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Das Kennedy-Syndrom ist eine seltene erbliche Erkrankung des motorischen Nervensystems, die vor allem Männer betrifft und zu fortschreitender Muskelschwäche führt.
Das Kennedy-Syndrom ist eine seltene erbliche Erkrankung des motorischen Nervensystems, die vor allem Männer betrifft und zu fortschreitender Muskelschwäche führt.
Das Kennedy-Syndrom, auch bekannt als spinobulbäre Muskelatrophie (SBMA) oder Kennedy-Krankheit, ist eine seltene, langsam fortschreitende Erkrankung des Nervensystems. Sie betrifft die motorischen Nervenzellen im Rückenmark und im Hirnstamm (Bulbus), die für die Steuerung von Muskelbewegungen zuständig sind. Die Erkrankung gehört zur Gruppe der motorischen Neuronerkrankungen und wurde erstmals 1968 von dem amerikanischen Neurologen William R. Kennedy beschrieben.
Das Kennedy-Syndrom wird durch eine genetische Veränderung (Mutation) im Androgenrezeptor-Gen (AR-Gen) auf dem X-Chromosom verursacht. Es handelt sich um eine sogenannte Trinukleotid-Repeat-Erkrankung: Im betroffenen Gen kommt es zu einer abnorm hohen Wiederholung der DNA-Sequenz CAG. Bei gesunden Menschen wiederholt sich diese Sequenz etwa 9 bis 36 Mal; bei Kennedy-Patienten sind es mehr als 38 Wiederholungen.
Da das defekte Gen auf dem X-Chromosom liegt, sind fast ausschließlich Männer von der Erkrankung betroffen. Frauen können Trägerinnen des mutierten Gens sein und geben es an ihre Söhne weiter, erkranken selbst jedoch in der Regel nicht oder nur sehr mild.
Die ersten Symptome treten meist im Erwachsenenalter zwischen dem 30. und 50. Lebensjahr auf. Der Krankheitsverlauf ist langsam progredient, das heißt, die Beschwerden nehmen über Jahre bis Jahrzehnte allmählich zu.
Die Diagnose des Kennedy-Syndroms erfolgt durch eine Kombination aus klinischer Untersuchung, Labordiagnostik und genetischem Test:
Aktuell gibt es keine ursächliche (kurative) Therapie für das Kennedy-Syndrom. Die Behandlung zielt darauf ab, die Lebensqualität zu erhalten und Symptome zu lindern (symptomatische Therapie).
Regelmäßige physiotherapeutische Übungen helfen, die Muskelkraft möglichst lange zu erhalten, Kontrakturen zu verhindern und die Mobilität zu verbessern. Ergotherapie unterstützt die Betroffenen im Alltag.
Bei Schluck- und Sprachstörungen ist logopädische Therapie wichtig, um Komplikationen wie Aspiration (Einatmen von Nahrung in die Lunge) zu vermeiden.
Symptome wie Tremor können medikamentös behandelt werden. Hormonelle Veränderungen (z.B. Gynäkomastie) können bei Bedarf ebenfalls therapiert werden. Wissenschaftliche Studien untersuchen derzeit die mögliche Wirkung von Androgenblockern (z.B. Leuprorelin), da das mutierte Protein durch Androgene aktiviert wird.
Mit Fortschreiten der Erkrankung können Gehhilfen, orthopädische Hilfsmittel oder ein Rollstuhl notwendig werden. Multidisziplinäre Betreuung durch Neurologen, Pneumologen, Gastroenterologen und Sozialarbeiter ist empfohlen.
Das Kennedy-Syndrom verläuft langsamer als andere motorische Neuronerkrankungen (wie z.B. ALS). Die Lebenserwartung ist oft nur wenig eingeschränkt, jedoch kann die Erkrankung zu erheblicher körperlicher Behinderung führen. Atemkomplikationen können im fortgeschrittenen Stadium lebensbedrohlich werden.
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