-
DE
Wie reguliert der Körper den Säure-Basen-Haushalt? Normalwerte, Azidose und Alkalose, Blutgasanalyse – und was an der „Übersäuerung“ dran ist.
Zu bevorzugten Quellen hinzufügenDer Säure-Basen-Haushalt beschreibt das Gleichgewicht zwischen Säuren und Basen im menschlichen Körper. Er wird durch den pH-Wert des Blutes gemessen und ist essenziell für alle Körperfunktionen.
Der Säure-Basen-Haushalt sorgt dafür, dass der pH-Wert des Blutes konstant zwischen 7,35 und 7,45 bleibt, also leicht basisch. Dafür arbeiten Puffersysteme im Blut, die Lunge und die Nieren zusammen. Schon kleine Abweichungen können gefährlich werden, weil fast alle Enzyme und Stoffwechselvorgänge im Körper auf einen stabilen pH-Wert angewiesen sind. Ein zu niedriger pH-Wert heißt Azidose, ein zu hoher Alkalose.
Gerät ein System aus dem Gleichgewicht, versuchen die anderen gegenzusteuern. Diese Kompensation erklärt zum Beispiel, warum Menschen mit einer metabolischen Azidose schneller und tiefer atmen.
| Wert | Normalbereich (arteriell) |
|---|---|
| pH-Wert | 7,35 bis 7,45 |
| pCO₂ (Kohlendioxid-Partialdruck) | 35 bis 45 mmHg |
| HCO₃⁻ (Bikarbonat) | 22 bis 26 mmol/l |
| Base Excess (BE) | −2 bis +2 mmol/l |
Die genauen Referenzbereiche können je nach Labor leicht abweichen.
Grundlage ist die Blutgasanalyse (BGA), meist aus arteriellem Blut. Für pH-Wert und Bikarbonat reicht oft auch eine venöse Probe. Zusätzlich werden Natrium, Kalium und Chlorid bestimmt. Daraus lässt sich die Anionenlücke berechnen (Natrium minus Chlorid und Bikarbonat), die bei einer metabolischen Azidose hilft, die Ursache einzugrenzen.
Behandelt wird immer die Ursache:
Die Vorstellung einer chronischen „Übersäuerung“ des Körpers durch Fleisch, Zucker oder Kaffee ist in der Alternativmedizin weit verbreitet. Bei gesunden Menschen gleichen Lunge und Nieren die Säuren aus der Nahrung jedoch zuverlässig aus. Der pH-Wert des Blutes bleibt dabei stabil. Was sich durch die Ernährung verändert, ist vor allem der pH-Wert des Urins, weil die Nieren überschüssige Säure ausscheiden. Eine „latente Übersäuerung“ ist keine anerkannte medizinische Diagnose. Für die Behauptung, basische Ernährung oder basisches Wasser könnten Krebs vorbeugen oder heilen, gibt es keine Belege. Eine obst- und gemüsereiche Ernährung ist trotzdem gesund, nur aus anderen Gründen.
Bei gesunden Nieren nicht im Sinne eines sinkenden Blut-pH-Werts. Die Nieren scheiden überschüssige Säuren aus, deshalb verändert die Ernährung vor allem den pH-Wert des Urins. Bei Menschen mit chronischer Nierenerkrankung kann eine hohe Säurelast aus der Nahrung dagegen eine Rolle spielen.
Für gesunde Menschen gibt es keinen belegten Nutzen. Bei eingeschränkter Nierenfunktion können sie sogar schaden, etwa durch zu viel Kalium. Eine echte Azidose gehört in ärztliche Behandlung.
Bei einer kompensierten Störung gleichen Lunge oder Nieren die Abweichung so weit aus, dass der pH-Wert im Normalbereich bleibt, obwohl CO₂ oder Bikarbonat verändert sind. Bei einer metabolischen Azidose geschieht das zum Beispiel durch verstärktes Abatmen von CO₂.