Wissenswertes über "Stressfraktur"
Eine Stressfraktur ist ein kleiner Knochenriss, der durch wiederholte Belastung entsteht. Sie tritt häufig bei Sportlern auf und äußert sich in Schmerzen, die sich unter Belastung verstärken.
Was ist eine Stressfraktur?
Eine Stressfraktur (auch Ermüdungsfraktur genannt) ist ein kleiner, haarfeiner Riss im Knochen, der nicht durch ein einmaliges Trauma entsteht, sondern durch wiederholte mechanische Überlastung. Der Knochen wird dabei stärker beansprucht, als er sich regenerieren kann. Stressfrakturen treten besonders häufig an den Mittelfüßen, dem Schienbein und dem Wadenbein auf.
Ursachen
Stressfrakturen entstehen in der Regel durch eine Kombination aus übermäßiger Belastung und unzureichender Erholung. Typische Ursachen und Risikofaktoren sind:
- Sportliche Überlastung: Plötzliche Steigerung von Trainingsintensität oder -umfang
- Ungeeignetes Schuhwerk oder harter Untergrund beim Sport
- Fehlstellungen der Beine oder Füße (z. B. Plattfuß)
- Mangelnährstoffe wie Kalzium- oder Vitamin-D-Mangel, die die Knochendichte verringern
- Osteoporose oder andere Erkrankungen, die den Knochen schwächen
- Weibliches Geschlecht in Kombination mit niedrigem Körpergewicht und Hormonschwankungen (Female Athlete Triad)
Symptome
Die Symptome einer Stressfraktur entwickeln sich meist schleichend und werden oft zunächst übersehen. Typische Anzeichen sind:
- Belastungsschmerz: Schmerzen, die unter körperlicher Aktivität auftreten und in Ruhe nachlassen
- Lokaler Druckschmerz direkt über dem betroffenen Knochen
- Schwellung oder leichte Verfärbung der Haut im betroffenen Bereich
- Im fortgeschrittenen Stadium: Schmerzen auch in Ruhe
Diagnose
Die Diagnose einer Stressfraktur erfolgt durch eine Kombination aus klinischer Untersuchung und bildgebenden Verfahren:
- Röntgenaufnahme: Im Frühstadium häufig unauffällig, später sichtbare Veränderungen
- MRT (Magnetresonanztomographie): Goldstandard zur frühzeitigen Erkennung von Stressfrakturen, auch bei negativem Röntgenbefund
- Knochenszintigraphie: Erkennt erhöhte Knochenstoffwechselaktivität im betroffenen Bereich
- CT (Computertomographie): Hilfreich bei speziellen anatomischen Lokalisationen oder vor Operationen
Behandlung
Die Behandlung richtet sich nach der Schwere und dem genauen Ort der Fraktur:
Konservative Therapie
- Entlastung und Ruhigstellung: Reduktion oder vollständige Pausierung der auslösenden Aktivität
- Orthopedische Hilfsmittel: Spezialschuhe, Einlagen oder Orthesen zur Druckentlastung
- Physiotherapie: Gezielte Übungen zur Steigerung von Kraft und Koordination
- Schmerzmanagement: Einnahme von Schmerzmitteln nach ärztlicher Empfehlung (z. B. Ibuprofen)
- Ernährungsanpassung: Sicherstellung einer ausreichenden Kalzium- und Vitamin-D-Versorgung
Operative Therapie
In seltenen Fällen, insbesondere bei hochrisiko Lokalisationen (z. B. Schenkelhals oder Navikulare) oder bei ausbleibendem Heilungserfolg, kann eine operative Stabilisierung (z. B. mit Schrauben oder Nägeln) erforderlich sein.
Heilungsdauer und Prognose
Die Heilungsdauer einer Stressfraktur beträgt in der Regel 6 bis 12 Wochen, abhängig von der Lokalisation, dem Ausmaß der Verletzung und der Einhaltung der Schonung. Bei konsequenter Behandlung ist die Prognose gut. Eine zu frühzeitige Belastung kann jedoch zu einer vollständigen Fraktur oder chronischen Beschwerden führen.
Vorbeugung
Folgende Maßnahmen können das Risiko einer Stressfraktur deutlich verringern:
- Graduelle Steigerung von Trainingsintensität und -volumen
- Verwendung von gut gepolstertem, passendem Schuhwerk
- Regelmäßige Ruhepausen und Regenerationszeiten
- Ausgewogene Ernährung mit ausreichend Kalzium und Vitamin D
- Analyse und Korrektur von Fehlstellungen durch einen Spezialisten
Quellen
- Fredericson, M. et al. - Stress Fractures in Athletes. In: Sports Medicine (2006). Springer.
- Deutsches Institut für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI) - Leitlinien zur Diagnostik und Therapie von Knochenverletzungen.
- World Health Organization (WHO) - Calcium and Vitamin D requirements for bone health. WHO Technical Report Series (2004).