- Was sind Ringelröteln?
- Wie werden Ringelröteln übertragen?
- Warum können Ringelröteln in der Schwangerschaft gefährlich sein?
- Was tun bei Kontakt mit Ringelröteln in der Schwangerschaft?
- Was passiert, wenn eine Infektion bestätigt wird?
- Fazit: Kontakt mit Ringelröteln frühzeitig abklären lassen
- Häufige Fragen zu Ringelröteln in der Schwangerschaft
Ein möglicher Kontakt mit Ringelröteln kann in der Schwangerschaft schnell viele Fragen auslösen. Wie groß ist das Risiko wirklich? Wann ist eine Blutuntersuchung sinnvoll? Und was passiert, wenn sich eine Infektion bestätigt? Dieser Beitrag gibt einen kompakten Überblick über Ansteckung, mögliche Risiken für das ungeborene Kind und die nächsten wichtigen Schritte nach einem Kontakt mit Ringelröteln.
Was sind Ringelröteln?
Ringelröteln, medizinisch Erythema infectiosum, sind eine Virusinfektion, die besonders häufig bei Kindern auftritt. Typisch ist der auffällig gerötete Ausschlag an den Wangen, später kann sich ein girlanden- oder netzförmiger Hautausschlag am Körper entwickeln. Bei Erwachsenen verläuft die Erkrankung häufig anders. Mögliche Symptome sind:
- Leichtes Fieber
- Abgeschlagenheit
- Kopf- und Muskelschmerzen
- Gelenkschmerzen, besonders an Händen, Füßen oder Knien
- Hautausschlag
Etwa jede vierte infizierte Person entwickelt laut CDC überhaupt keine Beschwerden. Gerade deshalb kann eine Ansteckung unbemerkt bleiben.
Wie werden Ringelröteln übertragen?
Das Parvovirus B19 wird vor allem über Atemwegssekrete und Tröpfchen bzw. respiratorische Partikel weitergegeben. Möglich ist außerdem eine Übertragung über Blut sowie während einer Schwangerschaft von der Mutter auf das Kind. Für Schwangere sind häufig Kinder im eigenen Haushalt oder berufliche Kontakte mit Kindern mögliche Infektionsquellen.
Tückisch ist, dass Betroffene vor allem zu Beginn der Erkrankung ansteckend sind – häufig bevor der typische Hautausschlag auftritt. Wenn der charakteristische Ausschlag sichtbar wird, besteht bei ansonsten gesunden Personen meist keine oder nur noch eine geringe Ansteckungsgefahr.
Warum können Ringelröteln in der Schwangerschaft gefährlich sein?
Hat eine Schwangere bereits früher eine Parvovirus-B19-Infektion durchgemacht, besteht normalerweise eine schützende Immunität. Eine erneute Infektion ist dann sehr unwahrscheinlich. Kommt es dagegen erstmals während der Schwangerschaft zu einer akuten Infektion, kann das Virus auf das ungeborene Kind übertragen werden.
Nach Angaben des American College of Obstetricians and Gynecologists liegt die Übertragungsrate von der Mutter auf den Fetus bei etwa 17-33 %. Die meisten fetalen Infektionen verlaufen ohne schwere Folgen. Bei einer akuten Infektion besteht jedoch ein Risiko für Komplikationen wie eine schwere kindliche Blutarmut. Das Risiko ist insbesondere bei einer Infektion zwischen der 9. und 20. Schwangerschaftswoche erhöht.
Welche Folgen kann eine Infektion für das Baby haben?
Parvovirus B19 kann bei einem ungeborenen Kind insbesondere die Bildung roter Blutkörperchen beeinträchtigen. Dadurch kann es in seltenen Fällen zu einer ausgeprägten fetalen Anämie kommen. Mögliche Komplikationen sind unter anderem:
- Schwere Blutarmut des ungeborenen Kindes
- Belastung des kindlichen Herzens
- Flüssigkeitsansammlungen im Körper des Kindes (Hydrops fetalis)
- Erhöhtes Risiko für Fehl- oder Totgeburt
Das bedeutet jedoch nicht, dass eine Ringelrötelninfektion automatisch zu Komplikationen führt. Die meisten Schwangerschaften verlaufen auch nach einer Infektion ohne schwerwiegende Folgen.
Was tun bei Kontakt mit Ringelröteln in der Schwangerschaft?
Schwangere, die engen Kontakt zu einer Person mit bestätigten Ringelröteln hatten, sollten sich – auch bei ausbleibenden Symptomen – an ihre Frauenärztin oder ihren Frauenarzt wenden. Durch eine Blutuntersuchung auf Parvovirus-B19-Antikörper (IgG und IgM) kann unter anderem festgestellt werden, ob bereits eine Immunität besteht oder Hinweise auf eine aktuelle oder kürzlich erfolgte Infektion vorliegen. Ein routinemäßiges Screening aller Schwangeren auf Parvovirus B19 wird dagegen nicht generell empfohlen.
IgG positiv, IgM negativ: Das spricht in der Regel für eine früher durchgemachte Infektion und eine bestehende Immunität.
IgM positiv: Das kann auf eine aktuelle oder kürzlich erfolgte Infektion hinweisen. Da IgM-Antikörper längere Zeit nachweisbar sein können und Testergebnisse nicht immer eindeutig sind, sollte der Befund ärztlich weiter abgeklärt werden.
Je nach Befund können zusätzliche Blutuntersuchungen, eine PCR zum direkten Virusnachweis oder eine erneute Antikörperkontrolle sinnvoll sein.
Was passiert, wenn eine Infektion bestätigt wird?
Wird eine akute Parvovirus-B19-Infektion während der Schwangerschaft festgestellt, bedeutet das zunächst nicht, dass das Baby erkrankt ist. In der Regel erfolgen über einen bestimmten Zeitraum engmaschigere Ultraschallkontrollen. Dabei kann unter anderem überprüft werden, ob Hinweise auf eine fetale Blutarmut oder einen Hydrops bestehen. Bei einer ausgeprägten fetalen Anämie stehen in spezialisierten pränatalmedizinischen Zentren Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung, beispielsweise eine intrauterine Bluttransfusion.
Fazit: Kontakt mit Ringelröteln frühzeitig abklären lassen
Ringelröteln können in der Schwangerschaft besondere Risiken mit sich bringen, schwere Komplikationen sind jedoch insgesamt selten. Wichtig ist deshalb vor allem, nach engem Kontakt oder bei verdächtigen Symptomen frühzeitig die gynäkologische Praxis zu informieren. Eine Blutuntersuchung kann klären, ob bereits eine Immunität besteht oder Hinweise auf eine aktuelle Infektion vorliegen. Wird eine Infektion bestätigt, helfen gezielte Kontrollen dabei, die Entwicklung des ungeborenen Kindes im Blick zu behalten und mögliche Komplikationen frühzeitig zu erkennen.
Häufige Fragen zu Ringelröteln in der Schwangerschaft
Sind Ringelröteln und Röteln dasselbe?
Nein. Ringelröteln und Röteln sind unterschiedliche Erkrankungen. Ringelröteln werden durch Parvovirus B19 verursacht. Röteln werden durch das Rubella-Virus verursacht. Gegen Röteln existiert eine Impfung, gegen Parvovirus B19 derzeit nicht.
Sind Ringelröteln in der Schwangerschaft immer gefährlich?
Nein. Viele Erwachsene sind bereits immun, und auch bei einer erstmaligen Infektion während der Schwangerschaft kommt es in der Mehrzahl der Fälle nicht zu schweren Folgen für das Kind. Dennoch ist eine medizinische Kontrolle wichtig.
Können Ringelröteln unbemerkt verlaufen?
Ja. Ein Teil der Infektionen verursacht keinerlei Symptome. Andere Erwachsene bemerken beispielsweise nur leichte grippeähnliche Beschwerden oder Gelenkschmerzen.
Was sollte ich tun, wenn ich schwanger bin und Kontakt zu Ringelröteln hatte?
Bei engem Kontakt zu einer Person mit bestätigten Ringelröteln sollte die gynäkologische Praxis informiert werden, auch wenn keine Beschwerden auftreten. Mithilfe einer Blutuntersuchung kann festgestellt werden, ob bereits eine Immunität besteht oder ob eine aktuelle Infektion vorliegt.
Quellen
American College of Obstetricians and Gynecologists (ACOG). Increase in Human Parvovirus B19 Activity in the United States: Practice Advisory. Washington, DC: ACOG; 2024.
Beck R, Exler S, Enders M. Parvovirus B19-Infektion und Schwangerschaft. Epidemiologisches Bulletin. 2024;24:3–7. Robert Koch-Institut. https://doi.org/10.25646/12157
Centers for Disease Control and Prevention (CDC). Parvovirus B19 in Pregnancy. Atlanta, GA: CDC. https://www.cdc.gov/parvovirus-b19/about/parvovirus-b19-in-pregnancy.html
Robert Koch-Institut (RKI). Ringelröteln (Parvovirus B19). Berlin: Robert Koch-Institut. https://www.rki.de/DE/Themen/Infektionskrankheiten/Infektionskrankheiten-A-Z/R/Ringelroeteln-Parvovirus-B19/ringelroeteln-node.html
Society for Maternal-Fetal Medicine (SMFM). Human Parvovirus B19 in Pregnancy: Clinical Considerations. Washington, DC: SMFM; 2024. https://www.smfm.org/parvovirus-b19
Hinweis: Dieser Ratgeber dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle medizinische Beratung, Diagnose oder Behandlung.