Wissenswertes über "Osteoporose beim Mann"
Osteoporose beim Mann ist eine häufig unterschätzte Erkrankung, bei der die Knochendichte abnimmt und das Bruchrisiko steigt. Erfahren Sie mehr über Ursachen, Symptome und Behandlung.
Was ist Osteoporose beim Mann?
Osteoporose ist eine Stoffwechselerkrankung des Knochens, bei der die Knochenmasse abnimmt und die Knochenstruktur sich verändert, sodass die Knochen bruchgefährdeter werden. Obwohl Osteoporose häufig als typische Frauenkrankheit gilt, sind schätzungsweise 20–25 % aller Osteoporose-Betroffenen Männer. In Deutschland leiden rund 800.000 Männer an dieser Erkrankung. Aufgrund des späteren Auftretens und der geringeren öffentlichen Aufmerksamkeit wird Osteoporose beim Mann oft spät erkannt und behandelt.
Ursachen
Bei Männern unterscheidet man zwischen primärer und sekundärer Osteoporose.
Primäre Osteoporose
Die primäre Form entsteht durch den natürlichen Alterungsprozess. Mit zunehmendem Alter sinkt der Testosteronspiegel – ein Prozess, der als Andropause bezeichnet wird. Testosteron ist entscheidend für den Knochenaufbau und den Erhalt der Knochendichte. Ein Abfall dieses Hormons führt langfristig zu Knochenschwund.
Sekundäre Osteoporose
Bei Männern ist die sekundäre Osteoporose noch häufiger als bei Frauen. Sie entsteht durch Grunderkrankungen oder äußere Faktoren:
- Hypogonadismus: niedriger Testosteronspiegel infolge einer Hodenunterfunktion
- Kortikosteroid-Therapie: langfristige Einnahme von Kortison (z. B. bei Rheuma oder Asthma)
- Alkoholmissbrauch: hemmt den Knochenaufbau und fördert den Knochenabbau
- Chronische Leber- oder Nierenerkrankungen
- Malabsorptionssyndrome (z. B. Zöliakie, Morbus Crohn)
- Hyperparathyreoidismus: Überfunktion der Nebenschilddrüse
- Prostatakarzinom-Therapie: Androgenentzug zur Krebsbehandlung ist ein bedeutender Risikofaktor
- Immobilisation: fehlende Belastung der Knochen durch mangelnde Bewegung
- Nikotin: beeinflusst den Hormonstoffwechsel negativ
Symptome
Osteoporose beim Mann verläuft häufig lange Zeit symptomlos. Erste Anzeichen können sein:
- Rückenschmerzen, besonders im Bereich der Wirbelsäule
- Körpergrößenabnahme durch Wirbeleinbrüche
- Veränderter Gang oder Haltung (Rundrücken)
- Knochenbruch nach geringfügigem Trauma oder spontan – typischerweise an Wirbelkörpern, Hüfte und Handgelenk
Besonders gefürchtet ist der Hüftbruch (proximale Femurfraktur), der bei Männern mit einer höheren Sterblichkeit verbunden ist als bei Frauen.
Diagnose
Die Diagnose erfolgt in mehreren Schritten:
- Anamnese: Erfassung von Risikofaktoren, Vorerkrankungen und Medikamenten
- Knochendichtemessung (DXA): Die Dual-Energie-Röntgen-Absorptiometrie ist der Goldstandard zur Messung der Knochendichte. Ein T-Score von −2,5 oder darunter bestätigt die Diagnose Osteoporose.
- Laboruntersuchungen: Bestimmung von Kalzium, Vitamin D, Testosteron, Parathormon und weiteren Werten
- Frakturrisiko-Assessment: z. B. mit dem validierten FRAX-Score
- Röntgenaufnahme: zur Beurteilung vorhandener Wirbelkörperfrakturen
Behandlung
Allgemeine Maßnahmen
- Ausreichende Kalziumzufuhr (1.000–1.200 mg/Tag über Ernährung und bei Bedarf Ergänzung)
- Ausreichende Vitamin-D-Versorgung (800–1.000 IE/Tag, ggf. höher nach ärztlicher Verordnung)
- Regelmäßige körperliche Aktivität, insbesondere Kraft- und Gleichgewichtstraining
- Sturzvermeidung: Sturzprophylaxe durch Physiotherapie und Anpassung des Wohnumfelds
- Verzicht auf Alkohol und Nikotin
Medikamentöse Therapie
- Bisphosphonate (z. B. Alendronsäure, Zoledrondsäure): hemmen den Knochenabbau und sind Mittel der ersten Wahl
- Denosumab: ein Antikörper, der den Knochenabbau reduziert; besonders bei Prostatakarzinom-Patienten unter Androgenentzug eingesetzt
- Testosteron-Substitution: bei nachgewiesenem Hypogonadismus zur Wiederherstellung des Hormonspiegels
- Teriparatid: ein Parathormon-Analogon, das den Knochenaufbau fördert; eingesetzt bei schwerer Osteoporose
- Romosozumab: ein neuerer Antikörper, der gleichzeitig Knochenaufbau fördert und Knochenabbau hemmt
Prognose und Vorbeugung
Mit frühzeitiger Diagnose und konsequenter Behandlung lässt sich das Fortschreiten der Osteoporose beim Mann gut kontrollieren. Eine knochengesunde Lebensweise ab dem mittleren Lebensalter – mit ausreichend Kalzium, Vitamin D, regelmäßiger Bewegung und dem Verzicht auf Rauchen und übermäßigen Alkoholkonsum – ist die wichtigste präventive Maßnahme.
Quellen
- Dachverband Osteologie (DVO): S3-Leitlinie Osteoporose, 2023. Verfügbar unter: https://www.dv-osteologie.org
- Khosla S, Amin S, Orwoll E. Osteoporosis in Men. Endocrine Reviews, 2008;29(4):441–464. PubMed PMID: 18451258.
- World Health Organization (WHO): Assessment of fracture risk and its application to screening for postmenopausal osteoporosis. Technical Report Series 843. Geneva: WHO, 1994.