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Das Kuschelhormon Oxytocin


Kuscheln ist nicht nur gut für unser Wohlbefinden, sondern bringt noch viele weitere positive Effekte für unsere Gesundheit mit sich. Denn das Hormon Oxytocin, welches gebildet wird, wenn wir engen Körperkontakt haben, spielt eine wichtige Rolle in der Regulation des Immunsystems, reduziert Stress, fördert soziales Verhalten und zeigt eine angstlösende Wirkung.


Lesezeit: 8 Minuten

Was ist das Kuschelhormon?

Oxytocin ist vor allem bekannt aus der Schwangerschaft, denn Funktionen wie die Stimulation von Wehen während der Geburt und die Abgabe der Milch an das Kind, werden bei der Mutter durch Oxytocin gesteuert. Es stärkt darüber hinaus die Mutter-Kind-Bindung und verändert das väterliche Verhalten gegenüber dem Neugeborenen. [1]

Das Kuschelhormon nimmt letztlich einen erheblichen Einfluss auf unser Verhalten in der uns umgebenden Welt. Mit Anstieg des Oxytocin-Spiegels steigt auch die soziale Kontaktfreudigkeit und Bindungen werden gestärkt – nicht nur in Beziehungen, Familie und bei Freunden, sondern auch gegenüber Unbekannten. Zudem nimmt die soziale Kommunikation zu und das Empathievermögen bei Männern wird verbessert. [1] [2] Ebenso spielt Oxytocin bei der Entwicklung von Vertrauen eine wichtige Rolle [3], weshalb es häufig auch mit Begriffen wie „Ruhe“ und „Liebe“ in Verbindung gebracht und als das „Liebes-Hormon“ bezeichnet wird. [2] Daraus ergeben sich ebenfalls Effekte auf unser Liebesleben, denn Oxytocin erhöht die romantische Anziehungskraft und trägt dazu bei, die Treue in monogamen Beziehungen zu fördern.[4] Hinzu kommt, dass durch einen erhöhten Oxytocin-Spiegel auch Angst reduziert wird.[5]

Warum nennt man Oxytocin auch das Kuschelhormon? 

Oxytocin nennt man auch deshalb das Kuschelhormon, weil es durch Haut-zu-Haut-Kontakt (skin to skin) produziert wird. Dies ist vor allem für Kinder wichtig, denn die Nähe zur Mutter und natürlich auch zum Vater reduziert das Stresslevel enorm. Dies macht man sich auch therapeutisch bei Frühchen zunutze, die in einem Inkubator häufig keinen direkten Kontakt zu ihren Eltern haben. Hier reichen schon 60 Minuten täglicher Körperkontakt, um die Entwicklung des Kindes zu verbessern und die Beunruhigung der Eltern deutlich zu reduzieren.[6]

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Unser Oxytocin-Spiegel steigt, wenn wir uns häufig in einer Gemeinschaft umgeben, in einer Partnerschaft leben und viel engen Körperkontakt haben. 

Zwischenmenschliche Beziehungen – darum sind sie so wichtig (Immunsystem)

Zwischenmenschliche Beziehungen haben einen deutlichen Einfluss auf unseren Oxytocin-Spiegel. Halten wir uns häufig in einer Gemeinschaft auf, erfreuen uns an unserer Partnerschaft und erleben dadurch viel engen Körperkontakt, so steigt unser Oxytocin- Spiegel an. [3] [7] Dies ist für unser Immunsystem von großer Bedeutung, denn Oxytocin spielt eine wichtige Rolle in der Regulation der Immunfunktionen [8]  und besitzt eine entzündungshemmende Wirkung. [5] Gerade in unserer modernen Gesellschaft kann Oxytocin so Einfluss auf die „Ursache der Ursachen“ vieler Zivilisationserkrankungen nehmen: der chronisch niedriggradigen Entzündung .[9] Hinzu kommt, dass auch Alterungsprozesse durch eine chronisch niedriggradige Entzündung beschleunigt werden und von Oxytocin profitieren.[10]

Warum ist Oxytocin für unsere Gesundheit wichtig? 

Damit wir uns gesund fühlen, benötigen wir nicht nur ein gut funktionierendes Immunsystem, sondern auch das richtige Maß an Stress. Zu viel Stress macht uns krank, zu wenig aber auch. Die Kunst liegt darin, immer wieder das Gleichgewicht zwischen Aktivität und Pause, bzw. Herausforderung und Komfortzone zu finden. Auch dabei kann uns Oxytocin helfen: Es wird gleichzeitig mit den Stresshormonen ausgeschüttet und sorgt durch eine negative Rückkopplung dafür, dass die Produktion von Stresshormonen wieder abnimmt. Diese Funktion ist für unsere Gesundheit zentral, da chronischer Dauerstress eine weitere Herausforderung in unserer modernen Welt darstellt. [11]

Ein zusätzliches Problem, welches eng mit chronischem Stress zusammenhängt, ist Übergewicht [14] – und auch hier hilft uns Oxytocin. Wenn wir eine ausreichende Menge an Oxytocin während einer Mahlzeit produzieren, fördert dies das Sättigungsgefühl und wir überessen uns nicht. [1] In verschiedenen Studien konnte gezeigt werden, dass die Anwendung von Oxytocin in Bezug auf Übergewicht zu einer Abnahme an Körpergewicht führte. Dies tritt nicht nur durch das verbesserte Sättigungsgefühl ein, sondern Oxytocin fördert zudem den Fettabbau und reduziert dadurch die Fettmasse. [1]

 


Ist die Lösung für ein gesundes Leben also etwas mehr Liebe, Ruhe und Vertrauen?

Wie kann ich meinen Oxytocin-Spiegel natürlich erhöhen?

Wie schon beschrieben, hilft es schon regelmäßig positive soziale Kontakte zu pflegen, ein Essen in guter Gesellschaft zu genießen, etwas mehr zu kuscheln, zu lieben und die schönste Nebensache der Welt zu praktizieren, um den Oxytocin- Spiegel zu erhöhen. Leider hat man aber nicht immer einen Partner, mit dem man dies teilen kann oder man leidet unter Spannungen im sozialen Umfeld. Doch es gibt natürlich weitaus mehrere Wege, um die Oxytocin-Produktion zu stimulieren. Von Yoga [12] [13] und verschiedenen Formen der Meditation [14] über beruhigende Musik [15], warme Temperaturen [16], Massagen [17] und dem Halten von Hunden und anderen Haustieren [18] gibt es viele Möglichkeiten.

Soziale Beziehungen pflegen: 3 Tipps

  • Augen- statt Körperkontakt. Einer nahestehenden Person für 5-10 Minuten tief in die Augen schauen und wirken lassen. Das erhöht die Oxytocin-Ausschüttung.
  • Mit der/dem PartnerIn: Nackt kuscheln erhöht ebenfalls die Oxytocinmenge und beruhigt.
  • Quality Time schaffen: Gemeinsame Gespräche führen und Pläne schmieden über zukünftige Ziele, Reisen und Entwicklungen. 

Oxytocin – das „Fairplay“-Hormon

Eine sehr spannende und einfach umzusetzende Intervention stellt das intermittierende Trinken dar. Ein milder Durst stimuliert ebenfalls die Produktion von Oxytocin. Hierbei geht es nicht darum, die Menge an Wasser zu reduzieren, sondern allein die Frequenz. Denn wenn man einen milden Durst entwickelt hat, sollte man so viel Flüssigkeit (und das bedeutet vorzugweise Wasser) trinken, bis das Durstgefühl nachlässt. Interessanterweise zeigt sich dieses Trinkverhalten bei Naturvölkern, Kleinkindern und allen anderen Säugetieren. Lediglich der Erwachsene, „verwestlichte“ Mensch bildet hier eine Ausnahme. Oxytocin ist in der Natur eine Art „Fairplay“-Hormon, denn es erlaubt Fleisch- wie auch Pflanzenfressern gleichzeitig am Wasserloch zu stehen ohne, dass ein Jagdverhalten einsetzt und sich die „Schwächeren“ aus Angst nicht herantrauen. Intermittierendes Trinken stellt also einen der günstigsten Wege dar, um das Sozialverhalten und soziale Bindungen zu verbessern, Stress zu reduzieren, Ängste abzubauen, Appetit zu regulieren und Entzündungen zu verringern.[5]

Rezept-Inspiration

Ein leckeres, gesellschaftstaugliches Rezept für die nächste Kaffeerunde: Bananenbrot.

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