1. Kurzüberblick: Was hilft bei Migräne?
Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die weit über gewöhnliche Kopfschmerzen hinausgeht. Sie tritt meist in wiederkehrenden Attacken auf und kann von Übelkeit sowie einer starken Licht- und Geräuschempfindlichkeit begleitet werden.
Häufige Symptome
Typisch sind anfallsartige, einseitige, pulsierende Kopfschmerzen mittlerer bis starker Intensität. Begleitsymptome umfassen Übelkeit, Erbrechen sowie ausgeprägte Licht- und Geräuschempfindlichkeit. Körperliche Routineaktivitäten verstärken den Schmerz.
Wie wird die Migräne diagnostiziert?
Die Diagnose erfolgt in erster Linie anhand der Beschwerden und der Krankengeschichte. Ein Kopfschmerztagebuch kann dabei helfen, Häufigkeit, Dauer, Begleitsymptome und mögliche Auslöser zu dokumentieren. Blutuntersuchungen können Hinweise auf andere Ursachen oder relevante Mangelzustände liefern. Eine bildgebende Untersuchung wie eine MRT ist in der Regel nur bei ungewöhnlichen Beschwerden oder bestimmten Warnzeichen erforderlich.
Behandlungsmöglichkeiten einer Migräne
Bei einer akuten Migräneattacke können je nach individueller Situation Schmerzmittel, Triptane oder Medikamente gegen Übelkeit eingesetzt werden. Bei häufigen oder besonders belastenden Attacken kann eine vorbeugende Behandlung sinnvoll sein. Dazu gehören Medikamente, regelmäßiger Schlaf, Bewegung, Stressreduktion und eine ausgewogene Ernährung. Auch bestimmte Mikronährstoffe können nach ärztlicher Rücksprache eine ergänzende Rolle spielen.
Wann sollte Migräne ärztlich abgeklärt werden?
Sofortige ärztliche Hilfe ist erforderlich, wenn die Kopfschmerzen plötzlich und außergewöhnlich stark auftreten oder von Fieber, Nackensteifigkeit, Bewusstseinsstörungen, Lähmungen oder neuen Sprach- und Sehstörungen begleitet werden. Auch erstmals auftretende Kopfschmerzen im höheren Lebensalter oder eine deutliche Veränderung bekannter Beschwerden sollten ärztlich abgeklärt werden.
2. Was ist Migräne?
Migräne ist eine neurologische Erkrankung, bei der das Gehirn besonders empfindlich auf bestimmte Reize reagiert. Sie tritt häufig familiär gehäuft auf und gehört weltweit zu den Erkrankungen, die den Alltag und die Lebensqualität besonders stark beeinträchtigen können. Während einer Migräneattacke werden bestimmte Nerven- und Schmerzbahnen im Gehirn aktiviert. Migräne betrifft nicht nur die Schmerzverarbeitung im Kopf. Auch das vegetative Nervensystem, der Hormonhaushalt und die Verdauung können beteiligt sein.
Wer ist besonders häufig betroffen?
Weltweit sind ca. 15 % der Bevölkerung betroffen, wobei Frauen aufgrund von hormonellen Schwankungen (Östrogenabfall) 1,6-mal häufiger erkranken als Männer. Komorbiditäten wie Depressionen, Asthma oder Angststörungen erhöhen das Risiko für eine Chronifizierung signifikant.
3. Symptome: Woran erkennt man Migräne?
Leitsymptome
Typisch sind mittelstarke bis starke, pulsierende oder pochende Kopfschmerzen. Sie treten häufig einseitig auf und verstärken sich oft bei Bewegung, etwa beim Treppensteigen. Unbehandelt kann eine Migräneattacke ca. 4 bis 72 Stunden andauern. Häufige Begleitsymptome sind:
- Übelkeit oder Erbrechen
- Lichtempfindlichkeit
- Geräuschempfindlichkeit
- ein starkes Ruhebedürfnis
Die vier Phasen einer Migräneattacke
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Attackenphase |
Funktionelle Ursache |
Klinische Symptomatik |
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1. Prodromal- phase |
Frühe Aktivierung des Hypothalamus und Veränderungen im Botenstoffhaushalt. |
Tritt 24–48 h vor dem Schmerz auf. Fatigue, Reizbarkeit, Nackensteifigkeit, Heißhunger, Gähnen, depressive Verstimmung. |
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2. Auraphase |
Vorübergehende Veränderung der elektrischen Aktivität in der Großhirnrinde, auch Cortical Spreading Depression (CSD) genannt. |
Tritt bei etwa 25-30 % der Betroffenen auf. Typisch sind Sehstörungen. Auch Kribbeln, Taubheitsgefühle oder selten Sprachstörungen können auftreten. |
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3. Kopfschmerz- phase |
Aktivierung des trigeminovaskulären Systems, Ausschüttung von CGRP und Entzündungsreaktionen an den Hirnhäuten. |
Einseitiger, pochender Schmerz, Übelkeit, Erbrechen, Licht- und Geräusche-mpfindlichkeit. |
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4. Postdromal- phase |
Anhaltende Aktivität bestimmter Hirnregionen und vorübergehende Erschöpfung nach der Attacke. |
"Migräne-Kater". Extreme Erschöpfung, kognitive Verlangsamung, Muskelschmerzen, dauert oft noch 24–48 h an. |
4. Diagnostik: Welche Werte sind wichtig?
Migräne wird hauptsächlich anhand der typischen Beschwerden und der Krankengeschichte diagnostiziert.
Basislabor
Je nach Beschwerden und Vorerkrankungen können beim Arzt unter anderem folgende Werte untersucht werden:
- Großes Blutbild
- Entzündungswerte wie CRP & BSG
- Nieren- und Leberwerte
- Elektrolyte
- Nüchternblutzucker
- Schilddrüsenwert TSH
Diese Werte können Hinweise auf Entzündungen, Stoffwechselstörungen oder andere Erkrankungen liefern, die Kopfschmerzen auslösen oder verstärken können.
Erweiterte Diagnostik
Bei einem begründeten Verdacht können zusätzlich bestimmte Nährstoffwerte überprüft werden. Dazu gehören beispielsweise Magnesium und Vitamin D. Der Magnesiumwert im Blut ist jedoch nur eingeschränkt aussagekräftig, da sich der größte Teil des Magnesiums innerhalb der Zellen und im Gewebe befindet. Ob eine Untersuchung im Vollblut oder in den roten Blutkörperchen im Einzelfall einen zusätzlichen Nutzen bietet, sollte ärztlich beurteilt werden.
Differentialdiagnosen: Welche anderen Kopfschmerzarten kommen infrage?
Die genaue differentialdiagnostische Abgrenzung ist essenziell für eine zielgerichtete und erfolgreiche Therapieplanung. Die folgende Tabelle grenzt die wichtigsten Kopfschmerzsyndrome voneinander ab:
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Kopfschmerzart |
Typische Beschwerden |
Wichtige Unterschiede |
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Migräne |
Häufig einseitige, pulsierende oder pochende Kopfschmerzen, meist über 4-72 h. Übelkeit sowie Licht- und Geräuschempfindlichkeit sind häufig. Eine Aura kann hinzukommen. |
Bewegung verstärkt die Beschwerden oft. Mögliche Auslöser sind Stress, Schlafveränderungen oder hormonelle Schwankungen. |
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Spannungs- kopfschmerz |
Meist beidseitiger, drückender oder ziehender Schmerz mit leichter bis mittlerer Intensität. |
Körperliche Aktivität verstärkt den Schmerz normalerweise nicht. Starke Übelkeit ist untypisch. |
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Cluster- kopfschmerz |
Extrem starke, streng einseitige Schmerzen rund um das Auge oder an der Schläfe. Eine Attacke dauert häufig 15-180 Min. |
Oft treten gleichzeitig Tränenfluss, ein gerötetes Auge, eine laufende oder verstopfte Nase und starke körperliche Unruhe auf. |
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Trigeminus- neuralgie |
Sehr kurze, blitzartige und extrem starke Gesichtsschmerzen, die häufig als elektrischer Schlag beschrieben werden. |
Die Schmerzen können durch Berührung, Kauen, Sprechen oder Zähneputzen ausgelöst werden. |
5. Therapieziele
Kurzfristig: Symptome lindern
Während einer akuten Migräneattacke sollen die Schmerzen sowie Begleitbeschwerden wie Übelkeit und Erbrechen möglichst schnell und anhaltend gelindert werden. Ziel ist es, die Handlungsfähigkeit wiederherzustellen und eine lang anhaltende Attacke zu vermeiden.
Mittelfristig: Migräneattacken reduzieren
Eine vorbeugende Behandlung soll die Häufigkeit, Dauer und Intensität der Migräneattacken verringern. Als guter Behandlungserfolg gilt häufig eine Reduktion der monatlichen Migränetage um mindestens 50 %. Auch eine geringere Einnahme von Akutmedikamenten und eine bessere Lebensqualität sind wichtige Therapieziele.
Langfristig: Chronifizierung vermeiden
Von chronischer Migräne spricht man, wenn über mehr als drei Monate an mindestens 15 Tagen pro Monat Kopfschmerzen auftreten und die Beschwerden an mindestens acht Tagen typische Migränemerkmale aufweisen.
6. Migräne behandeln: Therapieplan in Stufen
Schulmedizinische Basis
- Akuttherapie: Bei einer Migräneattacke können je nach individueller Situation entzündungshemmende Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Naproxen, Triptane oder eine Kombination eingesetzt werden. Medikamente gegen Übelkeit können die Behandlung ergänzen. Auswahl, Dosierung und Einnahmezeitpunkt sollten individuell abgestimmt werden.
- Prophylaxe: Eine vorbeugende Behandlung kann sinnvoll sein, wenn Migräneattacken häufig auftreten, lange anhalten oder den Alltag stark beeinträchtigen. Je nach persönlicher Situation kommen beispielsweise Betablocker, Topiramat, Amitriptylin, Flunarizin oder Wirkstoffe infrage, die am Botenstoff CGRP ansetzen.
Ernährung bei Migräne
Eine ausgewogene, möglichst regelmäßige Ernährung kann die Migränebehandlung unterstützen. Lange Essenspausen und starke Blutzuckerschwankungen sollten möglichst vermieden werden. Eine mediterran geprägte Ernährung mit Gemüse, Hülsenfrüchten, Vollkornprodukten, Nüssen, Olivenöl und Omega-3-reichem Fisch kann eine sinnvolle Grundlage bilden. Einzelne Lebensmittel müssen nur dann gemieden werden, wenn sie wiederholt als persönliche Auslöser erkannt wurden.
Mikronährstoffe und Nahrungsergänzung
Für einige Nährstoffe gibt es Hinweise auf einen möglichen Nutzen bei der Migränevorbeugung. Am besten untersucht sind:
- Magnesium kann bei manchen Betroffenen die Häufigkeit oder Stärke der Attacken reduzieren
- Riboflavin (Vitamin B2): kann die Energieversorgung der Zellen unterstützen und möglicherweise vorbeugend wirken
- Omega-3-Fettsäuren: werden hinsichtlich möglicher entzündungsregulierender Effekte untersucht
- Vitamin D: sollte vor allem bei einem nachgewiesenen Mangel ergänzt werden
Schlaf, Bewegung und Stressregulation
- Bewegung: Moderates aerobes Ausdauertraining moduliert die zentrale Schmerzverarbeitung, verbessert die Sauerstoffversorgung und ist eine leitliniengestützte Basisprophylaxe.
- Schlaf: Eine strikte, feste Schlafhygiene stabilisiert den hypothalamischen zirkadianen Rhythmus. Migränegehirne reagieren extrem vulnerabel auf Abweichungen vom Tagesablauf.
Quellen
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