Wissenswertes über "Metabolische Steatohepatitis"
Die metabolische Steatohepatitis (MASH) ist eine entzündliche Lebererkrankung mit Fetteinlagerung und Zellschäden, die zu Leberzirrhose führen kann.
Was ist die metabolische Steatohepatitis?
Die metabolische Steatohepatitis (kurz: MASH, früher auch als nichtalkoholische Steatohepatitis NASH bezeichnet) ist eine fortgeschrittene Form der metabolisch assoziierten Fettlebererkrankung (MASLD). Sie ist durch eine übermäßige Fetteinlagerung in der Leber (Steatose), eine begleitende Entzündung des Lebergewebes sowie Schädigungen der Leberzellen (Hepatozytensschäden) gekennzeichnet. Im Gegensatz zur einfachen Fettleber kann die MASH ohne Behandlung zu einer fortschreitenden Vernarbung des Lebergewebes (Fibrose), einer Leberzirrhose und im schlimmsten Fall zu einem hepatozellulären Karzinom (Leberkrebs) führen.
Ursachen und Risikofaktoren
Die metabolische Steatohepatitis entsteht im Zusammenhang mit metabolischen Störungen. Zu den wichtigsten Risikofaktoren gehören:
- Übergewicht und Adipositas, insbesondere viszerales Bauchfett
- Typ-2-Diabetes mellitus und Insulinresistenz
- Metabolisches Syndrom (Kombination aus Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörung, erhöhtem Blutzucker und Bauchfettleibigkeit)
- Erhöhte Blutfettwerte (Dyslipidämie), insbesondere hohe Triglyzeridwerte
- Ernährungsgewohnheiten mit hohem Zucker- und Fettanteil
- Körperliche Inaktivität
- Genetische Veranlagung (z. B. Varianten im PNPLA3-Gen)
Die genauen molekularen Mechanismen sind komplex. Es wird ein sogenanntes Multiple-Hit-Modell diskutiert, bei dem Insulinresistenz, oxidativer Stress, Darmflora-Veränderungen und genetische Faktoren zusammenwirken und zu Entzündung sowie Zelluntergang in der Leber führen.
Symptome
Die metabolische Steatohepatitis verläuft oft über Jahre hinweg ohne deutliche Beschwerden. Wenn Symptome auftreten, können diese sein:
- Müdigkeit und allgemeines Unwohlsein
- Dumpfes Druckgefühl oder Schmerzen im rechten Oberbauch
- Leistungsabfall und Konzentrationsprobleme
- Im fortgeschrittenen Stadium: Gelbsucht (Ikterus), Wassereinlagerungen im Bauch (Aszites), Blutungsneigung und Verwirrtheit (hepatische Enzephalopathie)
Diagnose
Die Diagnose der MASH erfordert mehrere Untersuchungsschritte:
- Blutuntersuchungen: Leberwerte (ALT, AST, GGT), Blutfette, Blutzucker und Insulinresistenz-Marker
- Bildgebende Verfahren: Ultraschall der Leber (Sonographie), Elastographie zur Messung der Lebersteifigkeit (Fibrosemessung)
- Leberbiopsie: Die sichere Diagnosestellung und Beurteilung des Entzündungsgrades sowie der Fibrose erfolgt durch eine Gewebeprobe der Leber. Sie gilt weiterhin als Goldstandard zur Unterscheidung der einfachen Steatose von der MASH.
- Nicht-invasive Biomarker: z. B. FibroScan, FIB-4-Score, NAFLD Fibrosis Score
Behandlung
Derzeit gibt es keine allgemein zugelassene medikamentöse Standardtherapie für MASH in allen Ländern, obwohl erste Medikamente (z. B. Resmetirom) in einigen Ländern bereits zugelassen wurden. Die Behandlung konzentriert sich daher hauptsächlich auf Lebensstiländerungen:
Lebensstiländerungen
- Gewichtsreduktion: Eine Gewichtsabnahme von 7–10 % des Körpergewichts kann die Leberentzündung und Fibrose deutlich verbessern.
- Ernährungsumstellung: Mediterrane Ernährung, Reduktion von Zucker (insbesondere Fruktose) und gesättigten Fettsäuren
- Regelmäßige körperliche Aktivität: Mindestens 150 Minuten moderate Bewegung pro Woche
- Alkoholverzicht oder deutliche Alkoholreduktion
Medikamentöse Therapieoptionen
- Resmetirom (Schilddrüsenhormonrezeptor-beta-Agonist): In den USA für MASH mit fortgeschrittener Fibrose zugelassen (2024)
- GLP-1-Rezeptoragonisten (z. B. Semaglutid): Zeigen in Studien positive Effekte auf Leberentzündung und Fibrose
- Behandlung begleitender Erkrankungen: Blutzucker-, Blutfett- und Blutdruckeinstellung
Endoskopische und chirurgische Optionen
- Bariatrische Chirurgie kann bei schwerer Adipositas die Leberwerte und den Fibrosestatus signifikant verbessern.
- Im Endstadium (Leberzirrhose) kann eine Lebertransplantation notwendig werden.
Prognose
Die Prognose hängt wesentlich vom Ausmaß der Fibrose zum Zeitpunkt der Diagnose ab. Frühzeitige Lebensstiländerungen können den Krankheitsverlauf deutlich verlangsamen oder sogar umkehren. Bei bereits bestehender Zirrhose ist das Risiko für Leberversagen und Leberkrebs erhöht, weshalb regelmäßige Verlaufskontrollen essenziell sind.
Quellen
- Rinella ME et al. - A multisociety Delphi consensus statement on new fatty liver disease nomenclature. Hepatology. 2023;78(6):1966-1986.
- European Association for the Study of the Liver (EASL) - EASL Clinical Practice Guidelines on non-invasive tests for evaluation of liver disease severity and prognosis. Journal of Hepatology. 2021;75(3):659-689.
- Sanyal AJ et al. - A phase 2 randomized trial of semaglutide in nonalcoholic steatohepatitis. New England Journal of Medicine. 2021;384:1113-1124.