Wissenswertes über "Lethargie"
Lethargie bezeichnet einen Zustand ausgeprägter Antriebslosigkeit, tiefer Müdigkeit und verminderten Bewusstseins, der viele Ursachen haben kann.
Was ist Lethargie?
Lethargie ist ein medizinischer Begriff für einen Zustand tiefgreifender Erschöpfung, ausgeprägter Antriebslosigkeit und verlangsamter geistiger sowie körperlicher Reaktionsfähigkeit. Betroffene wirken schläfrig, apathisch und schwer erweckbar. In schweren Fällen kann Lethargie in Bewusstseinstrübung oder Bewusstlosigkeit übergehen. Sie ist kein eigenständiges Krankheitsbild, sondern ein Symptom, das auf eine Vielzahl möglicher Grunderkrankungen hinweist.
Ursachen
Lethargie kann durch zahlreiche Faktoren ausgelöst werden. Häufige Ursachen sind:
- Infektionskrankheiten: Grippe, Erkältungen, COVID-19, Hirnhautentzündung oder Sepsis
- Stoffwechselstörungen: Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose), Diabetes mellitus, Nierenversagen, Leberversagen
- Psychische Erkrankungen: Depression, Burn-out-Syndrom, Angststörungen
- Neurologische Erkrankungen: Schlaganfall, Gehirnentzündung (Enzephalitis), Schlafapnoe-Syndrom
- Mangelzustände: Eisen-, Vitamin-B12-, Vitamin-D- oder Folsäuremangel
- Medikamente: Beruhigungsmittel, Antihistaminika, Schlafmittel, bestimmte Blutdruckmittel
- Drogen- und Alkoholeinfluss sowie Entzugsreaktionen
- Schwere körperliche Erkrankungen: Herzinsuffizienz, Anämie, Krebserkrankungen
- Schlafmangel oder übermäßige körperliche Belastung
Symptome
Lethargie äußert sich durch verschiedene Anzeichen, die je nach Schweregrad variieren:
- Starke Müdigkeit und erhöhtes Schlafbedürfnis
- Verlangsamte Bewegungen und Sprache
- Verminderte Konzentrations- und Reaktionsfähigkeit
- Gleichgültigkeit gegenüber der Umgebung (Apathie)
- Schwierigkeiten, aufzustehen oder alltägliche Aufgaben zu erledigen
- In schweren Fällen: Desorientierung, Bewusstseinstrübung oder Nicht-erweckbarkeit
Diagnose
Die Diagnose von Lethargie erfordert eine sorgfältige ärztliche Untersuchung, da die Ursachen sehr vielfältig sind. Folgende diagnostische Maßnahmen kommen zum Einsatz:
- Anamnese: Ausführliches Arztgespräch zu Beginn, Dauer und Begleitsymptomen
- Körperliche Untersuchung: Prüfung von Reflexen, Bewusstseinszustand und Vitalzeichen
- Blutuntersuchungen: Blutbild, Schilddrüsenwerte, Blutzucker, Leber- und Nierenwerte, Vitamin- und Mineralstoffspiegel
- Bildgebung: Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT) des Gehirns bei Verdacht auf neurologische Ursachen
- Schlaflabor: Bei Verdacht auf Schlafstörungen wie Schlafapnoe
- Psychologische Abklärung: Bei Verdacht auf Depression oder andere psychische Erkrankungen
Behandlung
Die Behandlung von Lethargie richtet sich immer nach der zugrunde liegenden Ursache:
- Infektionen: Antibiotika, antivirale Medikamente oder unterstützende Maßnahmen (Bettruhe, viel Flüssigkeit)
- Schilddrüsenunterfunktion: Substitution von Schilddrüsenhormonen
- Mangelzustände: Gezielte Ernährungsumstellung und Nahrungsergänzungsmittel (z. B. Eisen, Vitamin B12)
- Depression: Psychotherapie und/oder antidepressive Medikamente
- Schlafstörungen: Schlafhygiene-Maßnahmen, CPAP-Therapie bei Schlafapnoe
- Medikamentenbedingete Lethargie: Dosisanpassung oder Wechsel des Präparats in Rücksprache mit dem Arzt
Bei plötzlich auftretender oder sehr starker Lethargie, besonders in Verbindung mit Fieber, Verwirrtheit, Kopfschmerzen oder Bewusstseinstrübung, sollte sofort ein Arzt oder der Notruf kontaktiert werden.
Wann zum Arzt?
Leichte Müdigkeit nach Schlafmangel ist normal und kein Grund zur Sorge. Ärztliche Hilfe ist jedoch nötig, wenn die Lethargie:
- länger als zwei Wochen anhält
- plötzlich und stark auftritt
- mit Fieber, Verwirrtheit, Schmerzen oder Bewusstseinsstörungen einhergeht
- die Alltagsaktivitäten deutlich beeinträchtigt
- bei Säuglingen oder Kleinkindern beobachtet wird
Quellen
- World Health Organization (WHO): International Classification of Diseases, 11th Revision (ICD-11). Genf, 2019. Verfügbar unter: https://icd.who.int/
- Kasper D. L. et al.: Harrison's Principles of Internal Medicine, 20. Auflage. McGraw-Hill Education, 2018.
- Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN): Leitlinien für Diagnostik und Therapie in der Neurologie. Verfügbar unter: https://www.dgn.org/leitlinien