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Milchproteine können das Immunsystem beeinflussen – sowohl fördernd als auch auslösend bei Unverträglichkeiten. Erfahren Sie mehr über ihre Rolle in der Immunabwehr.
Milchproteine können das Immunsystem beeinflussen – sowohl fördernd als auch auslösend bei Unverträglichkeiten. Erfahren Sie mehr über ihre Rolle in der Immunabwehr.
Milch enthält eine Vielzahl von Proteinen, die für den menschlichen Organismus ernährungsphysiologisch und immunologisch bedeutsam sind. Die wichtigsten Milchproteine sind Kaseine (ca. 80 % des Gesamtproteingehalts in Kuhmilch) und Molkenproteine wie Lactalbumin und Lactoglobulin (ca. 20 %). Darüber hinaus enthält Muttermilch spezifische immunaktive Proteine wie Immunglobulin A (IgA), Lactoferrin und Lysozym, die eine besondere Rolle für das kindliche Immunsystem spielen.
Milchproteine können auf unterschiedliche Weise mit dem menschlichen Immunsystem interagieren. Grundsätzlich unterscheidet man zwischen immunstimulierenden und immunmodulierenden Effekten einerseits sowie immunreaktiven (allergischen oder entzündlichen) Reaktionen andererseits.
Bestimmte Proteine in der Muttermilch haben direkte Schutzfunktionen für das Immunsystem des Neugeborenen:
Beim Verdau von Milchproteinen entstehen bioaktive Peptide, also kurze Aminosäureketten, die physiologische Wirkungen entfalten können. Einige dieser Peptide, wie die sogenannten Casomorphine oder beta-Casein-Peptide, zeigen in Studien immunmodulierende Eigenschaften. Sie können die Aktivität von T-Lymphozyten und natürlichen Killerzellen beeinflussen und entzündliche Prozesse modulieren.
Bei manchen Menschen – insbesondere bei Säuglingen und Kleinkindern – lösen Milchproteine eine Immunreaktion aus, die als Kuhmilchprotein-Allergie (KMPA) bezeichnet wird. Dies ist die häufigste Nahrungsmittelallergie im Säuglingsalter und betrifft etwa 2–5 % der Kinder.
Bei der klassischen IgE-vermittelten Allergie erkennt das Immunsystem bestimmte Milchproteine – häufig Kasein oder beta-Lactoglobulin – fälschlicherweise als gefährlich. Es bildet daraufhin spezifische Immunglobulin-E-Antikörper (IgE). Bei erneutem Kontakt mit dem Allergen kommt es zur Freisetzung von Histamin und anderen Entzündungsmediatoren, was typische allergische Symptome auslöst. Daneben gibt es auch nicht-IgE-vermittelte und gemischte Reaktionen, bei denen zellvermittelte Immunmechanismen eine Rolle spielen.
Die Diagnose einer Kuhmilchprotein-Allergie erfolgt durch eine Kombination aus Anamnese (Krankengeschichte), Haut-Prick-Test, Bestimmung von spezifischen IgE-Antikörpern im Blut sowie einem kontrollierten oralen Provokationstest (Eliminationsdiät mit anschließender Wiedereinführung des Allergens unter ärztlicher Aufsicht).
Die Hauptbehandlung besteht in der konsequenten Meidung von Kuhmilchproteinen. Bei Säuglingen, die nicht gestillt werden können, kommen extensiv hydrolysierte Spezialnahrungen oder Aminosäure-basierte Formulanahrungen zum Einsatz. Viele Kinder entwickeln bis zum Schulalter eine Toleranz gegenüber Kuhmilchproteinen. Eine orale Immuntherapie (OIT) befindet sich in klinischer Erprobung und zeigt vielversprechende Ergebnisse zur Desensibilisierung.
Das Immunsystem entwickelt unter normalen Umständen eine orale Toleranz gegenüber Nahrungsproteinen, einschließlich Milchproteinen. Dieser Prozess wird durch regulatorische T-Zellen (Treg-Zellen) vermittelt und beginnt bereits in der frühen Kindheit. Faktoren wie Stillen, Darmflora (Mikrobiom) und Expositionszeitpunkt beeinflussen die Toleranzentwicklung erheblich. Eine frühzeitige Exposition gegenüber Milchproteinen kann das Risiko einer späteren Allergie unter bestimmten Bedingungen verringern.