- Hantavirus auf der MV Hondius: Aktuelle Fallzahlen
- Kein Pandemie-Szenario: Warum die Lage trotzdem ernst genommen wird
- Was ist das Andes-Hantavirus und wie wird es übertragen?
- Hantavirus-Symptome: Welche Beschwerden können auftreten?
- Bornavirus in Bayern: Aktuelle Lage
- Was ist das Bornavirus und wie steckt man sich an?
- Schutzmaßnahmen: So kann das Risiko gesenkt werden
- Fazit: Aufmerksam bleiben, aber nicht in Panik geraten
Die aktuellen Meldungen zu Hantavirus und Bornavirus klingen auf den ersten Blick beunruhigend: ein Ausbruch auf einem Kreuzfahrtschiff, internationale Rückholaktionen, Quarantäne für Passagiere und erneut tödliche Bornavirus-Fälle in Bayern. Die Ereignisse sind ernst, betreffen aber klar eingrenzbare Risikosituationen. Beim Hantavirus sind vor allem ehemalige Passagiere, Crewmitglieder und enge Kontaktpersonen des Kreuzfahrtschiffes MV Hondius betroffen. Beim Bornavirus stehen Kontakte zu Feldspitzmäusen und deren Ausscheidungen im Mittelpunkt.
Hantavirus auf der MV Hondius: Aktuelle Fallzahlen
Im Zusammenhang mit der MV Hondius meldete das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) mit Stand vom 17. Mai 2026 insgesamt zwölf Fälle: neun bestätigte Fälle, zwei wahrscheinliche Fälle und einen noch nicht abschließend bewerteten Fall. Die Zahl der Todesfälle liegt weiterhin bei drei.
Bei dem Erreger handelt es sich um das Andes-Hantavirus. Dieser Virustyp kommt vor allem in Südamerika vor und unterscheidet sich von vielen in Europa bekannten Hantaviren dadurch, dass in seltenen Fällen eine Übertragung von Mensch zu Mensch möglich ist. Nach Einschätzung der Gesundheitsbehörden braucht es dafür in der Regel engen und längeren Kontakt. Das ECDC bewertet das Risiko für die allgemeine Bevölkerung in der Europäischen Union und im Europäischen Wirtschaftsraum weiterhin als sehr niedrig.
Kein Pandemie-Szenario: Warum die Lage trotzdem ernst genommen wird
Das Andes-Hantavirus verbreitet sich nicht wie klassische Atemwegsviren über alltägliche Kontakte. Es gibt keine Hinweise darauf, dass eine breite Ausbreitung in der Bevölkerung zu erwarten ist. Die strengen Maßnahmen rund um die MV Hondius haben einen anderen Grund: Hantavirus-Erkrankungen können schwer verlaufen, und die Inkubationszeit kann mehrere Wochen betragen. Deshalb werden ehemalige Passagiere und Crewmitglieder vorsorglich eng überwacht.
Passagiere und Besatzungsmitglieder des Kreuzfahrtschiffes gelten derzeit als Hochrisikokontakte. Laut ECDC sollen Personen mit Symptomen sofort medizinisch isoliert, getestet und behandelt werden. Symptomfreien Rückkehrern wird empfohlen, sich bis zu sechs Wochen selbst zu isolieren beziehungsweise eng zu überwachen. Auch aus Kanada wurde inzwischen ein positiver Hantavirus-Test bei einem früheren Passagier der MV Hondius gemeldet; die betroffene Person befand sich bereits in Isolation.
Was ist das Andes-Hantavirus und wie wird es übertragen?
Hantaviren sind eine Gruppe von Viren, die vor allem durch Nagetiere übertragen werden. Je nach Virustyp können sie unterschiedliche Erkrankungen auslösen. In Europa sind Hantaviren vor allem mit Nierenbeteiligung bekannt. Das Andes-Hantavirus dagegen kann ein schweres Lungen- und Atemwegssyndrom verursachen.
Am 2. Mai 2026 wurde die WHO über einen Cluster schwerer Atemwegserkrankungen an Bord der MV Hondius informiert. In späteren Updates bestätigte die WHO weitere Fälle und verwies ebenfalls auf das Andes-Hantavirus. Typischerweise betrifft eine Infektion vor allem Menschen, die engen Kontakt zu infizierten Nagetieren oder deren Ausscheidungen hatten. Beim Andes-Hantavirus ist zusätzlich eine Übertragung von Mensch zu Mensch möglich. Es ist der einzige bekannte Hantavirus-Stamm, bei dem eine Ansteckung von Mensch zu Mensch nachgewiesen wurde. Dies geschieht hauptsächlich durch sehr engen, längeren Kontakt oder Körperflüssigkeiten. Dies ist jedoch selten.
Hantavirus-Symptome: Welche Beschwerden können auftreten?
Eine Hantavirus-Infektion kann zunächst unspezifisch beginnen. Frühe Symptome können grippeähnlich wirken und deshalb leicht mit anderen Infekten verwechselt werden. Mögliche frühe Symptome sind:
- Fieber, Kopf- und Muskelschmerzen
- Schüttelfrost, allgemeine Schwäche
- Magen-Darm-Beschwerden
- Übelkeit oder Erbrechen
- Abgeschlagenheit
Im schweren Verlauf können hinzukommen: Husten, Atemnot, Lungenentzündung, Kreislaufprobleme oder Schock. Wer an Bord der MV Hondius war oder engen Kontakt zu einem bestätigten oder wahrscheinlichen Fall hatte und innerhalb der Beobachtungszeit Symptome entwickelt, sollte medizinische Hilfe suchen und den möglichen Kontakt ausdrücklich nennen.
Bornavirus in Bayern: Aktuelle Lage
Parallel zu den Hantavirus-Meldungen gab es neue Berichte zu Bornavirus-Fällen in Bayern. Die Stadt Augsburg bestätigte am 7. Mai 2026, dass im Stadtgebiet Augsburg eine Infektion mit dem sehr seltenen, aber lebensbedrohlichen Borna Disease Virus 1, kurz BoDV-1, nachgewiesen wurde. Die betroffene Person wurde im Universitätsklinikum Augsburg behandelt und ist an den Folgen der Infektion verstorben.
Auch aus dem Landkreis Unterallgäu wurde zuvor ein Todesfall im Zusammenhang mit dem Bornavirus gemeldet. Das Deutsche Ärzteblatt berichtete ebenfalls über den erneuten Todesfall in Augsburg und verwies darauf, dass Infektionen außerordentlich selten sind, aber in der Regel lebensbedrohlich verlaufen. Die bekannten Fälle sprechen nicht für eine allgemeine Ausbreitung in der Bevölkerung. Entscheidend ist auch hier die Einordnung: Bornavirus-Infektionen sind sehr selten, können aber schwer verlaufen.
Was ist das Bornavirus und wie steckt man sich an?
Das Borna Disease Virus 1 ist ein seltenes Virus, das beim Menschen eine schwere Gehirnentzündung auslösen kann. Die Erkrankung beginnt häufig unspezifisch, kann sich aber im Verlauf deutlich verschlechtern. Mögliche Symptome sind:
- Fieber, Kopfschmerzen
- Allgemeines Krankheitsgefühl
- Verwirrtheit, Sprachstörungen
- Gangstörungen, Epileptische Anfälle
- Bewusstseinsstörungen
Eine Ansteckung des Menschen wird vor allem durch Kontakt mit infizierten Tieren oder deren Ausscheidungen vermutet. Nach Angaben der Stadt Augsburg ist BoDV-1 unter natürlichen Bedingungen nicht von Mensch zu Mensch übertragbar. Das Risiko liegt daher nicht im normalen Alltag, sondern eher bei bestimmten Situationen, etwa beim Aufräumen von: Schuppen, Kellern, Gartenhäusern, Holzlagern, Scheunen oder wenig genutzten Lagerräumen. Besonders problematisch ist es, wenn dabei trockener Staub aufgewirbelt wird, der mit Ausscheidungen von Spitzmäusen verunreinigt sein könnte.
Schutzmaßnahmen: So kann das Risiko gesenkt werden
Die wichtigste Schutzregel bei beiden Themen lautet: Kontakt mit Nagetieren, Spitzmäusen und deren Ausscheidungen vermeiden. Bei möglichen Mäuse- oder Spitzmausspuren sollten Räume zunächst gut gelüftet werden. Staub sollte nicht trocken aufgefegt oder aufgewirbelt werden. Besser ist es, Flächen anzufeuchten, Einweghandschuhe zu tragen und bei staubigen Arbeiten eine gut sitzende Maske zu verwenden. Tote Mäuse oder Spitzmäuse sollten nicht mit bloßen Händen berührt, sondern mit Handschuhen aufgenommen und in einem verschlossenen Plastikbeutel entsorgt werden. Anschließend sollten Hände, Kleidung und betroffene Flächen gründlich gereinigt werden. Bei starkem Befall in Haus, Keller, Scheune oder Gartenhaus ist professionelle Schädlingsbekämpfung sinnvoller als improvisierte Eigenmaßnahmen.
Fazit: Aufmerksam bleiben, aber nicht in Panik geraten
Die neuesten Erkenntnisse verändern die Einordnung vor allem in einem Punkt: Beim Hantavirus-Ausbruch auf der MV Hondius wurden inzwischen mehr bestätigte Fälle gemeldet, und die internationale Rückholung und Quarantäne laufen auf Hochtouren. Das zeigt, dass die Behörden den Ausbruch sehr ernst nehmen. Es bedeutet aber nicht, dass eine breite Gefahr für die Bevölkerung besteht. Beim Bornavirus in Bayern gilt Ähnliches. Die Erkrankung ist selten, aber schwer. Wer Kontakte zu Spitzmäusen und deren Ausscheidungen vermeidet, senkt sein Risiko deutlich.
Quellen
Associated Press. (2026, May 18). Canadian national health agency confirms 1 positive hantavirus test. https://apnews.com/article/1ef18249115195f09381a174092a1cae
Deutsches Ärzteblatt. (2026, May 7). Todesfall durch Borna-Virus in Augsburg. https://www.aerzteblatt.de/news/todesfall-durch-borna-virus-in-augsburg-d1e92b31-45c1-497f-9802-8ba36f20d4f0
European Centre for Disease Prevention and Control. (2026, May 17). Andes hantavirus outbreak in cruise ship. https://www.ecdc.europa.eu/en/infectious-disease-topics/hantavirus-infection/surveillance-and-updates/andes-hantavirus-outbreak
European Centre for Disease Prevention and Control. (2026, May 9). Rapid scientific advice on the management of passengers in the context of the Andes virus outbreak on the cruise ship MV Hondius. https://www.ecdc.europa.eu/en/publications-data/rapid-scientific-advice-management-passengers-context-andes-virus-outbreak-cruise
Stadt Augsburg. (2026, May 7). Stadt informiert zum Bornavirus. https://www.augsburg.de/aktuelles-aus-der-stadt/detail/stadt-informiert-zum-bornavirus
World Health Organization. (2026, May 14). Hantavirus cluster linked to cruise ship travel, Multi-country. https://www.who.int/emergencies/disease-outbreak-news/item/2026-DON601