Wissenswertes über "AGEs"
AGEs (Advanced Glycation Endproducts) sind Stoffwechselprodukte, die durch Reaktion von Zucker mit Proteinen entstehen und mit Alterung sowie chronischen Krankheiten in Verbindung stehen.
Was sind AGEs?
AGEs (Advanced Glycation Endproducts, auf Deutsch: fortgeschrittene Glykierungsendprodukte) sind chemische Verbindungen, die entstehen, wenn Zuckermoleküle (wie Glukose oder Fruktose) nicht-enzymatisch mit Proteinen, Fetten oder Nukleinsäuren reagieren. Dieser Prozess wird als Glykierung oder Maillard-Reaktion bezeichnet. AGEs können sowohl im Körper selbst gebildet als auch über die Nahrung aufgenommen werden.
Entstehung von AGEs
Endogene Bildung (im Körper)
Im menschlichen Stoffwechsel entstehen AGEs kontinuierlich, wenn Blutzucker mit Körperproteinen reagiert. Bei erhöhtem Blutzuckerspiegel – wie bei Diabetes mellitus – ist die Bildungsrate deutlich erhöht. AGEs akkumulieren mit zunehmendem Alter in Geweben wie Haut, Nieren, Blutgefäßen und Nerven.
Exogene Aufnahme (durch Nahrung)
Lebensmittel, die bei hohen Temperaturen zubereitet werden, enthalten besonders hohe Mengen an AGEs. Typische Quellen sind:
- Gebratenes und gegrilltes Fleisch
- Frittierte Speisen (z. B. Pommes frites, Chips)
- Geröstetes Brot und Gebäck
- Industriell verarbeitete Lebensmittel
- Karamellisierter Zucker und Süßigkeiten
Der Anteil der durch die Nahrung aufgenommenen AGEs, der vom Körper resorbiert wird, beträgt schätzungsweise 10–30 %.
Wirkmechanismus und biologische Auswirkungen
AGEs binden an spezifische Zelloberflächenrezeptoren, insbesondere an den RAGE-Rezeptor (Receptor for Advanced Glycation Endproducts). Diese Bindung löst eine Kaskade von Entzündungsreaktionen und oxidativem Stress aus. Zu den wichtigsten Folgen gehören:
- Vernetzung von Proteinen: AGEs verbinden Proteine miteinander (sogenanntes „Cross-linking“), was die Elastizität von Geweben vermindert.
- Chronische Entzündung: Aktivierung von Entzündungswegen (z. B. NF-κB-Signalweg).
- Oxidativer Stress: Erhöhte Produktion freier Radikale schädigt Zellen und Gewebe.
- Beeinträchtigung der Zellkommunikation: Veränderte Funktion von Enzymen und Rezeptoren.
Gesundheitliche Risiken und assoziierte Erkrankungen
Eine erhöhte AGE-Akkumulation im Körper wird mit einer Vielzahl von chronischen Erkrankungen in Verbindung gebracht:
- Diabetes mellitus und diabetische Folgekomplikationen: Schäden an Nieren (Nephropathie), Augen (Retinopathie) und Nerven (Neuropathie).
- Herz-Kreislauf-Erkrankungen: Arterienversteifung, Arteriosklerose und erhöhtes Herzinfarktrisiko.
- Nierenerkrankungen: Beeinträchtigung der Nierenfunktion durch Proteinvernetzung.
- Neurodegenerative Erkrankungen: Zusammenhang mit Alzheimer-Erkrankung und anderen Demenzen wird diskutiert.
- Hautveränderungen: Verminderung der Hautelastizität, Faltenbildung und vorzeitiges Hautaltern.
- Knochenabbau: Beeinträchtigung der Knochenstruktur und erhöhtes Frakturrisiko.
Diagnose und Messung
Die Bestimmung von AGEs im Körper kann auf verschiedene Weisen erfolgen:
- Blut- und Urinanalysen: Messung spezifischer AGE-Marker wie Carboxymethyllysin (CML) oder Pentosidine.
- HbA1c-Wert: Ein bekannter Marker bei Diabetikern, der die Glykierung von Hämoglobin widerspiegelt und indirekt auf die AGE-Belastung hinweist.
- Haut-Autofluoreszenz: Ein nicht-invasives Messverfahren, bei dem die Einlagerung von AGEs in der Haut optisch gemessen wird.
Prävention und Reduktion von AGEs
Ernährungsmaßnahmen
Die AGE-Aufnahme über die Nahrung kann durch folgende Maßnahmen reduziert werden:
- Bevorzugung schonender Garmethoden wie Dämpfen, Kochen oder Pochieren statt Grillen und Frittieren.
- Reichliche Zufuhr von Obst, Gemüse und Hülsenfrüchten.
- Reduzierung des Konsums stark verarbeiteter Lebensmittel.
- Marination von Fleisch in säurehaltigen Flüssigkeiten (z. B. Zitronensaft, Essig) vor dem Erhitzen kann die AGE-Bildung reduzieren.
Lebensstil und medizinische Ansätze
- Blutzuckerkontrolle: Besonders wichtig bei Diabetikern, um die endogene AGE-Bildung zu minimieren.
- Antioxidantienreiche Ernährung: Vitamin C, Vitamin E und Polyphenole können der AGE-vermittelten Oxidation entgegenwirken.
- Regelmäßige körperliche Aktivität: Verbessert die Insulinsensitivität und reduziert den Blutzucker.
- Bestimmte Wirkstoffe: Aminoguanidin und andere AGE-Inhibitoren werden in der Forschung untersucht, sind jedoch noch nicht standardmäßig zugelassen.
Quellen
- Vlassara, H. & Uribarri, J. (2014): Advanced Glycation End Products (AGE) and Diabetes: Cause, Effect, or Both? Current Diabetes Reports, 14(1), 453.
- Uribarri, J. et al. (2010): Advanced Glycation End Products in Foods and a Practical Guide to Their Reduction in the Diet. Journal of the American Dietetic Association, 110(6), 911–916.
- Ramasamy, R. et al. (2005): Advanced glycation end products and RAGE: a common thread in aging, diabetes, neurodegeneration, and inflammation. Glycobiology, 15(7), 16R–28R.