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Die Folsäurekinetik beschreibt, wie der Körper Folsäure aufnimmt, verteilt, umwandelt und ausscheidet. Sie ist entscheidend für eine optimale Versorgung mit diesem lebenswichtigen B-Vitamin.
Die Folsäurekinetik beschreibt, wie der Körper Folsäure aufnimmt, verteilt, umwandelt und ausscheidet. Sie ist entscheidend für eine optimale Versorgung mit diesem lebenswichtigen B-Vitamin.
Die Folsäurekinetik (auch Folat-Kinetik) beschreibt den vollständigen Weg, den Folsäure (Vitamin B9) im menschlichen Körper zurücklegt – von der Aufnahme über die Verteilung im Gewebe bis hin zur Verstoffwechselung und Ausscheidung. Das Verständnis dieser kinetischen Prozesse ist für Medizin, Ernährungswissenschaft und Pharmakologie von großer Bedeutung, da Folat eine zentrale Rolle in der DNA-Synthese, Zellteilung und Bildung roter Blutkörperchen spielt.
Nahrungsfolate liegen meist als Polyglutamate vor und müssen im Dünndarm zunächst durch das Enzym Glutamatcarboxypeptidase II (auch Folylpolyglutamat-Hydrolase) in Monoglutamate umgewandelt werden, bevor sie resorbiert werden können. Synthetische Folsäure (wie in Nahrungsergänzungsmitteln) liegt bereits als Monoglutamat vor und wird daher effizienter aufgenommen.
Nach der Resorption wird Folat über das Pfortadersystem zur Leber transportiert. Die Leber ist das wichtigste Speicherorgan für Folat; der gesamte Körperspeicher beträgt beim Erwachsenen etwa 10–30 mg, wovon ca. 50 % in der Leber gespeichert sind. Im Blut wird Folat überwiegend als 5-Methyltetrahydrofolat (5-MTHF) transportiert, teils gebunden an Plasmaproteine.
Im Gewebe wird Folsäure in ihre biologisch aktiven Formen umgewandelt. Der zentrale Schritt ist die Reduktion zu Tetrahydrofolat (THF) durch das Enzym Dihydrofolatreduktase (DHFR). THF dient als Einkohlenstoff-Träger und ist unentbehrlich für:
Ein genetischer Polymorphismus im Enzym MTHFR (Methylentetrahydrofolat-Reduktase) (z. B. C677T) kann die Umwandlung von Folat zu 5-MTHF beeinträchtigen und die individuelle Folatkinetik erheblich verändern.
Folat wird hauptsächlich über die Nieren ausgeschieden. Bei niedriger Folatversorgung steigern die Nieren die Rückresorption, um Verluste zu minimieren. Bei hoher Zufuhr übersteigt die Ausscheidung über den Urin die Rückresorptionskapazität. Zusätzlich wird Folat über die Galle ausgeschieden und im enterohepatischen Kreislauf teilweise wieder resorbiert. Die durchschnittlichen täglichen Verluste betragen beim Erwachsenen etwa 1–2 µg/kg Körpergewicht.
Das Verständnis der Folatkinetik ist für verschiedene klinische Situationen relevant:
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt für Erwachsene eine tägliche Folatäquivalent-Zufuhr von 300 µg, für Schwangere 550 µg und für Stillende 450 µg. Die WHO empfiehlt Frauen im gebärfähigen Alter eine perikonzeptionelle Supplementierung von 400 µg Folsäure/Tag.
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