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Das Schilddrüsenmikrobiom beschreibt die Gesamtheit der Mikroorganismen, die in Wechselwirkung mit der Schilddrüse stehen. Es beeinflusst Schilddrüsenfunktion und Autoimmunerkrankungen.
Das Schilddrüsenmikrobiom beschreibt die Gesamtheit der Mikroorganismen, die in Wechselwirkung mit der Schilddrüse stehen. Es beeinflusst Schilddrüsenfunktion und Autoimmunerkrankungen.
Das Schilddrüsenmikrobiom ist ein relativ neues Forschungsgebiet, das die Wechselwirkungen zwischen dem menschlichen Darmmikrobiom – der Gesamtheit aller Mikroorganismen im Verdauungstrakt – und der Schilddrüse beschreibt. Die Schilddrüse ist eine schmetterlingsförmige Drüse im Hals, die lebenswichtige Hormone wie Thyroxin (T4) und Trijodthyronin (T3) produziert, welche Stoffwechsel, Energie, Herzfunktion und viele weitere Körperfunktionen regulieren.
Wissenschaftliche Studien zeigen zunehmend, dass das Darmmikrobiom einen bedeutenden Einfluss auf die Schilddrüsengesundheit hat. Diese bidirektionale Verbindung wird als Darm-Schilddrüsen-Achse bezeichnet. Veränderungen in der Zusammensetzung des Darmmikrobioms – eine sogenannte Dysbiose – können die Schilddrüsenfunktion beeinflussen und zur Entstehung oder Verschlechterung von Schilddrüsenerkrankungen beitragen.
Die Darm-Schilddrüsen-Achse beschreibt, wie Darmbakterien und die Schilddrüse miteinander kommunizieren. Diese Verbindung funktioniert auf mehreren Wegen:
Die Hashimoto-Thyreoiditis ist die häufigste Ursache einer Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) in Deutschland. Bei dieser Autoimmunerkrankung greift das Immunsystem irrtümlich Schilddrüsengewebe an. Studien zeigen, dass Betroffene häufig eine veränderte Darmflora aufweisen – mit einer verminderten Vielfalt an Bakterienarten und einer Verringerung von schützenden Bakterienstämmen wie Lactobacillus und Bifidobacterium.
Morbus Basedow ist eine Autoimmunerkrankung, die zu einer Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) führt. Auch hier zeigen Forschungsergebnisse eine veränderte Mikrobiomzusammensetzung im Vergleich zu gesunden Menschen, mit einem höheren Anteil bestimmter entzündungsfördernder Bakterienstämme.
Erste Studien deuten darauf hin, dass auch bei Schilddrüsenkarzinomen Veränderungen im Darmmikrobiom festgestellt wurden. Die genauen Zusammenhänge sind jedoch noch Gegenstand der Forschung.
Das Darmmikrobiom kann die Wirksamkeit von Schilddrüsenmedikamenten beeinflussen. So kann eine veränderte Darmflora die Resorption von Levothyroxin – dem am häufigsten verschriebenen Schilddrüsenhormon – im Darm beeinträchtigen. Bestimmte Probiotika könnten theoretisch helfen, die Aufnahme zu optimieren, obwohl hier weitere klinische Studien erforderlich sind.
Die Untersuchung des Darmmikrobioms erfolgt in der Regel durch eine Stuhlanalyse, bei der die genetische Zusammensetzung der Darmbakterien mittels moderner Sequenzierverfahren (z. B. 16S-rRNA-Sequenzierung oder Metagenomik) bestimmt wird. Diese Tests werden zunehmend auch im klinischen Alltag sowie in der Labordiagnostik eingesetzt.
Zur Beurteilung der Schilddrüsenfunktion werden standardmäßig folgende Parameter im Blut bestimmt:
Da das Schilddrüsenmikrobiom ein junges Forschungsfeld ist, befinden sich gezielte therapeutische Ansätze noch in der Entwicklung. Dennoch gibt es einige allgemeine Maßnahmen, die sowohl die Darmgesundheit als auch die Schilddrüsenfunktion unterstützen können:
Das Schilddrüsenmikrobiom ist eines der spannendsten aktuellen Forschungsfelder in der Endokrinologie und Gastroenterologie. Während viele Zusammenhänge bereits in Beobachtungsstudien belegt wurden, fehlen bisher noch groß angelegte klinische Studien, die kausale Zusammenhänge eindeutig belegen. Die Forschung auf diesem Gebiet schreitet jedoch rapide voran und könnte zukünftig neue, mikrobiombasierte Therapiestrategien für Schilddrüsenerkrankungen ermöglichen.
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