Malfertheiner, P. (eds) Gastrointestinales Mikrobiom. Springer, Berlin, Heidelberg. https://doi-org.proxy.ub.uni-frankfurt.de  
  4. Bosch, T.C.G. (2022). Noch vor dem ersten Schrei: Die Geburt als unser erster Kontakt mit dem Mikrobiom. In: Die Unentbehrlichen - Mikroben, des Körpers verborgene Helfer. Springer, Berlin, Heidelberg. https://doi-org.proxy.ub.uni-frankfurt.de 
  5. Mousavian AH, et al. (2024). The association of infant and mother gut microbiomes with development of allergic diseases in children: a systematic review. Journal of Asthma, 61(10), 1121–1135. https://doi.org/10.1080/02770903.2024.2332921 
  6. Hoskinson, et al. (2023). Delayed gut microbiota maturation in the first year of life is a hallmark of pediatric allergic disease. Nature Communications. 14. DOI:10.1038/s41467-023-40336-4 
  7. Arrieta MC, et al. (2015). Early infancy microbial and metabolic alterations affect risk of childhood asthma. Science translational medicine, 7(307), 307ra152. https://doi.org/10.1126/scitranslmed.aab2271 
  8. Gao Y, et al. (2023). Gut microbiota maturity mediates the protective effect of siblings on food allergy. The Journal of allergy and clinical immunology, 152(3), 667–675. https://doi.org/10.1016/j.jaci.2023.02.034 
  9. Dai DLY, et al. (2023). Breastfeeding enrichment of B. longum subsp. infantis mitigates the effect of antibiotics on the microbiota and childhood asthma risk. Med (New York, N.Y.), 4(2), 92–112.e5. https://doi.org/10.1016/j.medj.2022.12.002 
  10. Ribeiro, J. F., & Pedrosa, C. (2024). Probiotics, prebiotics and food allergy: a review. European annals of allergy and clinical immunology, 56(3), 99–110. https://doi.org/10.23822/EurAnnACI

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