Wissenswertes über "ISG Gelenk"
Das ISG Gelenk (Iliosakralgelenk) verbindet das Becken mit der Wirbelsäule. Schmerzen im ISG-Bereich sind häufig und können durch Blockaden, Entzündungen oder Verschleiß entstehen.
Was ist das ISG Gelenk?
Das ISG Gelenk, auch Iliosakralgelenk genannt, ist das paarige Gelenk zwischen dem Darmbein (Os ilium) und dem Kreuzbein (Os sacrum). Es befindet sich im unteren Rücken, beidseitig neben der Wirbelsäule, und ist ein zentraler Bestandteil des Beckengürtels. Das ISG überträgt die Kräfte zwischen dem Oberkörper und den Beinen und sorgt für Stabilität beim Gehen, Stehen und Sitzen. Im Gegensatz zu anderen Gelenken verfügt das Iliosakralgelenk nur über eine sehr geringe Beweglichkeit – es handelt sich um ein sogenanntes Amphiarthrose (straffes Gelenk).
Anatomie des ISG Gelenks
Das Iliosakralgelenk ist von einem straffen Band-Apparat umgeben, der es stabilisiert. Zu den wichtigsten Strukturen gehören:
- Ligamentum sacroiliacum anterius (vorderes Kreuz-Darmbein-Band)
- Ligamentum sacroiliacum posterius (hinteres Kreuz-Darmbein-Band)
- Ligamentum iliolumbale (Darmbein-Lenden-Band)
Die Gelenkflächen sind mit Knorpel überzogen und von einer Gelenkkapsel umhüllt. Mit zunehmendem Alter kann das ISG verknöchern, was zu einer natürlichen Einschränkung der Beweglichkeit führt.
Ursachen von ISG-Beschwerden
Schmerzen und Funktionsstörungen im Bereich des ISG Gelenks können verschiedene Ursachen haben:
- ISG-Blockade: Eine funktionelle Blockade tritt auf, wenn das Gelenk in einer unphysiologischen Position „feststeckt“. Dies ist eine der häufigsten Ursachen für tiefsitzende Rückenschmerzen.
- Sakroiliitis: Eine Entzündung des Iliosakralgelenks, die im Rahmen rheumatischer Erkrankungen wie Morbus Bechterew (Ankylosierende Spondylitis) oder anderen Spondylarthropathien auftreten kann.
- Arthrosen (Degeneration): Verschleiß des Gelenkknorpels durch Überlastung, Fehlhaltung oder als Folge von Verletzungen.
- Traumen: Stürze oder Unfälle können das ISG direkt verletzen oder zu einer dauerhaften Instabilität führen.
- Schwangerschaft: Das Hormon Relaxin lockert die Bandstrukturen des Beckens, was zu einer erhöhten ISG-Beweglichkeit und damit zu Schmerzen führen kann.
- Beinlängendifferenz: Eine Ungleichheit der Beinlängen kann das ISG einseitig belasten und Beschwerden auslösen.
Symptome bei ISG-Beschwerden
Die Symptome von ISG-Erkrankungen sind vielfältig und werden häufig mit anderen Rückenproblemen verwechselt. Typische Beschwerden sind:
- Tiefsitzende Rückenschmerzen, oft einseitig
- Schmerzen im Gesäß und in der Hüfte, die in das Bein ausstrahlen können
- Morgendliche Steifheit und Anlaufschmerz
- Schmerzen beim Treppensteigen, längerem Stehen oder Sitzen
- Schmerzen beim Umdrehen im Bett oder beim Aufstehen aus dem Sitzen
- Bei Entzündungen: zusätzlich Nächtliche Schmerzen und Allgemeinsymptome wie Müdigkeit
Diagnose
Die Diagnose von ISG-Beschwerden erfolgt durch eine Kombination aus klinischer Untersuchung und bildgebenden Verfahren:
Klinische Tests
- Mennell-Zeichen: Schmerzprovokation durch gezielte Bewegung des ISG
- FABER-Test (Flexion, Abduktion, Außenrotation): Überprüfung der Hüft- und ISG-Funktion
- Gaenslen-Test: Provokationstest für das ISG durch Hyperextension im Hüftgelenk
Bildgebende Verfahren
- Röntgenaufnahme: Darstellung von Verschleißveränderungen oder knöchernen Verwachsungen
- MRT (Magnetresonanztomographie): Besonders geeignet zum Nachweis von Entzündungen (Sakroiliitis) in frühen Krankheitsstadien
- CT (Computertomographie): Detaillierte Darstellung knöcherner Veränderungen
- Diagnostische Injektion: Einspritzen eines Lokalbetäubungsmittels ins ISG kann helfen, die Schmerzquelle eindeutig zu identifizieren
Behandlung von ISG-Beschwerden
Die Therapie richtet sich nach der Ursache der Beschwerden und kann konservativ oder invasiv erfolgen:
Konservative Behandlung
- Physiotherapie: Gezielte Übungen zur Kräftigung der Rumpf- und Beckenmuskulatur sowie manuelle Therapie zur Lösung von Blockaden
- Manuelle Medizin / Chiropraktik: Gezielte Manipulationen zur Aufhebung einer ISG-Blockade
- Schmerzmedikamente: Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAIDs) wie Ibuprofen oder Diclofenac zur Schmerzlinderung und Entzündungshemmung
- Wärme- oder Kältetherapie: Unterstützende Maßnahmen zur Linderung akuter oder chronischer Schmerzen
- Orthopädische Hilfsmittel: Beckengurte oder Einlagen können das ISG entlasten und stabilisieren
Invasive Behandlung
- Kortison-Injektion: Injektion von Kortikosteroiden direkt ins Gelenk zur Entzündungshemmung
- Radiofrequenzablation: Verödung der schmerzleitenden Nerven am ISG bei chronischen Beschwerden
- ISG-Fusion (operative Versteifung): In schwerwiegenden, therapieresistenten Fällen kann das ISG operativ versteift werden (Arthrodese)
Prävention
Einer Überlastung und frühzeitigen Degeneration des ISG Gelenks kann durch folgende Maßnahmen vorgebeugt werden:
- Regelmäßige Bewegung und kräftigende Übungen für die Rumpf- und Beckenmuskulatur
- Ergonomische Sitzhaltung am Arbeitsplatz und im Alltag
- Gewichtsreduktion bei Übergewicht zur Entlastung des Gelenks
- Vermeiden von einseitigen Belastungen und Fehlhaltungen
Quellen
- Simopoulos TT, Manchikanti L et al. - A Systematic Evaluation of Prevalence and Diagnostic Accuracy of Sacroiliac Joint Interventions. Pain Physician, 2012.
- Szadek KM et al. - Diagnostic Validity of Criteria for Sacroiliac Joint Pain. Journal of Pain, 2009.
- Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (DGOOC) - Leitlinien zur Diagnostik und Therapie von Rückenerkrankungen, 2023.