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Weight loss injections in modern obesity therapy

Weight loss injections between evidence-based obesity therapy and lifestyle trend – mechanisms of action, clinical evidence, risks, and social classification.

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Übergewicht und Adipositas zählen zu den größten gesundheitlichen Herausforderungen unserer Zeit. In Deutschland ist mittlerweile mehr als die Hälfte der erwachsenen Bevölkerung übergewichtig, viele davon adipös. Die Folgen reichen von einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Typ-2-Diabetes bis hin zu einer deutlich eingeschränkten Lebensqualität [1]. In den vergangenen Jahren haben moderne Abnehmspritzen wie Semaglutid oder Tirzepatid neue Perspektiven in der medikamentösen Gewichtsreduktion eröffnet. Ursprünglich zur Behandlung von Diabetes entwickelt, zeigen diese Wirkstoffe in Studien beachtliche Erfolge beim Abnehmen. Gleichzeitig sorgen sie in der Öffentlichkeit für kontroverse Diskussionen, da sie zunehmend auch als Lifestyle-Produkt genutzt werden [2,3].

Dieser Artikel beleuchtet Wirkung, Nutzen, Risiken und gesellschaftliche Aspekte von Abnehmspritzen und ordnet ihren Stellenwert in der modernen Adipositastherapie kritisch ein. Ziel ist es, sowohl medizinische als auch ethische und soziale Fragestellungen differenziert zu betrachten.

Adipositas als chronische Erkrankung

Adipositas wird medizinisch als eine übermäßige Vermehrung des Körperfetts definiert, die mit erhöhten gesundheitlichen Risiken verbunden ist. Zur Klassifikation wird in der Regel der Body-Mass-Index (BMI) herangezogen. Dieser berechnet sich aus dem Körpergewicht in Kilogramm, geteilt durch das Quadrat der Körpergröße in Metern. Ab einem BMI von 30 kg/m² spricht man von Adipositas.

Obwohl der BMI gewisse Schwächen aufweist – etwa bei sehr muskulösen Personen – gilt er weiterhin als international anerkanntes Instrument zur epidemiologischen Einordnung von Übergewicht und Adipositas. Wichtig ist, Adipositas nicht als bloßes Ergebnis mangelnder Disziplin oder ungesunder Lebensweise zu verstehen. Vielmehr handelt es sich um eine komplexe, multifaktorielle Erkrankung. An ihrer Entstehung sind genetische Veranlagungen, hormonelle Steuermechanismen, neurobiologische Prozesse, Umweltfaktoren sowie psychosoziale Einflüsse beteiligt.

Eine zentrale Rolle spielt dabei das neuroendokrine System, also das Zusammenspiel von Nervensystem und Hormonen. Dieses reguliert Hunger, Sättigung und Energieverbrauch. Störungen in diesen Regelkreisen können dazu führen, dass Betroffene dauerhaft mehr Energie aufnehmen, als sie verbrauchen [1].

Hormonelle Steuerung von Hunger und Sättigung

Die Nahrungsaufnahme wird nicht allein durch bewusste Entscheidungen gesteuert, sondern durch ein komplexes Netzwerk hormoneller Signale zwischen Magen-Darm-Trakt und Gehirn, das als Darm-Hirn-Achse bezeichnet wird. Nach der Nahrungsaufnahme setzen spezialisierte Zellen im Darm verschiedene Hormone frei, die über das Blut oder über nervale Bahnen Informationen an das Gehirn weiterleiten. Diese Signale beeinflussen, wie schnell ein Sättigungsgefühl eintritt, wie stark der Appetit ist und wann erneut Hunger empfunden wird.

Ein zentrales Hormon in diesem Zusammenhang ist das Glucagon-like Peptid-1 (GLP-1). GLP-1 wird im unteren Dünndarm freigesetzt, sobald Nährstoffe den Darm erreichen. Es bindet an spezifische GLP-1-Rezeptoren, die unter anderem in der Bauchspeicheldrüse (Pankreas), im Magen-Darm-Trakt und im Gehirn vorkommen [1].

Physiologische Funktionen von GLP-1

GLP-1 beeinflusst im Körper mehrere wichtige Prozesse rund um Blutzucker, Hunger und Sättigung:

  • Fördert die Insulinfreisetzung: GLP-1 hilft dem Körper, bei hohem Blutzucker mehr Insulin auszuschütten und senkt so den Blutzuckerspiegel.
  • Senkt den Blutzucker: Gleichzeitig hemmt GLP-1 das Hormon Glukagon, das den Blutzucker erhöht.
  • Verlängert das Sättigungsgefühl: GLP-1 verlangsamt die Magenentleerung, sodass man sich länger satt fühlt.
  • Reduziert den Appetit: Im Gehirn beeinflusst GLP-1 das Hungerzentrum und verringert das Hungergefühl [1].

Pharmakologische Entwicklung der Abnehmspritzen

Das vom Körper selbst gebildete GLP-1 wirkt nur sehr kurz, da es im Blut schnell durch ein Enzym namens Dipeptidyl-Peptidase-4 (DPP-4) abgebaut wird. Um die positiven Effekte therapeutisch nutzen zu können, wurden sogenannte GLP-1-Rezeptor-Agonisten entwickelt. Dabei handelt es sich um Moleküle, die dem natürlichen GLP-1 ähneln, aber deutlich stabiler sind und länger im Körper wirken.

Zu diesen Wirkstoffen zählen beispielsweise Liraglutid und Semaglutid. Sie wurden zunächst zur Behandlung von Typ-2-Diabetes zugelassen, da sie die Blutzuckerkontrolle verbessern und gleichzeitig eine Gewichtsabnahme bewirken. Erst in späteren Studien zeigte sich, dass ihre gewichtsreduzierende Wirkung so ausgeprägt ist, dass eine eigenständige Zulassung zur Adipositastherapie sinnvoll erscheint [1,4].

Tirzepatid als nächste Generation der Abnehmspritzen

Eine Weiterentwicklung dieser Wirkstoffklasse ist Tirzepatid. Im Gegensatz zu klassischen GLP-1-Rezeptor-Agonisten wirkt Tirzepatid nicht nur auf den GLP-1-Rezeptor, sondern zusätzlich auf den Glucose-dependent Insulinotropic Peptide-Rezeptor (GIP). GIP ist ebenfalls ein im Darm gebildetes Hormon, das an der Regulation des Zuckerstoffwechsels beteiligt ist. Durch die gleichzeitige Aktivierung beider hormoneller Signalwege wird der Stoffwechsel stärker beeinflusst, was sich in klinischen Studien in einer besonders ausgeprägten Gewichtsreduktion gezeigt hat [3].

Klinische Evidenz: Wirksamkeit der Abnehmspritzen

Die Wirksamkeit von Abnehmspritzen wurde in zahlreichen randomisierten, kontrollierten Studien untersucht. In den sogenannten STEP-Studien wurde die Wirkung von Semaglutid in einer Dosierung von 2,4 mg einmal wöchentlich bei übergewichtigen und adipösen Erwachsenen ohne Diabetes untersucht. Die Ergebnisse zeigen einen durchschnittlichen Gewichtsverlust von etwa 15 % des Ausgangsgewichts nach 68 Wochen. Ein erheblicher Teil der Teilnehmenden verlor sogar mehr als 20 % seines Körpergewichts. Diese Ergebnisse liegen deutlich über dem, was mit klassischen Diät- und Lebensstilprogrammen allein erreichbar ist [2].

Die SURMOUNT-Studien zu Tirzepatid zeigen auch signifikante Effekte auf die Gewichtsreduktion. Abhängig von Dosierung und Studiendauer wurden durchschnittliche Gewichtsverluste von bis zu 22 % beobachtet. Damit erreichen die erzielten Effekte in einigen Fällen eine Größenordnung, die mit der von bariatrischen Operationen vergleichbar ist, jedoch ohne deren invasiven Charakter [3].

Nebenwirkungen und medizinische Risiken von Abnehmspritzen

Trotz der Wirksamkeit sind Abnehmspritzen keine nebenwirkungsfreien Medikamente. Am häufigsten treten Beschwerden im Magen-Darm-Bereich auf. Viele Menschen haben besonders am Anfang der Behandlung Übelkeit, Erbrechen oder Durchfall. Diese Beschwerden lassen sich oft verringern, wenn die Dosis langsam gesteigert wird, bleiben aber ein wichtiger Grund, warum manche die Behandlung abbrechen.

Trotz ihrer Wirksamkeit sind Abnehmspritzen nicht frei von Nebenwirkungen:

  • Häufige Beschwerden: Übelkeit, Erbrechen und Durchfall, vor allem zu Beginn der Behandlung.
  • Seltene Risiken: Entzündungen der Bauchspeicheldrüse und Erkrankungen der Gallenblase
  • Sehvermögen: Leicht erhöhtes Risiko für Sehnervstörungen und Makuladegeneration

Auch wenn ein direkter kausaler Zusammenhang nicht in allen Fällen eindeutig belegt ist, wird in der Fachliteratur zu einer sorgfältigen Nutzen-Risiko-Abwägung geraten [1,4].

Medizinische Anwendung vs. Lifestyle-Nutzung

Aus medizinischer Sicht stellen Abnehmspritzen einen bedeutenden Fortschritt in der Behandlung von Adipositas dar. Sie greifen gezielt in hormonelle Regulationsmechanismen ein, die bisher therapeutisch nur unzureichend adressiert werden konnten. Gleichzeitig dürfen sie nicht als Ersatz für eine grundlegende Auseinandersetzung mit Ernährung, Bewegung und Lebensstil verstanden werden. Die Fachliteratur betont übereinstimmend, dass eine nachhaltige Gewichtsreduktion nur im Rahmen eines ganzheitlichen Therapiekonzepts möglich ist [1,4].

Aspekt 
Medizinisch indizierte Anwendung  
Lifestyle-orientierte Nutzung 
Zielsetzung 
Behandlung einer chronischen Erkrankung (Adipositas) 
Ästhetische Gewichtsreduktion 
Indikationsstellung 
Ärztlich, anhand BMI und Begleiterkrankungen 
Oft ohne klare medizinische Kriterien 
Therapiekonzept 
Eingebettet in Ernährung, Bewegung & Beratung 
Häufig isolierte Medikamentennutzung 
Nutzen-Risiko-Abwägung 
Individuell ärztlich bewertet 
Oft unzureichend reflektiert 
Langfristige Perspektive 
Teil eines nachhaltigen Behandlungsplans 
Risiko von Abhängigkeit und Rebound 
Fachliche Bewertung 
Evidenzbasiert sinnvoll 
Kritisch diskutiert 

Fazit: Nutzen, Grenzen und Verantwortung bei Abnehmspritzen

Abnehmspritzen sind wirksame, wissenschaftlich gut untersuchte Medikamente mit einem klaren therapeutischen Nutzen bei Adipositas und metabolischen Erkrankungen. Ihre zunehmende Nutzung als Lifestyle-Produkt erfordert jedoch eine kritische und verantwortungsvolle Einordnung. Für Ärzte und Heilpraktiker besteht die Herausforderung darin, zwischen sinnvoller medizinischer Anwendung und problematischem Trend zu unterscheiden und Patienten entsprechend aufzuklären.


Quellen:

  1. Piper, W., 2013. Innere Medizin, 2 nd ed. 2013. ed, Springer-Lehrbuch. Springer Berlin Heidelberg, Berlin, Heidelberg. https://doi.org/10.1007/978-3-642-33108-4
  2. Wilding JPH et al. Once-Weekly Semaglutide in Adults with Overweight or Obesity. New England Journal of Medicine, 2021. https://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMoa2032183
  3. Jastreboff AM et al. Tirzepatide as Compared with Semaglutide for the Treatment of Obesity. New England Journal of Medicine, 2025. https://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMoa2416394
  4. Apotheken Umschau. Abnehmspritzen – Kosten, Wirkung und Nebenwirkungen. https://www.apotheken-umschau.de/gesund-bleiben/abnehmen/abnehmspritzen-wie-sie-wirken-und-wem-sie-helfen-koennen-1334365.htm

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