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Das Postaggressionssyndrom beschreibt die systemische Stressreaktion des Körpers nach schweren Verletzungen, Operationen oder Infektionen. Es umfasst Stoffwechsel- und Organveränderungen, die die Genesung beeinflussen.
Das Postaggressionssyndrom beschreibt die systemische Stressreaktion des Körpers nach schweren Verletzungen, Operationen oder Infektionen. Es umfasst Stoffwechsel- und Organveränderungen, die die Genesung beeinflussen.
Das Postaggressionssyndrom (PAS) bezeichnet die komplexe, systemische Reaktion des menschlichen Organismus auf starke körperliche Belastungen wie schwere Verletzungen (Trauma), ausgedehnte operative Eingriffe, schwere Infektionen (Sepsis) oder Verbrennungen. Der Begriff leitet sich vom lateinischen Wort aggressio (Angriff) ab und beschreibt bildlich den Angriff auf den Körper durch diese auslösenden Ereignisse. Die Reaktion ist eine phylogenetisch alte Überlebensstrategie des Organismus, die jedoch in ihrer überschießenden Form zu ernsthaften Komplikationen führen kann.
Das Postaggressionssyndrom wird durch eine Vielzahl schwerer körperlicher Noxen ausgelöst. Zu den häufigsten Auslösern zählen:
Der gemeinsame Nenner all dieser Auslöser ist eine massive Aktivierung des Neuroendokriniums sowie des Immun- und Gerinnungssystems.
Das Postaggressionssyndrom verläuft in charakteristischen Phasen, die sich in Stoffwechsel- und Organfunktionsänderungen widerspiegeln:
In den ersten Stunden nach dem auslösenden Ereignis kommt es zur sogenannten Ebb-Phase. Der Körper reagiert mit einem Abfall des Herzminutenvolumens, einem reduzierten Energieverbrauch und einer Zentralisierung des Kreislaufs. Die Körpertemperatur sinkt, der Stoffwechsel wird gedrosselt, um lebenswichtige Organe zu schützen.
Nach der initialen Schockphase folgt die Flow-Phase, die durch einen stark erhöhten Stoffwechsel (Hypermetabolismus) gekennzeichnet ist. In dieser Phase kommt es zu:
Wenn das auslösende Ereignis erfolgreich behandelt wird und keine Komplikationen auftreten, folgt die anabole Erholungsphase mit allmählicher Normalisierung des Stoffwechsels, Wiederaufbau von Muskelgewebe und Regeneration der Organfunktionen.
Das Postaggressionssyndrom manifestiert sich durch ein breites Spektrum klinischer Zeichen:
In schweren Fällen kann das Postaggressionssyndrom zu einem Multiorganversagen (MOV) führen, bei dem mehrere lebenswichtige Organe wie Lunge, Niere, Leber und Herz gleichzeitig in ihrer Funktion beeinträchtigt sind.
Die Diagnose des Postaggressionssyndroms basiert auf klinischen Befunden und Laborparametern. Typische diagnostische Maßnahmen umfassen:
Die Behandlung des Postaggressionssyndroms ist multidisziplinär und zielt darauf ab, die Ursache zu behandeln, die Organfunktionen zu stabilisieren und den Katabolismus zu begrenzen:
Vorrangig ist die Behandlung des auslösenden Ereignisses, z. B. chirurgische Sanierung eines Infektionsherdes, Antibiotikatherapie bei Sepsis oder operative Versorgung von Verletzungen.
Eine angepasste Ernährungstherapie ist essenziell, um den Katabolismus zu begrenzen und die Regeneration zu fördern. Leitlinien (z. B. der ESPEN) empfehlen:
Um dem Muskelschwund entgegenzuwirken, wird eine frühzeitige Mobilisation und physiotherapeutische Betreuung der Patientinnen und Patienten empfohlen.
Die Prognose des Postaggressionssyndroms hängt stark von der Schwere des auslösenden Ereignisses, dem Alter, den Vorerkrankungen und der Qualität der intensivmedizinischen Versorgung ab. Durch moderne Intensivmedizin, frühzeitige Ernährungstherapie und konsequentes Organfunktionsmonitoring konnte die Sterblichkeit in den letzten Jahrzehnten deutlich gesenkt werden. Dennoch bleibt das Multiorganversagen als schwerste Komplikation mit einer hohen Mortalität verbunden.
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