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Protopathisch bezeichnet eine primitive, undifferenzierte Form der Schmerzwahrnehmung, die grobe Reize wie Schmerz, Hitze und Kälte erkennt, aber keine genaue Lokalisation ermöglicht.
Protopathisch bezeichnet eine primitive, undifferenzierte Form der Schmerzwahrnehmung, die grobe Reize wie Schmerz, Hitze und Kälte erkennt, aber keine genaue Lokalisation ermöglicht.
Der Begriff protopathisch stammt aus dem Griechischen und setzt sich aus protos (= erster, ursprünglich) und pathos (= Leiden, Empfindung) zusammen. Er beschreibt eine primitive, unspezifische Form der Sinneswahrnehmung, insbesondere der Schmerzempfindung, die phylogenetisch als die ältere und ursprünglichere Empfindungsform gilt.
Das Konzept wurde maßgeblich vom britischen Neurologen Henry Head geprägt, der Anfang des 20. Jahrhunderts gemeinsam mit seinem Kollegen Gordon Holmes zwei grundlegende Arten der Hautempfindlichkeit unterschied: die protopathische und die epikritische Sensibilität.
Die Unterscheidung zwischen protopathischer und epikritischer Sensibilität ist zentral für das Verständnis des Begriffs:
Auf neuroanatomischer Ebene werden protopathische Signale vor allem über den Tractus spinothalamicus (Vorderseitenstrang des Rückenmarks) zum Gehirn weitergeleitet. Dieser Weg ist phylogenetisch älter und projiziert hauptsächlich in ältere Hirnstrukturen wie den Thalamus und das limbische System, was die emotionale Komponente des Schmerzes erklärt.
Die epikritische Sensibilität wird hingegen über die Hinterstränge des Rückenmarks (Tractus lemniscus medialis) geleitet und ist stärker in den Neokortex (Großhirnrinde) eingebunden.
Der Begriff protopathisch hat in der klinischen Neurologie und Schmerzmedizin praktische Bedeutung. Er wird verwendet, wenn:
Patienten, die ausschließlich protopathische Empfindungen haben, beschreiben ihren Schmerz häufig als brennend, dumpf oder schwer lokalisierbar. Dieser Schmerz ist oft mit einer starken emotionalen Komponente verbunden, da er über das limbische System verarbeitet wird. Er kann als besonders belastend erlebt werden, obwohl eine genaue Ortsbestimmung des Schmerzreizes nicht möglich ist.
In der modernen Schmerzforschung wird das Konzept weiterentwickelt: So unterscheidet man heute zwischen schnellem (erstem) Schmerz (vermittelt durch A-delta-Fasern, scharf und gut lokalisierbar) und langsamem (zweitem) Schmerz (vermittelt durch C-Fasern, brennend und diffus) -- wobei letzterer dem protopathischen Konzept nahesteht.
Im weiteren Sprachgebrauch wird protopathisch auch als allgemeines medizinisches Adjektiv verwendet, um Phänomene zu beschreiben, die primär, ursprünglich oder undifferenziert sind -- also nicht auf eine spezifische, fein abgestimmte Ursache zurückgeführt werden können. Davon abzugrenzen ist der Begriff deuteropathisch (= sekundär, als Folge einer anderen Erkrankung entstanden).
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