Wissenswertes über "Stand-by-Therapie"
Die Stand-by-Therapie ist eine Notfallstrategie bei Reisen in Malariarisikogebiete: Betroffene führen Medikamente mit, um bei Fieber selbst zu handeln.
Was ist die Stand-by-Therapie?
Die Stand-by-Therapie (auch Standby-Therapie oder Selbstbehandlung im Notfall) bezeichnet eine präventive Maßnahme für Reisende in Malariarisikogebiete. Dabei werden den Reisenden vor der Abreise geeignete Antimalariamittel mitgegeben, die sie bei Auftreten von Fieber und malariaverdächtigen Symptomen eigenständig einnehmen können, wenn kein Arzt oder keine medizinische Einrichtung rechtzeitig erreichbar ist. Sie ersetzt nicht die ärztliche Behandlung, sondern überbrückt den Zeitraum bis zur professionellen Versorgung.
Wann wird die Stand-by-Therapie eingesetzt?
Die Stand-by-Therapie wird empfohlen, wenn:
- Reisende in Gebiete mit hohem Malariarisiko reisen, in denen keine ausreichende medizinische Versorgung gewährleistet ist.
- Eine regelmäßige Einnahme einer Malariaprophylaxe nicht möglich oder nicht erwünscht ist.
- Reisende längere Zeit in entlegenen Regionen verbringen, in denen im Notfall kein Arzt erreichbar ist.
- Symptome wie Fieber, Schüttelfrost, Kopfschmerzen oder Muskelschmerzen innerhalb von 7 Tagen bis zu mehreren Monaten nach Aufenthalt in einem Risikogebiet auftreten.
Wirkmechanismus und verwendete Medikamente
Bei der Stand-by-Therapie werden Antimalariamittel eingesetzt, die die Entwicklung des Malaria-Erregers Plasmodium im Blut hemmen oder ihn abtöten. Je nach Reiseregion und Resistenzlage kommen verschiedene Wirkstoffe zum Einsatz:
- Artemether/Lumefantrin (z. B. Riamet®): Kombination zweier Wirkstoffe mit unterschiedlichen Angriffspunkten; gilt als gut verträgliche Erstlinioption für viele Regionen.
- Atovaquon/Proguanil (z. B. Malarone®): Hemmt die Mitochondrienfunktion des Erregers; besonders geeignet bei Resistenz gegen andere Mittel.
- Mefloquin: Wirkt auf den Blutschizogonie-Zyklus des Erregers; wird seltener eingesetzt aufgrund möglicher Nebenwirkungen auf das Nervensystem.
Die Auswahl des geeigneten Medikaments erfolgt immer individuell durch einen Arzt oder eine Reisemedizinerin, abhängig von Reiseziel, Resistenzmuster, Begleiterkrankungen und möglichen Wechselwirkungen.
Dosierung und Anwendung
Die genaue Dosierung richtet sich nach dem jeweiligen Präparat und dem Körpergewicht des Reisenden. Grundsätzlich gilt:
- Das Medikament sollte nur bei Fieber ab 38 °C und malariaverdächtigen Symptomen eingenommen werden.
- Die Einnahme ersetzt nicht den Gang zum Arzt – ein ärztlicher Besuch sollte so bald wie möglich erfolgen.
- Vor Reiseantritt sollte eine ausführliche ärztliche Beratung in einer reisemedizinischen Einrichtung stattfinden, um Anwendung und Dosierung zu erklären und Kontraindikationen auszuschließen.
- Das Medikament muss stets griffbereit mitgeführt und auf korrekte Lagerung (Kühl, trocken, lichtgeschützt) geachtet werden.
Mögliche Nebenwirkungen
Die Nebenwirkungen hängen vom verwendeten Wirkstoff ab. Häufige Nebenwirkungen umfassen:
- Artemether/Lumefantrin: Kopfschmerzen, Schwindel, Schlafstörungen, Bauchschmerzen, Übelkeit.
- Atovaquon/Proguanil: Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen, Kopfschmerzen.
- Mefloquin: Schlafstörungen, Schwindel, psychische Veränderungen, selten schwere neurologische Reaktionen.
Bei schweren oder unerwarteten Reaktionen sollte sofort ärztliche Hilfe aufgesucht werden.
Wichtige Hinweise und Einschränkungen
Die Stand-by-Therapie ist kein Ersatz für eine Malariaprophylaxe oder für allgemeine Schutzmaßnahmen wie die Verwendung von Insektenschutzmitteln, Moskitonetzen und geeigneter Kleidung. Sie sollte nur auf ärztliche Empfehlung hin mitgeführt und eingesetzt werden. Besondere Vorsicht gilt für Schwangere, Kinder und Personen mit bestimmten Vorerkrankungen, für die individuelle Empfehlungen erforderlich sind.
Quellen
- Weltgesundheitsorganisation (WHO): International Travel and Health. Genf, aktuelle Auflage. Verfügbar unter: https://www.who.int/publications/i/item/9789240058262
- Deutsche Gesellschaft für Tropenmedizin, Reisemedizin und Globale Gesundheit (DTG): Leitlinie Malariaprophylaxe und -therapie, 2023. Verfügbar unter: https://www.dtg.org
- Robert Koch-Institut (RKI): Ratgeber Malaria. Berlin, 2023. Verfügbar unter: https://www.rki.de/malaria