Wissenswertes über "Plasmodium ovale"
Plasmodium ovale ist ein Malaria-Erreger, der durch Anopheles-Mücken übertragen wird und eine milde Malaria-tertiana-Form verursacht. Er kann im Körper jahrelang schlummern.
Was ist Plasmodium ovale?
Plasmodium ovale ist ein einzelliger Parasit aus der Gattung Plasmodium und gehört zu den fünf Erregern, die beim Menschen Malaria verursachen können. Er wird durch den Stich infizierter weiblicher Anopheles-Mücken übertragen. P. ovale lässt sich in zwei genetisch unterschiedliche Unterarten unterteilen: Plasmodium ovale curtisi und Plasmodium ovale wallikeri. Die durch diesen Erreger ausgelöste Erkrankung wird als Malaria tertiana bezeichnet und verläuft in der Regel milder als die durch Plasmodium falciparum verursachte Malaria tropica.
Verbreitung
Plasmodium ovale ist vorwiegend in Subsahara-Afrika verbreitet, kommt jedoch auch in Teilen Südostasiens, im westlichen Pazifik und vereinzelt in Südamerika vor. Reisende in diese Regionen sind einem erhöhten Infektionsrisiko ausgesetzt, insbesondere wenn keine geeignete Malariaprophylaxe durchgeführt wird.
Lebenszyklus und Wirkmechanismus
Der Lebenszyklus von P. ovale verläuft in zwei Hauptphasen:
- Leberzyklus (exoerythrozytäre Phase): Nach dem Mückenstich gelangen sogenannte Sporozoiten in die Blutbahn und wandern in die Leberzellen. Dort entwickeln sie sich zu Schizonten, die später Merozoiten freisetzen. Ein besonderes Merkmal von P. ovale ist die Fähigkeit, Hypnozoiten zu bilden – ruhende Stadien in der Leber, die Monate bis Jahre inaktiv bleiben können und später Rückfälle (Rezidive) auslösen.
- Blutzyklus (erythrozytäre Phase): Die Merozoiten befallen rote Blutkörperchen (Erythrozyten), vermehren sich darin und zerstören diese nach etwa 48 Stunden, was zum charakteristischen Fieberrhythmus im Dreitagesrhythmus führt.
Symptome
Die Symptome einer P.-ovale-Infektion ähneln denen anderer Malaria-Formen und treten typischerweise 10 bis 17 Tage nach dem Stich auf:
- Anfallsartiges Fieber mit Schüttelfrost im 48-Stunden-Rhythmus
- Starkes Schweißen nach dem Fieberanfall
- Kopfschmerzen und Muskelschmerzen
- Müdigkeit und allgemeines Krankheitsgefühl
- Übelkeit und Erbrechen
- Leichte Vergrößerung von Leber und Milz (Hepatosplenomegalie)
Im Gegensatz zu P. falciparum führt P. ovale selten zu schweren Komplikationen. Durch die Bildung von Hypnozoiten können Rezidive jedoch noch Monate oder sogar Jahre nach der Erstinfektion auftreten.
Diagnose
Die Diagnose erfolgt durch mehrere Methoden:
- Lichtmikroskopie des dicken Tropfens und Blutausstriches: Goldstandard zur Identifikation des Parasiten. Infizierte Erythrozyten erscheinen vergrößert und zeigen oft eine charakteristisch ovale oder gezackte Form sowie das sogenannte James-Stippling (feinste Einschlüsse im Erythrozyten).
- Schnelltests (Rapid Diagnostic Tests, RDTs): Einfache Antigen-Nachweistests, die jedoch im Vergleich zur Mikroskopie eine geringere Sensitivität für P. ovale aufweisen können.
- Polymerasekettenreaktion (PCR): Hochsensitive molekulare Methode zur Speziesidentifikation und Unterscheidung der beiden Unterarten curtisi und wallikeri.
Behandlung
Die Behandlung einer P.-ovale-Infektion umfasst zwei Komponenten:
- Chloroquin: Mittel der Wahl zur Behandlung der Blutphase. P. ovale ist in der Regel noch empfindlich gegenüber Chloroquin, anders als P. falciparum.
- Primaquin: Wird zusätzlich eingesetzt, um die Hypnozoiten in der Leber abzutöten und so Rezidive zu verhindern. Vor der Gabe muss ein G6PD-Mangel (Glucose-6-Phosphat-Dehydrogenase-Mangel) ausgeschlossen werden, da es sonst zu einer hämolytischen Anämie kommen kann.
Alternativ zu Primaquin kann bei G6PD-Mangel Tafenoquin (in bestimmten Ländern zugelassen) oder ein angepasstes Primaquin-Schema eingesetzt werden.
Vorbeugung
Die Prophylaxe gegen P. ovale und andere Malaria-Erreger umfasst:
- Einnahme von Malaria-Prophylaxemedikamenten (z. B. Atovaquon/Proguanil, Mefloquin oder Doxycyclin) entsprechend der Empfehlung des Reisemediziners
- Verwendung von Insektenschutzmitteln (Repellentien) mit dem Wirkstoff DEET oder Icaridin
- Tragen langer, bedeckender Kleidung in der Dämmerung und nachts
- Schlafen unter imprägniertem Moskitonetz
Quellen
- World Health Organization (WHO): World Malaria Report 2023. Genf: WHO Press, 2023.
- Sutherland CJ et al.: Two nonrecombining sympatric forms of the human malaria parasite Plasmodium ovale occur globally. Journal of Infectious Diseases, 2010; 201(10): 1544-1550.
- Robert Koch-Institut (RKI): Malaria – RKI-Ratgeber. Berlin: RKI, 2022. Verfügbar unter: https://www.rki.de