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Was ist Acetylierung? Definition, Mechanismus und Bedeutung für Epigenetik, Stoffwechsel und Arzneimittel – inkl. Schnell- und Langsam-Acetylierer.
Zu bevorzugten Quellen hinzufügenDie Acetylierungsreaktion ist ein biochemischer Prozess, bei dem eine Acetylgruppe auf ein Molekül übertragen wird. Sie spielt eine zentrale Rolle im Stoffwechsel und bei der Entgiftung von Substanzen im Körper.
Die Acetylierung ist eine chemische Reaktion, bei der eine Acetylgruppe (CH₃CO–) auf ein anderes Molekül übertragen wird. Im Körper katalysieren das Enzyme namens Acetyltransferasen, wichtigster Lieferant der Acetylgruppe ist Acetyl-CoA (Acetyl-Coenzym A). Acetylierung steuert unter anderem, welche Gene aktiv sind, wie Proteine arbeiten und wie Arzneistoffe abgebaut werden. Die Gegenreaktion, also das Abspalten der Acetylgruppe, heißt Deacetylierung.
Die Acetylgruppe wird fest (kovalent) an eine funktionelle Gruppe des Zielmoleküls gebunden. Je nach Gruppe entsteht eine andere Bindung:
| Funktionelle Gruppe | Entstehende Bindung | Bezeichnung |
|---|---|---|
| Aminogruppe (–NH₂) | Amid | N-Acetylierung |
| Hydroxylgruppe (–OH) | Ester | O-Acetylierung |
| Sulfhydrylgruppe (–SH) | Thioester | S-Acetylierung |
Im Labor und in der Industrie werden statt Acetyl-CoA meist Essigsäureanhydrid oder Acetylchlorid als Acetylierungsmittel verwendet.
Histone sind Proteine, um die die DNA im Zellkern gewickelt ist. Werden ihre Lysin-Bausteine acetyliert, verlieren sie ihre positive Ladung und binden die DNA schwächer. Das Chromatin lockert sich, und Gene können abgelesen werden. Histon-Acetyltransferasen (HAT) und Histon-Deacetylasen (HDAC) schalten Gene so an und ab, ohne die DNA-Sequenz zu verändern. Damit ist die Histon-Acetylierung ein zentraler Mechanismus der Epigenetik.
Viele Proteine werden nach ihrer Bildung acetyliert, was ihre Stabilität, Aktivität und Wechselwirkungen verändert. Die N-terminale Acetylierung betrifft schätzungsweise rund 80 Prozent aller menschlichen Proteine und gehört damit zu den häufigsten Proteinmodifikationen.
Acetyl-CoA ist nicht nur Acetylgruppen-Spender, sondern auch ein Knotenpunkt des Stoffwechsels. Es entsteht beim Abbau von Kohlenhydraten, Fettsäuren und Aminosäuren und wird im Citratzyklus zur Energiegewinnung verwertet. Wie viel Acetyl-CoA in der Zelle verfügbar ist, beeinflusst wiederum die Histon-Acetylierung.
In der Phase-II-Biotransformation, vor allem in der Leber, acetylieren N-Acetyltransferasen (NAT) Arzneistoffe und Fremdstoffe. Bekannte Beispiele sind Isoniazid (Tuberkulosemittel), Hydralazin, Procainamid und Sulfonamide. Anders als die meisten Phase-II-Reaktionen macht die Acetylierung Stoffe oft nicht wasserlöslicher. Acetylierte Sulfonamide können deshalb im Urin auskristallisieren.
Durch angeborene Varianten des Enzyms NAT2 bauen Menschen manche Medikamente unterschiedlich schnell ab. In Europa ist etwa die Hälfte der Bevölkerung Langsam-Acetylierer. Bei ihnen bleiben Wirkstoffe wie Isoniazid länger und in höherer Konzentration im Blut. Das erhöht das Risiko für Nebenwirkungen, etwa Nervenschäden unter Isoniazid oder einen medikamenteninduzierten Lupus erythematodes unter Hydralazin und Procainamid. Schnell-Acetylierer bauen diese Wirkstoffe dagegen so rasch ab, dass die Wirkung abgeschwächt sein kann.
Das bekannteste Beispiel ist Acetylsalicylsäure (ASS, Aspirin). Sie entsteht durch Acetylierung von Salicylsäure, die selbst den Magen stark reizt. ASS wirkt zudem selbst als Acetylierungsmittel: Sie überträgt ihre Acetylgruppe dauerhaft auf das Enzym Cyclooxygenase (COX) und hemmt es dadurch. Darauf beruht ihre schmerzlindernde und blutverdünnende Wirkung. Auch Paracetamol wird durch Acetylierung hergestellt, nämlich aus 4-Aminophenol.
Bei der Acetylierung wird eine Acetylgruppe (CH₃CO–) übertragen, bei der Methylierung eine Methylgruppe (CH₃–). Beide sind wichtige epigenetische Mechanismen: Histon-Acetylierung aktiviert Gene meist, DNA-Methylierung schaltet sie meist ab.
Der Acetylierer-Typ lässt sich über einen Gentest auf NAT2-Varianten oder über die Messung von Wirkstoffspiegeln im Blut bestimmen. Das ist meist nur sinnvoll, wenn bestimmte Medikamente wie Isoniazid geplant sind.
Deacetylierung ist die Abspaltung einer Acetylgruppe, zum Beispiel durch Histon-Deacetylasen (HDAC). Sie ist die Gegenreaktion zur Acetylierung und führt bei Histonen meist dazu, dass Gene stillgelegt werden.