Wissenswertes über "Tibialis-posterior-Tendinopathie"
Die Tibialis-posterior-Tendinopathie ist eine Erkrankung der hinteren Schienbeinsehne, die Schmerzen und Schwellungen am inneren Fußknöchel verursacht und häufig zu einem Senkfuß führt.
Was ist die Tibialis-posterior-Tendinopathie?
Die Tibialis-posterior-Tendinopathie ist eine degenerative oder entzündliche Veränderung der Sehne des Musculus tibialis posterior, also des hinteren Schienbeimmuskels. Diese Sehne verläuft hinter dem inneren Knöchel (Malleolus medialis) und spielt eine zentrale Rolle bei der Stützung des Fußgewölbes sowie bei der Stabilisierung des Fußes beim Gehen und Stehen. Wenn diese Sehne geschädigt ist, kann es zu einem fortschreitenden Kollaps des Längswölbens des Fußes kommen, was als erworbener Plattfuß (Adult Acquired Flatfoot) bezeichnet wird.
Ursachen
Die Erkrankung entsteht meist durch eine Kombination aus Überlastung und degenerativen Veränderungen der Sehne. Typische Ursachen und Risikofaktoren sind:
- Überlastung durch intensive sportliche Aktivität, langes Stehen oder übermäßiges Laufen
- Übergewicht, das dauerhaft hohen Druck auf die Sehnenstruktur ausübt
- Plattfußfehlstellung (Pes planus), die die Sehne überbeansprucht
- Diabetes mellitus und rheumatische Erkrankungen, die die Sehnenstruktur schwächen
- Traumata wie Verstauchungen oder direkte Verletzungen des inneren Knöchelbereichs
- Zunehmendes Alter und damit verbundener natürlicher Sehnenverschleiß
Symptome
Die Beschwerden beginnen häufig schleichend und nehmen ohne Behandlung an Intensität zu. Typische Symptome umfassen:
- Schmerzen entlang der Innenseite des Knöchels und des Fußes, besonders beim Gehen oder Treppensteigen
- Schwellung im Bereich hinter und unterhalb des inneren Knöchels
- Zunehmende Abflachung des Fußgewölbes auf der betroffenen Seite
- Schwäche beim Zehenstand auf dem betroffenen Fuß (sogenannter "Single Heel Rise Test")
- Veränderung des Gangbildes und übermäßige Auswärtsrotation des Fußes
- In fortgeschrittenen Stadien: Schmerzen auch auf der Außenseite des Sprunggelenks durch Knochenkontakt
Stadien der Erkrankung
Die Tibialis-posterior-Tendinopathie wird klinisch in vier Stadien eingeteilt:
- Stadium I: Entzündung und Schmerzen, das Fußgewölbe ist noch erhalten
- Stadium II: Teilruptur der Sehne, flexibler Plattfuß mit korrigierbarer Fehlstellung
- Stadium III: Vollständige Sehneninsuffizienz, starrer Plattfuß
- Stadium IV: Zusätzliche Beteiligung des Sprunggelenks mit Arthrose
Diagnose
Die Diagnose wird durch eine klinische Untersuchung und bildgebende Verfahren gesichert:
- Klinische Untersuchung: Palpation der Sehne, Beurteilung des Fußgewölbes und Durchführung des Single-Leg-Heel-Rise-Tests
- Ultraschall: Darstellung von Sehnenverdickung, Rissen oder Flüssigkeitsansammlungen um die Sehnenscheide
- MRT (Magnetresonanztomographie): Goldstandard zur genauen Beurteilung des Ausmaßes der Sehnenpathologie und begleitender Strukturveränderungen
- Röntgen: Zur Beurteilung knöcherner Fehlstellungen und Arthrosezeichen
Behandlung
Konservative Therapie
In frühen Stadien (I und II) stehen konservative Maßnahmen im Vordergrund:
- Ruhigstellung und Entlastung der betroffenen Sehne, ggf. mit einem Unterschenkelgips oder einer Orthese
- Einlagenversorgung mit stützenden Innenranderhebungen zur Entlastung der Sehne
- Physiotherapie mit gezieltem Kraft- und Stabilisierungstraining der Wadenmuskulatur
- Exzentrische Übungen zur Sehnenkräftigung
- Entzündungshemmende Medikamente (NSAIDs) zur Schmerzlinderung in akuten Phasen
- Gewichtsreduktion zur Entlastung des Bewegungsapparats
Operative Therapie
Bei fortgeschrittenen Stadien (III und IV) oder bei Versagen der konservativen Behandlung kommen operative Eingriffe in Betracht:
- Sehnentransfer (z. B. mit der Flexor digitorum longus-Sehne) zum Ersatz der geschädigten Tibialis-posterior-Sehne
- Kalkaneus-Osteotomie zur Korrektur der Fersenfehlstellung
- Arthrodese (Gelenkversteifung) bei schwerer Arthrose im Stadium IV
Prognose
Bei frühzeitiger Behandlung ist die Prognose günstig. Im Stadium I und II kann durch konsequente konservative Therapie oft eine vollständige oder weitgehende Beschwerdefreiheit erreicht werden. In fortgeschrittenen Stadien ist eine operative Intervention meist notwendig, um die Funktion des Fußes dauerhaft wiederherzustellen.
Quellen
- Beals TC, Pomeroy GC, Manoli A: Posterior tibial tendon insufficiency: diagnosis and treatment. J Am Acad Orthop Surg. 1999;7(2):112-118.
- Ross MH, Smith MD, Mellor R, Vicenzino B: Exercise for posterior tibial tendon dysfunction: a systematic review of randomised clinical trials and clinical guidelines. BMJ Open Sport Exerc Med. 2018;4(1):e000270.
- Wukich DK, Mooar JL, Lahiri S: Posterior tibial tendon dysfunction. In: Miller MD, Hart JA (Hrsg.): Review of Orthopaedics. 6. Auflage. Elsevier Saunders, Philadelphia 2012.