Wissenswertes über "Wundschutzcreme"
Eine Wundschutzcreme schützt die Haut vor Feuchtigkeit, Reibung und Reizstoffen. Sie wird vorbeugend eingesetzt, um Wunden und Hautschäden zu vermeiden.
Was ist eine Wundschutzcreme?
Eine Wundschutzcreme ist ein topisch angewendetes Hautpflegeprodukt, das gezielt eingesetzt wird, um die Haut vor äußeren Einflüssen wie Feuchtigkeit, Reibung, Urin, Stuhl und anderen Reizstoffen zu schützen. Sie bildet eine schützende Barriere auf der Hautober fläche und wird häufig in der Pflege und Medizin zur Vorbeugung von Hautläsionen und wunden Stellen eingesetzt.
Anwendungsgebiete
Wundschutzcremes werden in verschiedenen pflegerischen und medizinischen Kontexten angewendet, darunter:
- Inkontinenzassoziierte Dermatitis (IAD): Schutz der Haut im Anal- und Genitalbereich vor Feuchtigkeit durch Urin oder Stuhl.
- Windeldermatitis: Vorbeugung und Behandlung von Hautreizungen bei Säuglingen und Kleinkindern im Windelbereich.
- Dekubitusprophylaxe: Unterstützung des Hautschutzes bei bettlägerigen Patienten an druckgefährdeten Stellen.
- Stomapflege: Schutz der Haut rund um ein Stoma vor dem aggressiven Ausfluss aus dem Darm oder der Blase.
- Strahlendermatitis: Linderung und Schutz der Haut bei Patienten, die eine Strahlentherapie erhalten.
- Beruflicher Hautschutz: Anwendung in Berufen mit häufigem Kontakt zu Wasser, Reinigungsmitteln oder Chemikalien.
Wirkstoffe und Inhaltsstoffe
Wundschutzcremes enthalten in der Regel eine Kombination aus hautpflegenden und barrierefördernden Inhaltsstoffen. Zu den häufig verwendeten Wirkstoffen gehören:
- Zinkoxid: Wirkt entzündungshemmend, austrocknend und schutzbeschichtend. Ein klassischer Bestandteil vieler Wundschutzprodukte.
- Dexpanthenol (Provitamin B5): Fördert die Wundheilung und unterstützt die Regeneration der Haut.
- Vaseline (Petrolatum): Bildet eine okklusive Schutzschicht auf der Haut und verhindert Feuchtigkeitsverlust.
- Lanolin: Ein natürliches Wollwachs, das die Haut weich hält und schützt.
- Dimethicon (Silikon): Legt sich als wasserabweisende Schicht auf die Haut und schützt vor Feuchtigkeit.
- Pflanzliche Öle und Extrakte: Beispielsweise Sheabutter, Calendula oder Mandelol zur zusätzlichen Pflege und Beruhigung der Haut.
Wirkmechanismus
Wundschutzcremes wirken primär durch die Bildung einer physikalischen Schutzbarriere auf der Haut. Diese Barriere erfüllt mehrere Funktionen:
- Sie hält Feuchtigkeit, Urin, Stuhl und andere Reizstoffe von der Haut fern.
- Sie reduziert Reibung zwischen Haut und Kleidung oder Unterlagen.
- Sie unterstützt die natürliche Schutzfunktion der Haut (den sogenannten Hydrolipidfilm).
- Einige Inhaltsstoffe fördern zusätzlich die Wundheilung und wirken entzündungshemmend.
Anwendung und Dosierung
Die Anwendung einer Wundschutzcreme sollte regelmäßig und nach den Empfehlungen des Herstellers oder des medizinischen Fachpersonals erfolgen. Grundsätzlich gilt:
- Die Haut sollte vor der Anwendung schonend gereinigt und trocken getupft werden.
- Die Creme wird dünn und gleichmäßig auf die gefährdete Hautpartie aufgetragen.
- Bei Inkontinenz sollte die Creme nach jedem Wechsel der Inkontinenzversorgung neu aufgetragen werden.
- Im Säuglings- und Kleinkindbereich wird die Creme bei jedem Windelwechsel auf den Windelbereich aufgetragen.
Nebenwirkungen und Verträglichkeit
Wundschutzcremes sind im Allgemeinen sehr gut verträglich und für die langfristige Anwendung geeignet. In seltenen Fällen können jedoch folgende Reaktionen auftreten:
- Allergische Reaktionen: Besonders bei Inhaltsstoffen wie Lanolin, Duftstoffen oder pflanzlichen Extrakten.
- Kontaktdermatitis: Eine Hautentzündung, die durch einen bestimmten Inhaltsstoff ausgelöst werden kann.
- Verstopfung von Schweiss- oder Talgdrüsen: Bei sehr okklusiven Produkten und längerer Anwendung möglich.
Bei bekannter Allergie gegen einen Bestandteil der Creme sollte ein alternatives Produkt gewählt werden. Im Zweifelsfall ist Rücksprache mit medizinischem Fachpersonal empfehlenswert.
Unterschied zu Wundheilungscremes
Es ist wichtig, Wundschutzcremes von Wundheilungscremes zu unterscheiden. Während Wundschutzcremes primär vorbeugend eingesetzt werden, um die intakte Haut vor Schäden zu schützen, sind Wundheilungscremes für die Behandlung bereits bestehender Wunden vorgesehen. Beide Produkte können jedoch ähnliche Inhaltsstoffe enthalten und sich in ihrer Anwendung ergänzen.
Quellen
- European Wound Management Association (EWMA): Incontinence-Associated Dermatitis and Intertriginous Dermatitis. EWMA Document, 2019.
- Dissemond, J. et al.: Moderne Wundversorgung. 8. Auflage, Viavital Verlag, 2017.
- Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM): Informationen zu topischen Hautschutzmitteln. www.bfarm.de (abgerufen 2024).