Magazin

Welche Enzyme gibt es?


Enzyme, insbesondere Verdauungsenzyme, dienen der optimalen Aufspaltung von Nährstoffen. Das ist lebensnotwendig, da ansonsten keine Nährstoffe in den Körper gelangen würden, um Energie zu produzieren. Fehlen Enzyme, oder werden diese nicht ausreichend gebildet, gerät unser Körper aus dem Gleichgewicht.


Lesezeit: 10 min

Was sind Enzyme?

Enzyme sind Eiweiße (Proteine), die vom Körper selbst gebildet werden. Sie fungieren als so genannte Biokatalysatoren und dienen der Aktivierung und Beschleunigung von biochemischen Reaktionen in unserem Organismus. Für die Verdauung sind zum Beispiel spezifische Verdauungsenzyme wichtig, die in Speichel, Bauchspeicheldrüse, Dünndarmsekret und Magensaft enthalten sind. Verdauungsenzyme spalten unsere Nahrung optimal in ihre Bestandteile auf und bereiten so die Aufnahme von Nährstoffen über den Darm und die Darmwand vor.

Enzyme finden sich in verschiedenen Bereichen des Organismus und sind an den meisten Stoffwechselprozessen im Körper beteiligt, wie zum Beispiel: 

Organ

Enzym

Funktion

Leber

GPT (Glutamat-pyruvat-transaminase - ALAT)

 

Stoffwechselprozess zur Stickstoffbildung

Muskulatur

Creatin Kinase

Schnelle Energiegewinnung

Niere

Renin

Kaskade, die die Blutdruckregulation (Anstieg) auslöst

Magen-Darm-Trakt

Verdauungsenzyme

Unterstützung der Verdauung durch Aufspaltung in resorbierbare Nahrungsbestandteile

 

 

Wie entstehen Enzyme?

Eine zuständige Zelle (Drüsen-Zelle), die ein Enzym produzieren soll, kann die notwenige Information - also eine Art „Bauplan“ von der DNA aus dem Zellkern abspielen. Auf dieser Grundlage des jeweiligen DNA-Abschnitts kann aus Aminosäuren ein Protein und damit fertiges Enzym gebaut werden. Jedes Enzym, das der Körper selbst bilden kann, wurde somit im Laufe der Evolution in unserer DNA gespeichert und verankert.

Welche Enzyme gibt es?

Grob lassen sich die Verdauungsenzyme in drei Gruppen einteilen, jeweils passend zu den Makronährstoffen:

 

Enzymgruppe

Makronährstoff

Aufgespaltetes Produkt

Lipasen

Fette

Fettsäuren

Proteasen

Eiweiße / Proteine

Peptide und Aminosäuren

Amylasen

Stärke / Kohlenhydrate

Monosaccharide / Zucker

 

Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass Fette, Proteine und Kohlenhydrate seit jeher Teil der menschlichen Ernährung sind. Insbesondere das Enzym Amylase, das bereits im Mundspeichel enthalten ist und Stärke und Glykogen spaltet, lässt darauf schließen, dass die menschliche Ernährung aus langkettigen Kohlenhydraten und stärkehaltiger Nahrung (zum Beispiel Wurzelgemüse und Knollengewächsen) Teil der Ernährung waren und bis heute sein sollten [1].

Unsere „moderne“ Ernährung, in der Fett, Proteine und Kohlenhydrate häufig kombiniert werden (z. B. Schweinshaxe mit Knödeln und Soße) benötigt hingegen größere Enzymmengen. Diese können unter Umständen nicht ausreichend produziert werden, was im Umkehrschluss nicht selten zu Problemen bei der Verdauung führt [2].

Wie funktionieren Enzyme?

Die Funktion von Enzymen ist das Aufspalten und Zerkleinern von Stoffen mittels chemischer Reaktion, um diese dann aufnehmen zu können oder umzuwandeln, damit das Abbauprodukt ausgeschieden werden kann. Sie haben zahlreiche Funktionen und sind an den meisten Stoffwechselprozessen in unserem Körper beteiligt.

Wenn wir essen, sorgen bereits der Geruchsreiz, der Geschmack und auch die Magendehnung für die Produktion und Ausschüttung von Verdauungsenzymen, noch bevor die Nahrung im Dünndarm ankommt. Der "Höhepunkt" der Enzymausschüttung liegt bei ca. 60 Minuten nach der Mahlzeit und hält bis zu vier Stunden an [3]. Der Grad der Enzymausschüttung wird auch von der Kaloriendichte bestimmt – je mehr Kalorien wir zu uns nehmen, desto mehr Enzymsekret wird ausgeschüttet [4].

Wie unsere Psyche die Verdauung beeinflusst

Neben dem was wir täglich essen und trinken, haben auch Umwelteinflüsse und Reaktionen unseres Körpers Auswirkungen auf die Verdauung. Psychischer Stress, sorgt zum Beispiel für eine veränderte Ausschüttung von Verdauungsenzymen und Produktion der Magensäure [5]. Chronischer Stress kann sich auf unterschiedlichen Ebenen auswirken. Unter anderem dadurch, dass das Immunsystem aktiviert wird, was wiederum mit einer schlechteren Verdauung in Verbindung gebracht wird [6]. Warum ist das so? Auch hier lohnt sich der Blick auf die evolutionäre Entwicklung [7]: Unter seelischer oder körperlicher Belastung wird unser Stresssystem aktiviert: Es entsteht eine Reaktion bestimmter (sympathischer) Nervenfasern und diverser Hormone, die den Organismus in eine Art „Flucht-Kampf-Modus“ bringt. Die Bewertung von Stress findet im Gehirn statt und es kann nicht unterschieden werden, ob es sich nun tatsächlich um den Angriff eines wilden Tieres handelt oder uns die Steuererklärung belastet. Erst nach Beendigung der Stressphase, kann der Körper in eine Ruhe- und Regenerationsphase eintreten, wo andere Hormone und Nervenfasern (Parasympathikus) wichtig sind. In diesem Zustand ist auch die Verdauung wieder optimal möglich [8].

Das schlägt uns auf den Magen – Verdauungsbeschwerden und Unverträglichkeiten

Enzyme, speziell Verdauungsenzyme, dienen der optimalen Aufspaltung von Nahrung bzw. Nährstoffen. Eine ausreichende Enzymproduktion ist daher lebensnotwendig, da ohne die Aufspaltung keine Nährstoffe in den Körper gelangen würden, um Energie zu produzieren. Erkrankungen oder Unverträglichkeiten von Nahrungsmitteln oder Inhaltsstoffen unserer Nahrung können Probleme bei der Verdauung mit sich bringen. Hier einige Beispiele:

Laktose

Der sogenannte Milchzucker wird von vielen Menschen nicht gut verdaut, da das Enzym Laktase nicht in ausreichender Menge produziert werden kann. Wobei eine Unverträglichkeit von Laktose nicht gleich eine Intoleranz bedeutet [9]. Es ist möglich, Laktose zu supplementieren und damit trotz einer Unverträglichkeit Milchprodukte zu konsumieren.

Histamin

Histamin ist ein natürliches Gewebshormon, das über die Nahrung aufgenommen wird. Es muss durch die Enzyme Diaminoxidase (DAO) und/oder Histamin-N-Methyltransferase (HNMT) aufgespalten werden [10]. Bei einem Mangel an DAO besteht die Möglichkeit, dass Histamin nicht richtig vom Körper abgebaut werden kann. Dies kann wiederum zu einer Histamin-Unverträglichkeit führen. Kopfschmerzen, Verdauungsprobleme oder eine Nesselsucht sind mögliche Anzeigen einer solchen Unverträglichkeit. Wissenschaftlich bewiesen ist diese Form der körperlichen Reaktion jedoch nicht, und die reine Diagnostik über die DAO-Aktivität nicht aussagekräftig genug [11]. Es besteht nämlich auch die Möglichkeit, dass bestimmte Darmbakterien (insbesondere Lactobacillen) Histamin produzieren und die Beschwerden dadurch – unabhängig vom Histaminkonsum – ausgelöst werden [12]. Unabhängig vom tatsächlichen „Auslöser“, ist bei Beschwerden eine Ernährungsumstellung sinnvoll. Betroffene sollten versuchen, Histamin-haltige Lebensmittel zu vermeiden.


welche-enzyme-gibt-es-milch-glas-laktose
Milch und Milchprodukten enthalten Laktose und Histamin, welche bei vielen Menschen zu Verdauungsbeschwerden führen können.
 

Lebensmittel, die Histamin enthalten:

Fleisch

Gepökeltes, mariniertes, geräuchertes oder stark zerkleinertes Fleisch, Innereien, roher Schinken

Fisch 

Thunfisch, Makrele, Hering, Sardinen, Sardellen; Schalen- und Krustentiere - Muscheln, Krebse, Krabben, Shrimps

Milch- und Milchprodukte 

Hartkäse, Halbhartkäse, Weichkäse, Schmelzkäse, Schimmelkäse, Emmentaler, Parmesan, Fondue, alter Gouda (der höchste Gehalt an biogenen Aminen findet sich im Rindenbereich)

Gemüse

Sauerkraut, Spinat, Tomaten (inkl. Tomatenmark und Ketchup), Aubergine, Avocado, Oliven, Soja, Keime und Sprossen, Linsen, Bohnen, Soja, Tofu, eingelegtes Gemüse, Steinpilze, Morcheln, Champignons

Obst 

Überreife Früchte, Erdbeeren, Himbeeren, Orangen, Zitrusfrüchte, Banane, Ananas, Kiwi, Birnen, Obstkonserven

Nüsse

 

Walnüsse, Cashew-Nüsse, Erdnüsse

Getränke

Schwarzer und grüner Tee, Brennesseltee, Tomatensaft, Obstsäfte aus Zitrusfrüchten, Energydrinks, Sojamilch, Rotwein, Weißwein, Sekt und Weißbier

Süßwaren

Kakao, braune und dunkle Schokolade, Marzipan, Nougat, Marmelade, Erdnusscreme

Sonstiges 

Geschmacksverstärker, Sojasauce, scharfe Gewürze, Hefe, Konserven, Fertig- und Halbfertigprodukte, Wein- und Balsamicoessig

 

Die exokrine Pankreas-Insuffizienz (EPI)

Hierbei handelt es sich um eine Erkrankung der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) als Folge einer Primärerkrankung der Bauchspeicheldrüse.

Die Bauchspeicheldrüse hat einen sogenannten endokrinen und einen exokrinen Teil: Dies bedeutet das der Pankreas zum einen Teil Hormone, wie beispielsweise Insulin, produziert, die direkt in die Blutbahn abgegeben werden (endokrin). Zum anderen wird in der Bauchspeicheldrüse auch das Substrat produziert, dass als Bauchspeichelsaft direkt in den Darm abgegeben wird (exokrin). Betroffen ist bei dieser Erkrankung also der exokrine Teil, wobei es auch zu Veränderung der Hormone in der Bauchspeicheldrüse kommen kann (Capurso et al. 2019). Typische Symptome bei der EPI sind Durchfall, fettiger Stuhl, Blähungen oder sichtbare Essensreste im Stuhl.

Primärerkrankungen und die Häufigkeit der Verbindung zur exokrinen Bauchspeicheldrüsen-Insuffizienz



(Auswahl an Krankheitsbildern nach (Capurso et al. 2019)

 

Erkrankung

Häufigkeit von EPI

Chronische Bauchspeicheldrüsenentzündung (chronische Pankreatitis)

30-90%

Akute Bauchspeicheldrüsenentzündung (akute Pankreatitis)

Milde Form: 15-20%

Diabetes mellitus Typ I

30-50%

Diabetes mellitus Typ II

20-30%

Chronisch entzündliche Darmerkrankungen

Colitis Ulcerosa 10%

Morbus Crohn 4%

Alter

15-30%

Tabak Konsum

10-20%

Diese Auswahl zeigt, dass das Funktionieren der Bauchspeicheldrüse bei vielen Menschen (prozentual gesehen) ein Problem darstellen kann.

Selbsttest – Wie man Anzeichen für Verdauungsprobleme erkennt

 

Frage

JA

NEIN

Durchfall

[  ]

[  ]

Fettiger Stuhl

[  ]

[  ]

Verstopfung

[  ]

[  ]

Stark riechender Stuhl

[  ]

[  ]

Aufgeblähtes Gefühl / Blähungen

[  ]

[  ]

Abgehende Winde, Darmgeräusche

[  ]

[  ]

Sichtbare Essensreste im Stuhl

[  ]

[  ]

Schmerzen im Oberbauch

[  ]

[  ]

Erschöpfung

[  ]

[  ]

Ungewünschte Gewichtsveränderung

[  ]

[  ]

Kopfschmerzen

[  ]

[  ]

 

Treten fünf oder mehr Symptome mindesten 3-mal pro Woche oder häufiger auf, sind Verdauungsproblem sehr wahrscheinlich und wir empfehlen das Gespräch mit einem Arzt oder Ernährungstherapeuten.

Fazit: Ausgewogene Ernährung begünstigt eine gesunde Verdauung

Mit einer gesunden und artgerechten Ernährung unterstützen wir nicht nur eine gute Verdauung, sondern auch unser allgemeines Wohlbefinden. Ideal sind etwa 19 Mahlzeiten pro Woche, eine niedrige Kaloriendichte und natürliche, frische Produkte, wie Gemüse, Obst, Nüsse oder Fisch. Falls der Speiseplan in der Realität häufig anders aussieht, unser Tipp: Es gibt nahrungsergänzende Enzympräparate, die unsere Verdauung unterstützen und die ergänzend eingenommen werden können [13]. Hierbei ist auf ein breites Enzymspektrum zu achten, sowie einen Einsatz von Enzymen, die durch Fermentationsprozesse gewonnen wurden [14].