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Die Seddon-Klassifikation teilt periphere Nervenschäden in drei Schweregrade ein: Neuropraxie, Axonotmesis und Neurotmesis. Sie ist ein Grundpfeiler der neurologischen Diagnostik.
Die Seddon-Klassifikation teilt periphere Nervenschäden in drei Schweregrade ein: Neuropraxie, Axonotmesis und Neurotmesis. Sie ist ein Grundpfeiler der neurologischen Diagnostik.
Die Seddon-Klassifikation ist ein medizinisches Einteilungssystem für periphere Nervenläsionen, das vom britischen Orthopäden Sir Herbert John Seddon im Jahr 1943 entwickelt wurde. Sie unterteilt Nervenverletzungen anhand ihres strukturellen Schädigungsgrades in drei Kategorien und ist bis heute ein fundamentales Werkzeug in der Neurologie, Orthopädie und Unfallchirurgie.
Die Neuropraxie ist die leichteste Form der Nervenschädigung. Hierbei bleibt die anatomische Struktur des Nervs vollständig erhalten, jedoch ist die Leitungsfähigkeit vorübergehend unterbrochen. Ursachen sind häufig Druck, Quetschung oder kurzzeitige Ischämie (Durchblutungsstörung). Die Prognose ist sehr gut: Die Erholung tritt in der Regel vollständig und innerhalb von Stunden bis wenigen Wochen ein, ohne dass eine operative Behandlung erforderlich ist.
Bei der Axonotmesis sind die Axone – die leitenden Fortsätze der Nervenzellen – unterbrochen, während das umgebende Bindegewebsgerüst (Endoneurium, Perineurium) weitgehend intakt bleibt. Diese Verletzung entsteht oft durch stärkere Quetschungen oder Dehnungstraumen. Die Regeneration ist möglich, da das erhaltene Gerberüst als Leitstruktur dient, benötigt jedoch Monate und verläuft mit einer Geschwindigkeit von etwa 1–3 mm pro Tag. Eine vollständige Erholung ist häufig, aber nicht immer garantiert.
Die Neurotmesis stellt die schwerste Form der Nervenverletzung dar. Hierbei ist der gesamte Nerv – inklusive aller Bindegewebsanteile – vollständig durchtrennt oder so schwer zerstört, dass eine spontane Regeneration ohne operative Intervention nicht möglich ist. Typische Ursachen sind Schnitt- oder Schussverletzungen sowie schwere Ausrisstraumen. Eine mikrochirurgische Nervenrekonstruktion ist in der Regel notwendig, die funktionelle Erholung bleibt jedoch oft unvollständig.
Periphere Nervenläsionen können durch verschiedene Mechanismen entstehen:
Je nach Schweregrad der Nervenläsion können folgende Symptome auftreten:
Die Diagnose einer peripheren Nervenläsion und deren Einordnung nach Seddon erfolgt durch:
Die Therapie richtet sich nach dem Seddon-Grad:
Ergänzend zur Seddon-Klassifikation wurde 1951 von Sydney Sunderland eine verfeinerte Fünfstufeneinteilung entwickelt, die insbesondere die Axonotmesis weiter untergliedert. Während Seddon drei Grundkategorien liefert, ermöglicht Sunderland eine präzisere prognostische Einschätzung. Beide Systeme ergänzen sich in der klinischen Praxis.
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