Wissenswertes über "Regenfäule"
Regenfäule ist eine durch Feuchtigkeit ausgelöste Pflanzenkrankheit, die Obst und Gemüse befällt. Pilze und Bakterien zersetzen das Gewebe bei anhaltender Nässe.
Was ist Regenfäule?
Regenfäule bezeichnet eine Gruppe von Fäulniserkrankungen bei Pflanzen, insbesondere bei Obst, Gemüse und Beeren, die durch anhaltende Feuchtigkeit, Regen und schlechte Belüftung begünstigt werden. Der Begriff beschreibt keinen einzelnen Erreger, sondern ein durch Witterungsbedingungen ausgelöstes Schadbild, bei dem verschiedene Pilze und Bakterien das Pflanzengewebe zersetzen.
Ursachen
Regenfäule entsteht durch das Zusammenwirken mehrerer Faktoren:
- Pilzliche Erreger: Häufig sind Schimmelpilze wie Botrytis cinerea (Grauschimmel), Phytophthora-Arten oder Monilinia-Arten beteiligt.
- Bakterielle Erreger: Bakterien wie Erwinia-Arten können ebenfalls Fäulnis verursachen.
- Klimatische Bedingungen: Anhaltender Regen, hohe Luftfeuchtigkeit und geringe Sonneneinstrahlung schaffen ideale Bedingungen für Fäulniserreger.
- Mechanische Schäden: Risse in der Fruchtschale durch Regen oder Hagel ermöglichen Erregern das Eindringen ins Gewebe.
- Enge Pflanzung: Schlechte Luftzirkulation zwischen den Pflanzen fördert die Ausbreitung.
Betroffene Kulturen
Regenfäule kann viele Nutzpflanzen befallen, darunter:
- Erdbeeren und Himbeeren
- Tomaten und Paprika
- Äpfel, Birnen und Kirschen
- Weintrauben
- Salat und Kohl
- Kartoffeln (Knollenfäule)
Symptome
Die typischen Anzeichen einer Regenfäule umfassen:
- Braune, matschige oder verfärbte Stellen auf Früchten oder Blättern
- Weicher, zerfallender Pflanzengewebe
- Grauer oder weißlicher Schimmelbelag (insbesondere bei Botrytis)
- Unangenehmer Fäulnisgeruch
- Schnelle Ausbreitung auf benachbarte Pflanzenteile oder Pflanzen
Diagnose
Die Diagnose erfolgt in der Regel durch visuelle Begutachtung der betroffenen Pflanzenteile. Für eine genaue Erregerbestimmung können mikrobiologische Laboruntersuchungen oder phytopathologische Analysen durchgeführt werden. In der landwirtschaftlichen Praxis wird häufig auf Erfahrungswerte und das typische Schadbild zurückgegriffen.
Behandlung und Vorbeugung
Kulturelle Maßnahmen
- Ausreichenden Pflanzabstand einhalten, um die Luftzirkulation zu verbessern
- Bewässerung morgens durchführen, damit die Pflanzen bis zum Abend abtrocknen
- Befallene Pflanzenteile sofort entfernen und fachgerecht entsorgen
- Mulch verwenden, um Erdsprühboden und Sporenflug zu reduzieren
Biologische und chemische Bekämpfung
- Biologische Mittel: Präparate auf Basis von Bacillus subtilis oder Trichoderma-Arten können vorbeugend eingesetzt werden.
- Kupferhaltige Mittel: Kupferpräparate sind im ökologischen Landbau zugelassen und wirken gegen verschiedene Pilzerreger.
- Synthetische Fungizide: Im konventionellen Anbau stehen zugelassene Fungizide zur Verfügung, die gezielt gegen spezifische Erreger wirken.
Sorten- und Standortwahl
Die Wahl resistenter oder robuster Pflanzensorten sowie ein geeigneter, gut drainierter Standort können das Auftreten von Regenfäule erheblich reduzieren.
Bedeutung für Lebensmittelsicherheit
Von Regenfäule befallene Lebensmittel sollten nicht verzehrt werden. Fäulnispilze können Mykotoxine (Pilzgifte) produzieren, die auch nach Entfernen des sichtbar befallenen Bereichs noch im Lebensmittel vorhanden sein können. Besonders bei Obst und Beeren empfiehlt es sich, stark befallene Früchte vollständig zu entsorgen.
Quellen
- Agrios, G. N. - Plant Pathology, 5th Edition. Academic Press, 2005.
- Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) - Pflanzenschutz und Schaderreger. www.bvl.bund.de (abgerufen 2024).
- EPPO Global Database - Botrytis cinerea and related pathogens. www.gd.eppo.int (abgerufen 2024).