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Knollenblätterpilz – Vergiftung, Symptome & Behandlung

Der Knollenblätterpilz ist ein hochgiftiger Pilz und häufigste Ursache tödlicher Pilzvergiftungen in Europa. Bereits kleine Mengen können zu schwerem Leberversagen führen.

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Wissenswertes über "Knollenblätterpilz"

Der Knollenblätterpilz ist ein hochgiftiger Pilz und häufigste Ursache tödlicher Pilzvergiftungen in Europa. Bereits kleine Mengen können zu schwerem Leberversagen führen.

Was ist der Knollenblätterpilz?

Der Knollenblätterpilz (Amanita phalloides), auch bekannt als Grüner Knollenblätterpilz, ist der gefährlichste Giftpilz Europas und weltweit für die Mehrheit der tödlichen Pilzvergiftungen verantwortlich. Er gehört zur Gattung Amanita und ist in Laub- und Mischwäldern weit verbreitet. Trotz seiner extremen Giftigkeit wird er von Laien häufig mit essbaren Pilzen wie dem Champignon oder dem Perlpilz verwechselt.

Aussehen und Erkennungsmerkmale

Der Knollenblätterpilz hat typischerweise folgende Merkmale:

  • Hut: 5–15 cm breit, gelblich-grün bis olivgrün gefärbt, selten weißlich
  • Lamellen: weiß, frei stehend, nicht am Stiel angewachsen
  • Stiel: weiß bis gelblich, mit hängendem Ring (Manschette)
  • Basis: charakteristische knollenartige Verdickung, umhüllt von einer weißen Scheide (Volva)
  • Geruch: angenehm süßlich, was die Gefährlichkeit erhöht

Die grünliche Färbung kann variieren und ist kein zuverlässiges Erkennungsmerkmal. Die Volva (Scheidenhülle an der Stielbasiss) ist das wichtigste Unterscheidungsmerkmal gegenüber harmlosen Pilzen.

Giftstoffe und Wirkmechanismus

Der Knollenblätterpilz enthält mehrere hochtoxische Substanzen:

  • Amatoxine (insbesondere α-Amanitin): Hemmen das Enzym RNA-Polymerase II und blockieren damit die Proteinbiosynthese in den Zellen. Dies führt zu massivem Zelluntergang, vorrangig in Leber und Nieren.
  • Phallotoxine (z. B. Phalloidin): Schädigen Zellmembranen, tragen aber weniger zur systemischen Vergiftung bei, da sie kaum über den Darm aufgenommen werden.
  • Virotoxine: Strukturell ähnlich wie Phallotoxine, ebenfalls membranschädigend.

Bereits 0,1 mg Amanitin pro Kilogramm Körpergewicht (entspricht etwa 20–30 g Frischpilz) können für einen Erwachsenen tödlich sein. Ein einziger Pilz enthält ausreichend Gift, um einen Menschen zu töten.

Symptome der Vergiftung

Die Vergiftung durch den Knollenblätterpilz verläuft typischerweise in vier Phasen:

Phase 1: Latenzphase (6–24 Stunden)

Nach dem Verzehr treten zunächst keine Symptome auf. Diese tückische symptomfreie Phase verleitet Betroffene dazu, keinen Arzt aufzusuchen.

Phase 2: Gastroenteritische Phase (24–48 Stunden)

Es kommt zu heftigen Magen-Darm-Beschwerden: starke Übelkeit, Erbrechen, kolikartige Bauchschmerzen und choleraartiger Durchfall mit massivem Flüssigkeitsverlust.

Phase 3: Latente Besserungsphase (48–72 Stunden)

Die Magen-Darm-Symptome klingen scheinbar ab. Im Körper findet jedoch bereits eine schwerwiegende Schädigung von Leber und Nieren statt, die laborchemisch nachweisbar ist.

Phase 4: Organversagen (ab 72 Stunden)

Schweres Leberversagen (Ikterus, Blutungsneigung, hepatische Enzephalopathie) und Nierenversagen treten auf. Ohne rechtzeitige Behandlung oder Lebertransplantation kann die Vergiftung tödlich enden.

Diagnose

Die Diagnose erfolgt anhand:

  • Anamnese (Pilzverzehr in den vergangenen 24–48 Stunden)
  • Blutuntersuchungen: Leberenzyme (GOT, GPT), Bilirubin, Gerinnungsparameter (Quick/INR), Nierenretentionswerte
  • Toxikologischer Nachweis von Amatoxinen im Urin
  • Mykologische Bestimmung von Pilzresten oder Erbrochenem

Bei Verdacht auf eine Vergiftung mit Knollenblätterpilzen muss sofort der Notruf (112) oder das Giftnotrufzentrum kontaktiert werden. Jeder Verdachtsfall ist ein medizinischer Notfall.

Behandlung

Es gibt kein spezifisches Gegengift (Antidot) für Amatoxine. Die Behandlung umfasst:

  • Sofortmaßnahmen: Giftelimination (z. B. Aktivkohle, wenn frühzeitig nach Verzehr verabreicht), intensivmedizinische Überwachung
  • Silibinin (Legalon SIL): Ein Wirkstoff aus der Mariendistel, der die Aufnahme von Amatoxinen in Leberzellen hemmt – gilt als wichtigste pharmakologische Therapieoption
  • N-Acetylcystein: Unterstützt die Leberregeneration und wirkt antioxidativ
  • Penicillin G: Kann die Bindung von Amatoxinen an Leberrezeptoren hemmen
  • Intensivmedizinische Unterstützung: Flüssigkeitsersatz, Dialyse bei Nierenversagen, Behandlung der Gerinnungsstörungen
  • Lebertransplantation: Bei schwerem, nicht reversiblem Leberversagen als letzte Möglichkeit

Verwechslungsgefahr

Der Knollenblätterpilz wird häufig verwechselt mit:

  • Champignon (Agaricus bisporus) – der Champignon hat braun-rosa Lamellen und keine Volva
  • Perlpilz (Amanita rubescens) – rötet sich bei Verletzung
  • Wiesenchampignon (Agaricus campestris)
  • Verschiedene Weiße Knollenblätterpilze (Amanita virosa, Amanita verna) – diese sind ebenfalls tödlich giftig

Wichtig: Im Zweifelsfall niemals einen Pilz essen! Das Kochen, Einlegen oder Trocknen macht den Knollenblätterpilz nicht ungiftig. Die Toxine sind hitzestabil.

Prävention

Zur Vorbeugung von Vergiftungen gilt:

  • Pilze nur sammeln, wenn man sie sicher bestimmen kann
  • Im Zweifelsfall einen Mykologen oder Pilzberater aufsuchen
  • Keine Pilze von unbekannten Personen annehmen
  • Kinder besonders gut beaufsichtigen – sie sind aufgrund ihres geringeren Körpergewichts noch gefährdeter
  • Bei Vergiftungsverdacht sofort den Notruf (112) oder das Giftinformationszentrum anrufen

Quellen

  1. Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR): Pilzvergiftungen in Deutschland – Bewertung und Prävention. Berlin, 2022.
  2. Mas A. - Mushrooms, amatoxins and the liver. Journal of Hepatology, 2005; 42(2):166–169.
  3. Jaeger A., Jehl F., Flesch F. et al. - Kinetics of amatoxins in human poisoning: therapeutic implications. Journal of Toxicology - Clinical Toxicology, 1993; 31(1):63–80.
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