Wissenswertes über "Palmöl in Babynahrung"
Palmöl in Babynahrung wird als Fettzusatz eingesetzt, um die Fettzusammensetzung der Muttermilch nachzuahmen. Die Verwendung ist umstritten und wird wissenschaftlich intensiv diskutiert.
Was ist Palmöl in Babynahrung?
Palmöl wird in vielen industriell hergestellten Säuglingsanfangsnahrungen und Folgenahrungen als Fettquelle eingesetzt. Ziel ist es, die Fettzusammensetzung der Muttermilch möglichst genau nachzuahmen, da Muttermilch einen hohen Anteil an Palmitinsäure (eine gesättigte Fettsäure) enthält. Palmöl ist reich an Palmitinsäure und erscheint daher auf den ersten Blick als geeignete Quelle für Säuglingsnahrung.
Warum wird Palmöl in Babynahrung verwendet?
Die wichtigsten Gründe für den Einsatz von Palmöl in Babynahrung sind:
- Hoher Palmitinsäuregehalt: Muttermilch enthält etwa 20–25 % Palmitinsäure am Gesamtfettgehalt. Palmöl liefert vergleichbare Mengen dieser Fettsäure.
- Geschmacksneutralität: Palmöl hat einen milden Geschmack und beeinflusst das Aroma der Babynahrung kaum.
- Technologische Eigenschaften: Palmöl ist hitzebeständig und gut verarbeitbar, was es für die industrielle Herstellung attraktiv macht.
- Kosten: Palmöl gehört zu den günstigsten pflanzlichen Ölen auf dem Weltmarkt.
Wissenschaftliche Diskussion und Bedenken
Trotz der ähnlichen Fettzusammensetzung gibt es wichtige Unterschiede zwischen dem Palmitinsäureanteil in Palmöl und dem in Muttermilch. Der entscheidende Faktor ist die sogenannte sn-2-Position der Palmitinsäure im Fettmolekül (Triglycerid):
- In der Muttermilch befindet sich Palmitinsäure bevorzugt an der sn-2-Position des Triglycerids. Diese Anordnung ermöglicht eine optimale Aufnahme im Darm des Säuglings.
- In Palmöl hingegen ist Palmitinsäure hauptsächlich an den Positionen sn-1 und sn-3 gebunden. Beim Verdauungsprozess entstehen dabei freie Palmitinsäuren, die im Darm mit Kalzium schwer lösliche Seifen bilden können.
Diese Kalziumseifen können folgende Auswirkungen haben:
- Reduzierte Kalziumaufnahme: Die Bildung von Kalziumseifen verringert die Bioverfügbarkeit von Kalzium, was für die Knochenmineralisierung des Säuglings relevant ist.
- Härterer Stuhlgang: Studien zeigen, dass Säuglinge, die Nahrung mit herkömmlichem Palmöl erhalten, häufiger unter hartem Stuhlgang und Verstopfung leiden.
- Veränderte Darmflora: Die veränderte Fettverdauung kann die Entwicklung des Darmmikrobioms beeinflussen.
Palmöl mit sn-2-Palmitat: Eine Lösung?
Als Reaktion auf diese Bedenken haben einige Hersteller begonnen, speziell verarbeitetes Palmöl einzusetzen, bei dem die Palmitinsäure enzymatisch an die sn-2-Position umgelagert wurde. Dieses Produkt wird als sn-2-Palmitat oder OPO-Fett (Olein-Palmitat-Olein) bezeichnet. Studien zeigen, dass sn-2-Palmitat:
- die Kalziumaufnahme verbessert,
- den Stuhlgang des Säuglings weicher macht,
- und die Fettaufnahme insgesamt optimiert.
Allerdings ist sn-2-Palmitat in der Herstellung deutlich teurer als herkömmliches Palmöl, weshalb es nicht in allen Produkten eingesetzt wird.
Empfehlungen für Eltern
Ernährungsexperten und Kinderärzte betonen, dass Muttermilch die beste Ernährung für Säuglinge ist und nach Möglichkeit bevorzugt werden sollte. Falls Muttermilch nicht verfügbar ist oder nicht gestillt werden kann, empfehlen Fachleute:
- Säuglingsnahrung mit sn-2-Palmitat zu bevorzugen, sofern das Budget es erlaubt.
- Die Zutatenliste der Babynahrung sorgfältig zu lesen.
- Bei Fragen zur Ernährung des Säuglings einen Kinder- und Jugendarzt oder eine Stillberaterin hinzuzuziehen.
Regulatorischer Rahmen
Die Verwendung von Palmöl in Säuglingsnahrung ist in der Europäischen Union durch die Delegierte Verordnung (EU) 2016/127 geregelt. Diese legt fest, welche Fette und Öle in Anfangs- und Folgenahrung eingesetzt werden dürfen und definiert Mindestvorgaben für den Palmitinsäuregehalt und dessen Position im Triglycerid.
Quellen
- European Commission - Delegierte Verordnung (EU) 2016/127 der Kommission vom 25. September 2015 zur Ergänzung der Verordnung (EU) Nr. 609/2013 des Europäischen Parlaments und des Rates im Hinblick auf die besonderen Zusammensetzungsanforderungen an Säuglingsanfangsnahrung und Folgenahrung. Amtsblatt der EU, 2016.
- Havlicekova Z, Jesenak M, Banovcin P, Kuchta M - Beta-palmitate - a natural component of human milk in supplemental milk formulas. Nutrition Journal, 2016;15:1.
- Koletzko B et al. - Global Standard for the Composition of Infant Formula: Recommendations of an ESPGHAN Coordinated International Expert Group. Journal of Pediatric Gastroenterology and Nutrition, 2005;41(5):584–599.