Wissenswertes über "Brustverweigerung"
Brustverweigerung bezeichnet das Ablehnen der Mutterbrust durch ein Säugling. Ursachen sind vielfältig und behandelbar.
Was ist Brustverweigerung?
Als Brustverweigerung bezeichnet man das Verhalten eines Säuglings, die Mutterbrust beim Stillen abzulehnen oder zu verweigern. Dieses Phänomen kann plötzlich auftreten oder sich schrittweise entwickeln und betrifft Säuglinge in verschiedenen Altersgruppen. Es handelt sich dabei nicht um eine Erkrankung, sondern um ein Verhaltensmuster, das häufig auf einen zugrunde liegenden Grund hinweist. Stillende Mütter empfinden die Brustverweigerung oft als belastend, da sie den Ernährungs- und Bindungsprozess zwischen Mutter und Kind beeinträchtigen kann.
Ursachen
Die Gründe für eine Brustverweigerung sind vielschichtig. Mögliche Ursachen auf Seiten des Säuglings sind:
- Schmerzen beim Saugen, z. B. durch Zahnen, Ohrenschmerzen, Mund-Soor (Pilzinfektion) oder eine verstopfte Nase
- Veränderung des Milchgeschmacks, etwa durch hormonelle Veränderungen der Mutter, Medikamente, neue Nahrungsmittel oder eine neue Schwangerschaft
- Saugverwirrung (auch Nippelverwirrung), wenn der Säugling zusätzlich Flasche oder Schnuller bekommt
- Starker Milchfluss (Milchüberschuss), der den Säugling überfordert
- Stressreaktionen auf Veränderungen in der Umgebung oder im Tagesablauf
- Wachstumsschübe und verändertes Saugbedarf-Verhalten
Ursachen auf Seiten der Mutter können sein:
- Veränderter Geruch (z. B. durch neue Kosmetika, Schwitzen)
- Änderungen in der Milchzusammensetzung durch Hormonveränderungen
- Stress oder psychische Belastung der Mutter
Symptome und Anzeichen
Typische Anzeichen einer Brustverweigerung sind:
- Das Kind wendet den Kopf von der Brust ab
- Das Kind weint oder schreit beim Anlegen
- Das Kind saugt kurz und lässt dann los
- Das Kind öffnet den Mund nicht oder beisst auf die Brustwarze
- Das Kind ist unruhig oder verkrampft beim Stillen
Wichtig: Ist das Kind generell ruhig, trinkt ausreichend aus der Flasche und nimmt gut an Gewicht zu, handelt es sich möglicherweise um eine vorübergehende Phase.
Diagnose
Eine medizinische Diagnose ist bei Brustverweigerung nicht immer nötig, aber empfehlenswert, wenn:
- das Kind an Gewicht verliert oder nicht ausreichend zunimmt
- das Kind Zeichen von Schmerzen oder Krankheit zeigt
- die Verweigerung länger als einige Tage anhält
In diesen Fällen sollte eine Kinderarztin oder ein Kinderarzt aufgesucht werden, um organische Ursachen wie Mittelohrentzündung, Soor oder gastrointestinale Beschwerden auszuschließen. Eine Stillberaterin (IBCLC-zertifiziert) kann zusätzlich wertvolle Unterstützung bieten.
Behandlung und Massnahmen
Die Behandlung richtet sich nach der Ursache der Brustverweigerung:
- Ruhige Stillumgebung schaffen: Reizarme, vertraute Umgebung fördert die Bereitschaft des Kindes zu stillen.
- Hautkontakt (Bonding): Viel Haut-zu-Haut-Kontakt kann die Stillbereitschaft wieder anregen.
- Verschiedene Stillpositionen ausprobieren: Manchmal hilft ein Wechsel der Haltung, z. B. die Wiegehaltung oder die Rugbyhaltung.
- Stillen im Halbschlaf: Manche Säuglinge nehmen die Brust leichter an, wenn sie müde oder schläfrig sind.
- Ursache behandeln: Bei organischen Ursachen wie Ohrenschmerzen oder Soor wird die zugrundeliegende Erkrankung behandelt.
- Milch abpumpen: Um die Milchproduktion aufrechtzuerhalten, kann die Muttermilch abgepumpt und per Löffel, Becher oder Flasche gegeben werden.
In den meisten Fällen ist die Brustverweigerung vorübergehend. Mit geduldiger Unterstützung und fachkundiger Begleitung lässt sich das Stillen häufig erfolgreich wieder aufnehmen.
Wann zum Arzt?
Eltern sollten umgehend ärztlichen Rat einholen, wenn:
- das Kind deutlich an Gewicht verliert
- das Kind apathisch oder sehr unruhig wirkt
- das Kind Zeichen einer Infektion zeigt (Fieber, Ausschlag)
- die Brustverweigerung mit starkem Weinen verbunden ist
Quellen
- World Health Organization (WHO): Infant and young child feeding. WHO, Genève, 2023. Verfügbar unter: https://www.who.int/news-room/fact-sheets/detail/infant-and-young-child-feeding
- Academy of Breastfeeding Medicine (ABM): ABM Clinical Protocol #1: Guidelines for Blood Glucose Monitoring and Treatment of Hypoglycemia in Term and Late-Preterm Neonates. Breastfeeding Medicine, 2021.
- Koletzko, B. et al.: Ernährung und Ernährungsstörungen. In: Spöhrer, N. (Hrsg.), Pädiatrie, Springer Verlag, Berlin, 2022.