Wissenswertes über "Bezoar"
Ein Bezoar ist eine im Magen oder Darm angesammelte, unverdauliche Masse aus Nahrungsresten, Haaren oder anderen Substanzen. Er kann Beschwerden wie Übelkeit, Erbrechen und Bauchschmerzen verursachen.
Was ist ein Bezoar?
Ein Bezoar ist eine kompakte, meist kugelförmige Masse aus unverdaulichen Materialien, die sich im Magen oder seltener im Darm ansammelt und verdichtet. Der Begriff stammt aus dem Arabischen und Persischen und bedeutet sinngemäß „Gegengift“ – im Mittelalter glaubte man, Bezoare tierischen Ursprungs hätten heilende Eigenschaften. In der modernen Medizin gilt der Bezoar jedoch als pathologischer Befund, der behandlungsbedürftig sein kann.
Arten von Bezoaren
- Phytobezoar: Am häufigsten vorkommende Form; besteht aus unverdauten Pflanzenresten wie Ballaststoffen, Schalen oder Kernen. Tritt häufig nach dem Verzehr von Persimonen (Kakis) oder anderen faserreichen Lebensmitteln auf.
- Trikobezoar: Besteht aus verschluckten Haaren. Betrifft meist junge Frauen oder Mädchen mit der Verhaltenssörung Trichotillomanie (zwanghaftes Haareausreißen und -verschlucken).
- Laktobezoar: Entsteht aus eingedickter Milchnahrung, vor allem bei Frühgeborenen oder Säuglingen mit hochkalorischer Nahrung.
- Pharmakobezoar: Ansammlung von unverdauten Medikamenten oder deren Bestandteilen, häufig bei retardierten (langsam freisetzenden) Tabletten.
- Haematobezoar: Seltene Form aus geronnenem Blut im Magen.
Ursachen und Risikofaktoren
Bezoare entstehen, wenn der Magen unverdauliche Substanzen nicht vollständig ausscheiden kann. Zu den wichtigsten Risikofaktoren gehören:
- Verlangsamte Magenentleerung (Gastroparese), z. B. bei Diabetes mellitus
- Vorherige Magenoperationen (z. B. Magenresektion oder Vagotomie)
- Verminderte Magnsäureproduktion (Achlorhydrie)
- Kauprobleme oder schlechter Zahnstatus
- Psychische Störungen wie Trichotillomanie oder Pica-Syndrom (Verzehr von nicht essbaren Substanzen)
- Langzeitanwendung bestimmter Medikamente
- Exzessiver Verzehr schwer verdaulicher Lebensmittel
Symptome
Kleine Bezoare können symptomlos bleiben. Größere Massen verursachen jedoch häufig:
- Übelkeit und Erbrechen
- Bauchschmerzen oder Druckgefühl im Oberbauch
- Frühzeitiges Sättigungsgefühl
- Gewichtsverlust und Appetitlosigkeit
- Sichtbare oder tastbare Masse im Bauch
- In schweren Fällen: Darmverschluss (Ileus), Magenblutung oder Perforation
Diagnose
Die Diagnose eines Bezoars erfolgt durch verschiedene Untersuchungsverfahren:
- Endoskopie (Magenspiegelung): Methode der Wahl; ermöglicht direkte Sicht und gleichzeitig therapeutische Maßnahmen.
- Computertomographie (CT): Nützlich bei Verdacht auf Darmbezoar oder Komplikationen.
- Ultraschall: Kann einen Bezoar als echogene Masse mit Schallschatten darstellen.
- Röntgenuntersuchung: Weniger spezifisch, kann jedoch erste Hinweise liefern.
Behandlung
Die Therapie richtet sich nach Größe, Art und Lage des Bezoars sowie nach dem Allgemeinzustand des Patienten:
Konservative Behandlung
Bei Phytobezoaren kann die orale Gabe von Coca-Cola (natriumarme Variante) oder anderen kohlensäurehaltigen Getränken die Masse aufweichen und auflösen. Auch Cellulase (ein Enzym) oder N-Acetylcystein werden zur chemischen Auflösung eingesetzt. Prokinetika wie Metoclopramid können die Magenentleerung unterstützen.
Endoskopische Behandlung
Bei nicht auflösbaren Bezoaren kann der Gastroenterologe den Bezoar im Rahmen einer Magenspiegelung mechanisch zerkleinern und entfernen. Dabei kommen spezielle Greif- oder Schlinge-Instrumente zum Einsatz.
Chirurgische Behandlung
Große Bezoare, die endoskopisch nicht behandelt werden können, oder solche mit Komplikationen wie Darmverschluss oder Perforation müssen operativ entfernt werden.
Vorbeugung
Zur Vorbeugung von Bezoaren empfiehlt sich:
- Ausreichendes Kauen der Nahrung
- Meidung von übermäßigem Konsum faserreicher oder schwer verdaulicher Lebensmittel bei bekannter Magenentleerungsstörung
- Regelmäßige medizinische Kontrolle bei Risikopatienten (z. B. nach Magenoperationen)
- Psychologische Unterstützung bei Trichotillomanie oder Pica-Syndrom
Quellen
- Iwamuro M. et al. - Review of the diagnosis and management of gastrointestinal bezoars. World Journal of Gastrointestinal Endoscopy, 2015.
- Ripollés T. et al. - Gastrointestinal bezoars: sonographic and CT characteristics. American Journal of Roentgenology, 2001.
- Ladas S.D. et al. - Systematic review: Coca-Cola can effectively dissolve gastric phytobezoars as a first-line treatment. Alimentary Pharmacology & Therapeutics, 2013.