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Das Adipositas-Paradoxon beschreibt das Phänomen, dass Übergewicht bei bestimmten Erkrankungen mit einem besseren Überleben verbunden sein kann als Normalgewicht.
Das Adipositas-Paradoxon beschreibt das Phänomen, dass Übergewicht bei bestimmten Erkrankungen mit einem besseren Überleben verbunden sein kann als Normalgewicht.
Das Adipositas-Paradoxon (auch Obesitas-Paradoxon genannt) ist ein medizinisches Phänomen, bei dem Patienten mit Übergewicht oder Adipositas bei bestimmten chronischen Erkrankungen eine bessere Prognose und ein höheres Überleben aufweisen als normalgewichtige Patienten. Dies widerspricht der allgemeinen medizinischen Erwartung, dass ein höheres Körpergewicht grundsätzlich mit schlechteren Gesundheitsoutcomes verbunden ist.
Der Begriff wurde erstmals im Kontext der Herzinsuffizienz und koronaren Herzerkrankung geprägt und seither in zahlreichen weiteren Erkrankungsbildern beobachtet.
Das Adipositas-Paradoxon wurde bei einer Reihe von Erkrankungen beschrieben, darunter:
Die genauen Mechanismen hinter dem Adipositas-Paradoxon sind noch nicht vollständig geklärt. Verschiedene wissenschaftliche Erklärungsansätze werden diskutiert:
Übergewichtige Patienten verfügen über größere Energie- und Nährstoffreserven. Bei schweren Erkrankungen oder nach Operationen können diese Reserven den Körper länger versorgen und so das Überleben sichern.
Fettgewebe produziert bestimmte entzündungshemmende Substanzen und Zytokine, die bei schweren Erkrankungen eine schützende Wirkung haben könnten. Insbesondere bei Herzinsuffizienz wird vermutet, dass das Fettgewebe entzündliche Signalstoffe neutralisiert.
Ein Teil des Phänomens könnte auf methodische Schwächen in Studien zurückzuführen sein, etwa auf den sogenannten Reverse-Causation-Effekt: Schwer erkrankte, normalgewichtige Patienten könnten durch die Erkrankung selbst an Gewicht verloren haben, was die Prognose dieser Gruppe verschlechtert und den Vergleich verzerrt.
Der Body-Mass-Index (BMI) unterscheidet nicht zwischen Muskel- und Fettmasse. Ein höherer BMI kann also auch auf eine größere Muskelmasse hinweisen, die mit einer besseren körperlichen Fitness und Belastbarkeit assoziiert ist.
Das Adipositas-Paradoxon darf nicht als Empfehlung für Übergewicht missverstanden werden. Adipositas bleibt ein bedeutender Risikofaktor für zahlreiche Erkrankungen wie Typ-2-Diabetes, Herzerkrankungen, Schlaganfall und bestimmte Krebsarten. Das Paradoxon beschreibt lediglich einen spezifischen Befund bei bereits erkrankten Patienten und ist kein Argument gegen Gewichtsreduktion oder gesunde Lebensführung.
Medizinische Fachgesellschaften betonen, dass die Prävention von Übergewicht nach wie vor ein zentrales Ziel der öffentlichen Gesundheitsvorsorge ist.
Das Phänomen des Adipositas-Paradoxons ist für Ärzte und Therapeuten relevant, da es die Behandlungsstrategie bei bereits erkrankten Patienten beeinflussen kann. Bei manchen Patientengruppen, etwa bei schwerer Herzinsuffizienz, wird eine aggressive Gewichtsreduktionstherapie mittlerweile kritischer betrachtet. Die individuelle Bewertung des Gewichts im Krankheitskontext ist daher unerlässlich.
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