Wissenswertes über "Mastektomie"
Die Mastektomie ist die operative Entfernung einer oder beider Brüste. Sie wird vor allem bei Brustkrebs eingesetzt und kann die Heilungschancen deutlich verbessern.
Was ist eine Mastektomie?
Die Mastektomie bezeichnet die chirurgische Entfernung der weiblichen oder männlichen Brust. Sie gehört zu den wichtigsten operativen Behandlungsmöglichkeiten bei Brustkrebs (Mammakarzinom) und kann je nach Befund eine oder beide Brüste betreffen. Es gibt verschiedene Arten der Mastektomie, die sich in Umfang und Technik unterscheiden.
Arten der Mastektomie
- Einfache (totale) Mastektomie: Entfernung des gesamten Brustdrüsengewebes einschließlich der Brustwarze, ohne die axillären Lymphknoten oder Brustmuskel zu entfernen.
- Modifizierte radikale Mastektomie: Entfernung des Brustdrüsengewebes sowie der axillären Lymphknoten, der Brustmuskel bleibt erhalten.
- Radikale Mastektomie (Halsted): Entfernung der gesamten Brust, der Brustmuskeln und der Lymphknoten der Achselhöhle. Wird heute nur noch selten durchgeführt.
- Hauterhaltende Mastektomie (Skin-sparing): Das Brustdrüsengewebe wird entfernt, die Brustwarze und die Brustwarzenröle bleiben jedoch erhalten, um einen sofortigen Wiederaufbau zu erleichtern.
- Brustwarzenerhaltende Mastektomie (Nipple-sparing): Erhalt der Brustwarze und des umgebenden Gewebes bei geeigneten Patientinnen.
- Prophylaktische (präventive) Mastektomie: Vorsorgeeingriff bei Patientinnen mit stark erhöhtem genetischen Risiko (z. B. BRCA1/BRCA2-Mutation).
Wann wird eine Mastektomie durchgeführt?
Eine Mastektomie wird empfohlen, wenn:
- der Tumor zu groß oder für eine brusterhaltende Operation (Lumpektomie) nicht geeignet ist,
- mehrere Tumorherde in der Brust vorhanden sind (multifokales oder multizentrisches Karzinom),
- eine Bestrahlung nach brusterhaltender Therapie nicht möglich oder nicht erwünscht ist,
- ein Rückfall (Rezidiv) nach vorheriger Bestrahlung aufgetreten ist,
- ein sehr hohes genetisches Risiko besteht (prophylaktisch).
Vorbereitung und Durchführung
Vor der Operation erfolgen eine ausführliche ärztliche Aufklärung, bildgebende Untersuchungen (z. B. Mammographie, MRT) sowie gegebenenfalls eine Biopsie zur Sicherung der Diagnose. Der Eingriff wird unter Vollnarkose durchgeführt und dauert je nach Art der Mastektomie zwischen ein und vier Stunden. Häufig wird gleichzeitig ein Wächterlymphknoten (Sentinel-Lymphknoten) entnommen und untersucht.
Brustrekonstruktion
Nach einer Mastektomie besteht die Möglichkeit zur Brustrekonstruktion. Diese kann entweder sofort (während derselben Operation) oder zu einem späteren Zeitpunkt erfolgen. Methoden umfassen:
- Silikonimplantat oder Kochsalzimplantat
- Eigengewebsrekonstruktion (z. B. TRAM-Lappen, DIEP-Lappen)
- Kombination aus Implantat und Eigengewebe
Risiken und Nebenwirkungen
Wie jede Operation birgt die Mastektomie Risiken:
- Infektionen und Wundheilungsstörungen
- Lymphödem (Schwellung durch gestörten Lymphabfluss nach Entfernung von Lymphknoten)
- Narbenbildung und verändertes Körpergefühl
- Taubheitsgefühl oder Schmerzen im Operationsgebiet
- Psychische Belastung und verändertes Körperbild
Nachsorge und Rehabilitation
Nach der Mastektomie sind regelmäßige Nachsorgeuntersuchungen essenziell. Dazu zählen körperliche Untersuchungen, bildgebende Kontrollen sowie gegebenenfalls Physiotherapie zur Rückkehr der vollen Beweglichkeit des Arms. Psychoonkologische Unterstützung und Selbsthilfegruppen können den Heilungsprozess positiv beeinflussen. Bei östrogen- oder progesteronrezeptorpositivem Brustkrebs wird häufig eine langjährige antihormonelle Therapie angeschlossen.
Quellen
- Leitlinienprogramm Onkologie (Deutsche Krebsgesellschaft, AWMF): S3-Leitlinie Früherkennung, Diagnose, Therapie und Nachsorge des Mammakarzinoms (2021). Verfügbar unter: https://www.leitlinienprogramm-onkologie.de
- World Health Organization (WHO): Breast Cancer Fact Sheet (2023). Verfügbar unter: https://www.who.int/news-room/fact-sheets/detail/breast-cancer
- Harbeck N., Penault-Llorca F., Cortes J. et al.: Breast cancer. Nature Reviews Disease Primers, 5(1):66 (2019). DOI: 10.1038/s41572-019-0111-2