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Die Polyphenolkinetik beschreibt, wie pflanzliche Polyphenole im menschlichen Körper aufgenommen, verteilt, verstoffwechselt und ausgeschieden werden.
Die Polyphenolkinetik beschreibt, wie pflanzliche Polyphenole im menschlichen Körper aufgenommen, verteilt, verstoffwechselt und ausgeschieden werden.
Die Polyphenolkinetik ist ein Teilgebiet der Pharmakokinetik und beschäftigt sich mit dem Schicksal von Polyphenolen im menschlichen Organismus. Polyphenole sind eine grosse Gruppe sekundärer Pflanzenstoffe, die in Obst, Gemüse, Tee, Kaffee, Rotwein und Vollkornprodukten vorkommen. Die Kinetik umfasst alle Prozesse von der Aufnahme über die Verteilung im Körper bis hin zum Abbau und zur Ausscheidung – zusammengefasst unter dem Akronym ADME (Absorption, Distribution, Metabolismus, Exkretion).
Die Absorption von Polyphenolen beginnt bereits im Mundraum und Magen, verläuft jedoch hauptsächlich im Dünn- und Dickdarm. Die Bioverfügbarkeit variiert je nach chemischer Struktur erheblich:
Faktoren wie Lebensmittelmatrix, Fettzufuhr, pH-Wert im Darm und individuelle Darmmikrobiota beeinflussen die Absorption massgeblich.
Nach der Absorption gelangen Polyphenole und ihre Metaboliten über die Pfortader in die Leber, wo ein erster Leberpassage-Effekt (First-Pass-Metabolismus) stattfindet. Anschliessend werden sie über den Blutkreislauf in verschiedene Gewebe verteilt. Die Verteilung ist abhängig von:
Einige Polyphenolmetaboliten wie Urolithin A (aus Ellagtanninen) oder Equol (aus Isoflavonen) zeigen interessante Gewebeverteilungen und wurden in Studien in Darmschleimhaut, Prostatagewebe und Brustgewebe nachgewiesen.
Der Stoffwechsel von Polyphenolen findet auf zwei Ebenen statt:
In der Leber werden Polyphenole durch Phase-I-Enzyme (v. a. Cytochrom-P450-Enzyme) und Phase-II-Enzyme (Glucuronosyltransferasen, Sulfotransferasen, Methyltransferasen) biotransformiert. Dabei entstehen konjugierte Metaboliten wie Glucuronide, Sulfate und Methylether, die in der Regel wasserlöslicher und damit leichter ausscheidbar sind.
Ein grosser Teil der Polyphenole, insbesondere hochmolekulare Verbindungen wie Tannine und Proanthocyanidine, erreicht den Dickdarm unverstoffwechselt und wird dort durch die Darmmikrobiota abgebaut. Dabei entstehen bioaktive Phenolsäuren und andere Metaboliten (z. B. Urolithine, Equol, Enterolactone), die zum Teil stärker biologisch aktiv sind als die Ausgangsverbindungen. Die individuelle Zusammensetzung der Darmflora erklärt die grosse interindividuelle Variabilität in der Wirkung von Polyphenolen.
Polyphenolmetaboliten werden vorwiegend über zwei Wege ausgeschieden:
Die Bioverfügbarkeit von Polyphenolen ist im Allgemeinen gering und variiert stark zwischen den Verbindungsklassen. Wichtige Einflussfaktoren sind:
Das Verständnis der Polyphenolkinetik ist entscheidend für die Bewertung gesundheitlicher Wirkungen polyphenolreicher Lebensmittel und Nahrungsergänzungsmittel. Nur Verbindungen, die tatsächlich in ausreichender Konzentration an Zielgeweben ankommen, können biologische Wirkungen entfalten. Pharmakokinetische Studien helfen dabei, wirksame Dosierungen, optimale Einnahmezeitpunkte und mögliche Wechselwirkungen mit Arzneimitteln (z. B. Hemmung von CYP-Enzymen durch bestimmte Polyphenole) zu identifizieren.
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