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Deutschland beim Zuckerkonsum aus Getränken europaweit vorne

Deutschland ist europaweit Spitzenreiter beim Zuckerkonsum aus gesüßten Getränken – mit deutlichem Abstand zu vielen Nachbarländern. Eine aktuelle Auswertung zeigt, warum freiwillige Maßnahmen bisher kaum wirken und weshalb eine Zuckersteuer nach britischem Vorbild erneut in den Fokus der Debatte rückt.

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Deutschland beim Zuckerkonsum aus Getränken europaweit vorne

Nach einer aktuellen Auswertung der Verbraucherorganisation foodwatch, basierend auf Daten des Marktforschungsunternehmens Euromonitor, nehmen Menschen in Deutschland besonders viel Zucker über gesüßte Getränke wie Limonade, Cola, Fruchtsäfte oder Energydrinks zu sich.

Demnach konsumieren die Deutschen durchschnittlich fast 26 Gramm Zucker pro Tag allein über Getränke – mehr als in jedem anderen der zehn bevölkerungsreichsten westeuropäischen Länder.

Vergleich mit anderen europäischen Ländern

Im Ländervergleich der größten westeuropäischen Staaten folgt auf Deutschland:

  • Österreich: etwa 23 Gramm Zucker pro Kopf und Tag
  • Niederlande: rund 20 Gramm
  • Schweden: ca. 17,5 Gramm
  • Belgien: etwa 17,45 Gramm
  • Großbritannien: rund 16 Gramm
  • Frankreich: ca. 14,7 Gramm

Deutlich niedriger fällt der Konsum in Südeuropa aus:

  • Spanien: etwa 12,6 Gramm
  • Portugal: rund 9,8 Gramm
  • Italien: ungefähr 9,5 Gramm

Die deutschen Werte liegen damit mehr als doppelt so hoch wie in Ländern wie Italien, wo der tägliche Zuckerkonsum über Getränke nur rund 9,5 Gramm beträgt.

Kritik an freiwilligen Maßnahmen und Forderung nach einer Zuckersteuer

foodwatch kritisiert, dass Deutschland bislang vor allem auf freiwillige Selbstverpflichtungen der Getränkeindustrie setzt, den Zuckeranteil in Produkten zu reduzieren. Nach Ansicht der Organisation seien diese Maßnahmen unzureichend: Der Zuckergehalt vieler Getränke sei nur leicht gesunken, und der Konsum bleibe weiterhin hoch.

Vor diesem Hintergrund fordert foodwatch die Einführung einer Zuckersteuer auf gesüßte Getränke, orientiert am britischen Modell. In Großbritannien wird seit 2018 eine sogenannte Soft Drinks Industry Levy erhoben, die Getränke je nach ihrem Zuckergehalt besteuert.

Laut foodwatch hat diese Abgabe dazu geführt, dass der durchschnittliche Zuckergehalt in britischen Getränken um etwa 35 Prozent gesunken ist und der tägliche Zuckerkonsum über Getränke dort auf rund 16 Gramm pro Kopf gefallen ist – deutlich unter dem deutschen Wert.

Gesundheitliche Risiken eines hohen Zuckerkonsums

Zuckergesüßte Getränke gelten als ein wesentlicher Risikifaktor für ernährungsbedingte Krankheiten. Ein hoher Konsum ist mit einem erhöhten Risiko für:

  • Übergewicht (Adipositas)
  • Typ-2-Diabetes
  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen
  • Fettleber
  • Zahnkaries

Zudem liefern flüssige Zucker-Kalorien kaum Sättigung, wodurch Menschen oft große Mengen zu sich nehmen, ohne es bewusst wahrzunehmen.

Ökonomische Aspekte

Ernährungsbedingte Erkrankungen verursachen hohe Kosten für das Gesundheitssystem. Modellrechnungen zeigen, dass eine Zuckersteuer nicht nur die Zuckeraufnahme senken, sondern auch langfristig Ausgaben für Behandlung und Folgeerkrankungen reduzieren könnte.

Politische Debatte in Deutschland

In Deutschland ist die Einführung einer Zuckersteuer politisch umstritten. Während Verbraucherschützer, Gesundheitsorganisationen und einige Landespolitiker eine Abgabe befürworten, argumentieren Teile der Bundesregierung und der Getränkeindustrie gegen zusätzliche Belastungen für Verbraucher und Unternehmen.

Stattdessen wird bislang vor allem auf Aufklärung und freiwillige Reformulierungen gesetzt.

Ausgewogene gesundheitspolitische Bewertung

Die vorliegenden Daten zeigen, dass der Zuckerkonsum aus Getränken in Deutschland strukturell hoch ist – besonders im europäischen Vergleich und im Lichte bekannter gesundheitlicher Risiken. Internationale Erfahrungen, insbesondere aus Großbritannien, legen nahe, dass gezielte fiskalische Maßnahmen wie eine Zuckersteuer den Zuckergehalt in Produkten reduzieren und den Konsum senken können.

Gleichzeitig sollte ein wirksamer gesundheitspolitischer Ansatz nicht ausschließlich auf steuerliche Maßnahmen setzen. Ohne begleitende Strategien wie Ernährungsbildung, verpflichtende Zuckerreduktionsziele für Hersteller, transparente Kennzeichnungssysteme und Präventionsprogramme könnten soziale Ungleichheiten und Belastungen für einkommensschwache Haushalte zunehmen.

Ein integrierter Ansatz, der Regulierung, Aufklärung und strukturelle Anreize kombiniert, könnte dazu beitragen, ernährungsbedingte Erkrankungen zu verringern, die Gesundheitskompetenz in der Bevölkerung zu stärken und die gesundheitlichen sowie ökonomischen Belastungen langfristig zu reduzieren.

Beispiel Großbritannien: Wirkung der Zuckersteuer in der Praxis

Großbritannien gilt als eines der bekanntesten Beispiele für eine erfolgreiche Regulierung von zuckerhaltigen Getränken. Dort wurde im Jahr 2018 die sogenannte Soft Drinks Industry Levy eingeführt, eine gestaffelte Abgabe auf Erfrischungsgetränke mit hohem Zuckergehalt.

Die Steuer setzt finanzielle Anreize für Hersteller, den Zuckeranteil ihrer Produkte zu reduzieren. In der Folge passten viele Unternehmen ihre Rezepturen an, um unter die steuerlichen Schwellenwerte zu fallen. Innerhalb weniger Jahre sank der durchschnittliche Zuckergehalt von Softdrinks um rund 35 Prozent.

Das Beispiel zeigt, dass regulatorische Maßnahmen nicht nur das Konsumverhalten beeinflussen, sondern auch strukturelle Veränderungen im Angebot bewirken können, ohne die Auswahl für Verbraucher spürbar einzuschränken.


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