Wissenswertes über "Brillenhämatom"
Das Brillenhämatom ist eine Blutansammlung unter der Haut beider Augenhöhlen, die typisch für Schädelbasisbrüche ist und sofortige ärztliche Abklärung erfordert.
Was ist ein Brillenhämatom?
Ein Brillenhämatom bezeichnet eine beidseitige Blutunterlaufung (Hämatom) im Bereich beider Augenhöhlen, die dem Gesicht das charakteristische Aussehen einer Brille verleiht. Es entsteht durch eine Blutung, die sich im lockeren Bindegewebe unterhalb der Haut um beide Augen ausbreitet. Im Unterschied dazu beschreibt ein Monokelhämatom eine einseitige Blutunterlaufung um nur ein Auge.
Ursachen
Ein Brillenhämatom ist in der Regel ein klinisches Warnsignal und kein isolierter Befund. Die häufigsten Ursachen sind:
- Schädelbasisfraktur: Ein Bruch der knöchernen Schädelbasis ist die klassische und bedeutsamste Ursache. Blut aus der Frakturzone breitet sich entlang von Gewebsspalten bis in die Augenhöhlen aus.
- Schweres Schädel-Hirn-Trauma: Starke Gewalteinwirkung auf den Kopf kann neben Frakturen auch Gefäßverletzungen verursachen, die zu ausgedehnten Blutungen führen.
- Tumorerkrankungen: In seltenen Fällen, insbesondere bei Kindern, kann ein Neuroblastom durch Absiedlungen im Bereich der Augenhöhlen ein Brillenhämatom verursachen.
- Gerinnungsstörungen: Erkrankungen oder Medikamente, die die Blutgerinnung beeinträchtigen, können das Entstehen von Blutunterlaufungen begünstigen.
Symptome und Begleitzeichen
Das Brillenhämatom selbst äußert sich als deutlich sichtbare, blau-rote bis violette Verfärbung beider Augenlider und der umliegenden Haut. Häufig treten in Verbindung damit weitere Zeichen auf, die auf eine Schädelbasisfraktur hinweisen:
- Battle-Zeichen: Blutunterlaufung hinter dem Ohr (Mastoidregion)
- Liquorrhö: Austritt von Gehirn-Rückenmarksflüssigkeit aus Nase (Rhinorrhö) oder Ohr (Otorrhö)
- Tinnitus oder Hörverlust
- Bewusstlosigkeit oder Verwirrtheit
- Sehstörungen oder Doppelbilder
Diagnose
Die Diagnose eines Brillenhämatoms erfolgt zunächst klinisch durch die typische Blickdiagnose. Da es jedoch ein ernstes Leitsymptom sein kann, sind weiterführende Untersuchungen zwingend erforderlich:
- Computertomographie (CT) des Schädels: Goldstandard zur Darstellung von Frakturen der Schädelbasis, intrakraniellen Blutungen und Hirnverletzungen.
- Magnetresonanztomographie (MRT): Ergänzend zur Beurteilung von Weichteilverletzungen und Hirnläsionen.
- Neurologische Untersuchung: Prüfung von Bewusstsein, Reflexen und Hirnnerven.
- Labordiagnostik: Blutbild und Gerinnungsparameter zum Ausschluss von Gerinnungsstörungen.
Behandlung
Die Behandlung richtet sich ausschließlich nach der zugrunde liegenden Ursache. Das Brillenhämatom selbst ist lediglich ein Symptom und bedarf keiner gesonderten lokalen Therapie.
- Bei Schädelbasisfraktur: Sofortige stationäre Aufnahme, Überwachung auf einer Intensiv- oder Stroke-Unit, neurochirurgische Konsultation bei Komplikationen wie intrakranieller Blutung oder Liquorfistel.
- Konservative Behandlung: Viele Schädelbasisfrakturen heilen unter strenger Überwachung ohne Operation aus. Bettruhe, Schmerztherapie und engmaschige neurologische Kontrollen sind dabei essenziell.
- Operative Behandlung: Bei ernsthaften Komplikationen wie persistierender Liquorrhö, schweren Nervenläsionen oder starken Blutungen kann ein chirurgischer Eingriff notwendig sein.
- Bei Neuroblastom: Onkologische Therapie (Chemotherapie, Strahlentherapie, Operation) entsprechend dem Tumorstadium.
Wann zum Arzt?
Ein Brillenhämatom ist immer ein medizinischer Notfall, der sofortige ärztliche Abklärung erfordert. Bei beidseitiger Blutunterlaufung um die Augen nach einem Unfall oder Trauma sollte umgehend der Notruf (112) alarmiert werden. Auch ohne bekanntes Trauma muss die Ursache dringend abgeklärt werden.
Quellen
- Tscherne, H. & Regel, G. (Hrsg.) (1997). Trauma-Management. Springer, Berlin. Kapitel Schädel-Hirn-Trauma und Schädelbasisfraktur.
- Rickels, E. et al. (2006). Leitlinie Schädel-Hirn-Trauma im Erwachsenenalter. Deutsche Gesellschaft für Neurochirurgie (DGNC). Verfügbar unter: www.awmf.org
- Pommersheim, W. et al. (2003). Basal skull fractures: a modern view. Radiology, 229(3), 685-699. PubMed PMID: 14657306.