Wissenswertes über "Scapula alata"
Scapula alata bezeichnet das abstehende Schulterblatt, bei dem es vom Brustkorb absteht. Ursache ist meist eine Schwäche oder Lähmung der Schulterblattmuskulatur.
Was ist Scapula alata?
Scapula alata (lateinisch für „geflügeltes Schulterblatt“) ist ein medizinischer Begriff für ein vom Brustkorb abstehendes Schulterblatt. Normalerweise liegt das Schulterblatt flach am Rücken an. Bei der Scapula alata hebt es sich ab und erinnert optisch an einen Flügel. Dies kann einseitig oder beidseitig auftreten und ist häufig mit Schmerzen sowie Bewegungseinschränkungen verbunden.
Ursachen
Die häufigste Ursache ist eine Schwäche oder Lähmung der Muskulatur, die das Schulterblatt am Brustkorb fixiert. Folgende Ursachen kommen in Betracht:
- Lähmung des Nervus thoracicus longus: Dieser Nerv versorgt den Musculus serratus anterior, der das Schulterblatt an den Brustkorb zieht. Eine Schädigung führt zur klassischen Scapula alata.
- Lähmung des Nervus accessorius: Betrifft den Musculus trapezius und führt zu einer anderen Form des Abstehens.
- Muskelerkrankungen (Myopathien): Z.B. Muskeldystrophien, bei denen die Schultermuskulatur geschwunden ist.
- Traumata und Verletzungen: Schulter- oder Rippenprellungen sowie Operationen können Nerven oder Muskeln schädigen.
- Entzündliche Erkrankungen: Neuralgische Schulteramyotrophie (Parsonage-Turner-Syndrom) kann die relevanten Nerven schädigen.
- Haltungsbedingte Ursachen: Muskuleläre Dysbalancen durch Fehlhaltung können in leichteren Fällen zu einem funktionellen Abstehen führen.
Symptome
Das Leitsymptom der Scapula alata ist das sichtbare Abstehen des Schulterblattes vom Rücken. Weitere Symptome können sein:
- Schmerzen im Schulter- und Nackenbereich
- Eingeschränkte Beweglichkeit des Arms, besonders beim Heben über den Kopf
- Muskelschwund im Schulterbereich
- Kribbeln oder Taubheitsgefühl im Arm (bei Nervenbeteiligung)
- Erschöpfungsgefühl in der Schulterregion bei Belastung
Diagnose
Die Diagnose wird in der Regel klinisch gestellt. Der Arzt beobachtet die Schulterblattstellung im Ruhezustand und bei Bewegung. Ein typischer Test ist der Wandstütztest: Der Patient drückt sich mit ausgestreckten Armen gegen eine Wand – dabei tritt das abstehende Schulterblatt besonders deutlich hervor.
Weitere diagnostische Maßnahmen umfassen:
- Elektromyographie (EMG): Zur Beurteilung der Nerven- und Muskelfunktion
- Elektroneurographie (ENG): Messung der Nervenleitgeschwindigkeit
- MRT oder Ultraschall: Zur Beurteilung von Muskeln, Sehnen und Nerven
- Blutuntersuchungen: Zum Ausschluss von Muskelerkrankungen oder Entzündungen
Behandlung
Die Behandlung richtet sich nach der Ursache der Scapula alata und kann konservativ oder operativ sein.
Konservative Behandlung
- Physiotherapie: Gezieltes Kräftigungstraining der Schulterblatt-stabilisierenden Muskulatur (z.B. Serratus anterior, Trapezius) ist die wichtigste Maßnahme.
- Orthesen: Spezielle Schulterorthesen können das Schulterblatt stabilisieren und Beschwerden lindern.
- Schmerztherapie: Entzündungshemmende Medikamente (NSAR) oder physikalische Therapie zur Schmerzreduktion.
- Abwarten bei Nervenverletzungen: Viele Nervenverletzungen erholen sich spontan innerhalb von Monaten bis Jahren.
Operative Behandlung
Wenn konservative Maßnahmen über längere Zeit (6–24 Monate) nicht zum Erfolg führen, kann eine Operation in Betracht gezogen werden:
- Muskeltransfer: Verlagerung eines benachbarten Muskels zur Stabilisierung des Schulterblattes
- Scapulodese: Operative Fixierung des Schulterblattes am Brustkorb (selten, bei schweren Fällen)
Prognose
Die Prognose hängt von der Grundursache ab. Bei Nervenverletzungen durch Trauma oder Überlastung erholen sich viele Patienten innerhalb von 1–2 Jahren vollständig. Bei Myopathien oder dauerhaften Nervenschäden ist die Prognose schlechter. Frühzeitige Physiotherapie verbessert das Behandlungsergebnis deutlich.
Quellen
- Wiater J.M., Flatow E.L. (1999): Long thoracic nerve injury. In: Clinical Orthopaedics and Related Research, 368, S. 17–27.
- Panse N., Bhatt J. (2012): Scapular winging – a clinical review. In: Indian Journal of Orthopaedics, 46(4), S. 358–362.
- Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN): Leitlinie Neuralgische Schulteramyotrophie (Parsonage-Turner-Syndrom), aktuelle Fassung, www.dgn.org.