- Wie viel Gewichtszunahme ist in der Schwangerschaft normal?
- Gewichtszunahme pro Trimester
- Warum ist die Gewichtszunahme in der Schwangerschaft wichtig?
- Welche Rolle spielt die Ernährung?
- Was sollte bei der Gewichtsentwicklung beachtet werden?
- Fazit: Gesunde Gewichtszunahme in der Schwangerschaft
- Häufig gestellte Fragen zur Gewichtszunahme in der Schwangerschaft
Die Gewichtszunahme in der Schwangerschaft ist ein natürlicher und wichtiger Teil der körperlichen Anpassung. Wie viele Kilogramm als empfehlenswert gelten, hängt vor allem vom BMI vor der Schwangerschaft ab. Während normalgewichtigen Frauen meist eine Gesamtzunahme von 11,5 bis 16 Kilogramm empfohlen wird, liegen die Richtwerte bei Untergewicht höher und bei Übergewicht oder Adipositas niedriger.
Wie viel Gewichtszunahme ist in der Schwangerschaft normal?
Als häufig verwendete internationale Orientierung dienen die 2009 veröffentlichten Empfehlungen des Institute of Medicine (IOM; heute National Academy of Medicine). Sie unterscheiden die empfohlene Gewichtszunahme anhand des BMI vor der Schwangerschaft.
Grundsätzlich gilt: Je niedriger der Ausgangs-BMI, desto höher ist der empfohlene Bereich für die Gewichtszunahme. Bei einem höheren BMI fällt der empfohlene Zuwachs entsprechend geringer aus.
Studien zeigen, dass sowohl eine deutlich zu geringe als auch eine übermäßige Gewichtszunahme mit bestimmten Risiken für Mutter und Kind verbunden sein kann (Goldstein et al., 2017).
Gewichtszunahme in der Schwangerschaft nach BMI
Die folgende Tabelle gibt die Empfehlungen des Institute of Medicine (IOM) für die Gesamtgewichtszunahme während der Schwangerschaft in Abhängigkeit vom präkonzeptionellen BMI wieder:
| BMI vor Schwangerschaft | Gewichtskategorie | Empfohlene Zunahme |
|---|---|---|
| < 18,5 kg/m² | Untergewicht | 12,5 – 18,0 kg |
| 18,5 – 24,9 kg/m² | Normalgewicht | 11,5 – 16,0 kg |
| 25,0 – 29,9 kg/m² | Übergewicht | 7,0 – 11,5 kg |
| ≥ 30,0 kg/m² | Adipositas | 5,0 – 9,0 kg* |
*Bei Adipositas kann die individuell angemessene Gewichtszunahme auch unterhalb des klassischen IOM-Bereichs liegen. Insbesondere bei ausgeprägter Adipositas sollte die Gewichtsentwicklung individuell ärztlich begleitet werden (Alaze-Hagemann et al., 2026; Schaefer-Graf et al., 2021).
Gewichtszunahme pro Trimester
Die Gewichtszunahme verläuft während der Schwangerschaft nicht gleichmäßig. Vor allem ab dem zweiten Trimester orientieren sich die Empfehlungen an durchschnittlichen wöchentlichen Zuwachsraten.
1. Trimester (1. bis 12. Woche)
Im ersten Trimester ist die Gewichtszunahme meist noch gering. Viele Frauen nehmen nur wenig zu; bei Schwangerschaftsübelkeit oder Erbrechen kann das Gewicht vorübergehend sogar leicht sinken.
2. Trimester (13. bis 28. Woche)
Ab dem zweiten Trimester steigt das Gewicht meist kontinuierlicher an, da unter anderem Fötus, Plazenta und Blutvolumen wachsen. Für normalgewichtige Frauen liegt die empfohlene durchschnittliche Gewichtszunahme bei etwa 0,35 bis 0,50 Kilogramm pro Woche (Institute of Medicine & National Research Council, 2009). Auch der Energiebedarf steigt nun moderat an. Nach den deutschen Referenzwerten beträgt der zusätzliche Bedarf etwa 250 Kilokalorien pro Tag (DGE, 2015).
3. Trimester (29. bis 40. Woche)
Im dritten Trimester setzt sich die Gewichtszunahme fort, während das Kind besonders stark wächst und der mütterliche Körper weitere Reserven aufbaut. Der zusätzliche Energiebedarf steigt auf etwa 500 Kilokalorien pro Tag (DGE, 2015). Bei Frauen mit Übergewicht oder Adipositas liegen die empfohlenen durchschnittlichen wöchentlichen Zunahmen niedriger als bei normalgewichtigen Frauen.
Warum ist die Gewichtszunahme in der Schwangerschaft wichtig?
Sowohl eine deutlich zu geringe als auch eine übermäßige Gewichtszunahme kann mit gesundheitlichen Risiken verbunden sein.
Eine Gewichtszunahme unterhalb der empfohlenen Bereiche ist unter anderem mit einem höheren Risiko verbunden, dass das Kind im Verhältnis zur Schwangerschaftsdauer zu klein oder zu leicht geboren wird. Eine übermäßige Gewichtszunahme geht dagegen häufiger mit einem hohen Geburtsgewicht, Makrosomie und Kaiserschnittentbindungen einher (Goldstein et al., 2017).
Wichtig ist jedoch: Die Empfehlungen beschreiben statistische Zusammenhänge. Eine einzelne Abweichung bedeutet nicht automatisch, dass Komplikationen auftreten. Entscheidend ist die individuelle Gewichtsentwicklung im Verlauf der Schwangerschaft.
Welche Rolle spielt die Ernährung?
Die Ernährung beeinflusst die Gewichtsentwicklung während der Schwangerschaft wesentlich. Studien zeigen, dass Ernährungsmuster mit vielen hochverarbeiteten Lebensmitteln, zuckerhaltigen Getränken und ungünstigen Fetten häufiger mit einer übermäßigen Gewichtszunahme verbunden sind. Eine ausgewogene, pflanzenbetonte Ernährung mit viel Gemüse, Obst, Vollkornprodukten und Nüssen unterstützt dagegen eine angemessene Gewichtsentwicklung (Ferreira et al., 2022; Alaze-Hagemann et al., 2026).
Dabei gilt nicht „Essen für zwei“: Der Energiebedarf steigt in der Schwangerschaft deutlich weniger stark als der Bedarf an Vitaminen und Mineralstoffen. Entscheidend ist daher vor allem eine hohe Nährstoffdichte. Bestimmte Mikronährstoffe wie Folsäure und Jod werden zusätzlich gezielt empfohlen, sofern keine medizinischen Gründe dagegensprechen (Alaze-Hagemann et al., 2026).
Was sollte bei der Gewichtsentwicklung beachtet werden?
Die Verlaufskontrolle des Gewichts dient dem Wohl von Mutter und Kind. Dennoch sollte sich daraus kein psychologischer Druck entwickeln. Folgende Aspekte sind bei der Gewichtsentwicklung essenziell:
- Keine Reduktionsdiäten: Eine gezielte Gewichtsabnahme durch Kalorienrestriktion sollte während der Schwangerschaft nicht eigenständig angestrebt werden. Auch bei Übergewicht oder Adipositas steht eine ausreichende Nährstoffversorgung von Mutter und Kind im Vordergrund.
- Gewichtsentwicklung bei Adipositas: Bei Adipositas kann der zusätzliche Energiebedarf geringer ausfallen. Entscheidend ist daher nicht eine gezielte Gewichtsabnahme, sondern eine ausgewogene, nährstoffreiche Ernährung und eine individuell angemessene Gewichtsentwicklung.
- Regelmäßig bewegen: Moderate körperliche Aktivität unterstützt eine gesunde Gewichtsentwicklung und kann das Risiko für Schwangerschaftsdiabetes senken, sofern keine medizinischen Gründe dagegensprechen.
Fazit: Gesunde Gewichtszunahme in der Schwangerschaft
Wie viel Gewicht in der Schwangerschaft als angemessen gilt, hängt vor allem vom BMI vor der Schwangerschaft ab. Die empfohlenen Bereiche bieten eine wichtige Orientierung, entscheidend ist jedoch die individuelle Entwicklung über den gesamten Schwangerschaftsverlauf. Eine ausgewogene, nährstoffreiche Ernährung, regelmäßige Bewegung und der Verzicht auf eigenständige Reduktionsdiäten unterstützen eine gesunde Gewichtsentwicklung. Kleine Abweichungen von den Richtwerten sind nicht automatisch problematisch.
Häufig gestellte Fragen zur Gewichtszunahme in der Schwangerschaft
Wie viel Gewicht nimmt man in der Schwangerschaft zu?
Die empfohlene Gewichtszunahme hängt vor allem vom BMI vor der Schwangerschaft ab. Bei Normalgewicht liegt der Richtwert bei insgesamt 11,5 bis 16 Kilogramm. Bei Untergewicht wird eine höhere, bei Übergewicht oder Adipositas eine geringere Gewichtszunahme empfohlen.
Wie viel Gewichtszunahme ist im ersten Trimester normal?
Im ersten Trimester nehmen viele Frauen nur wenig zu. Bei Übelkeit und Erbrechen kann das Gewicht vorübergehend sogar gleich bleiben oder leicht sinken. Die stärkere Gewichtszunahme beginnt meist erst ab dem zweiten Trimester.
Ist es schlimm, wenn die Gewichtszunahme von den Richtwerten abweicht?
Nicht jede Abweichung ist automatisch problematisch. Eine dauerhaft deutlich zu geringe oder übermäßige Gewichtszunahme kann jedoch mit bestimmten Risiken für Mutter und Kind verbunden sein. Entscheidend ist daher die Entwicklung über den gesamten Schwangerschaftsverlauf.
Wann sollte die Gewichtszunahme ärztlich abgeklärt werden?
Eine Rücksprache ist sinnvoll, wenn das Gewicht ungewöhnlich schnell steigt, über längere Zeit deutlich stagniert oder Unsicherheit über die individuelle Gewichtsentwicklung besteht. Auch bei starkem Übergewicht oder Adipositas kann eine engere Begleitung sinnvoll sein.
Quellen
Alaze-Hagemann, F., Reiss, K., Abou-Dakn, M., Abu-Omar, K., Alexy, U., Beyer, K., Breidenassel, C., Brettschneider, A.-K., Cremer, M., Ensenauer, R., Fast, M., Ferrari, N., Flothkötter, M., Hellmers, C., Joisten, C., Koletzko, B., Rademacher, C., Schiffner, U., Somm, I., … Rybak, C. (2026). Nutrition, physical activity and other health aspects before and during pregnancy: Recommendations by the Nationwide “Healthy Start Network” (Netzwerk Gesund ins Leben) 2026. Geburtshilfe und Frauenheilkunde, 86(6), e60–e97. https://doi.org/10.1055/a-2827-5905
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Ferreira, L. B., Lobo, C. V., Miranda, A. E. D. S., Carvalho, B. D. C., & Santos, L. C. D. (2022). Dietary patterns during pregnancy and gestational weight gain: A systematic review. Revista Brasileira de Ginecologia e Obstetrícia, 44(5), 540–547. https://doi.org/10.1055/s-0042-1744290
Goldstein, R. F., Abell, S. K., Ranasinha, S., Misso, M., Boyle, J. A., Black, M. H., Li, N., Hu, G., Corrado, F., Rode, L., Kim, Y. J., Haugen, M., Song, W. O., Kim, M. H., Bogaerts, A., Devlieger, R., Chung, J. H., & Teede, H. J. (2017). Association of gestational weight gain with maternal and infant outcomes: A systematic review and meta-analysis. JAMA, 317(21), 2207–2225. https://doi.org/10.1001/jama.2017.3635
Institute of Medicine, & National Research Council. (2009). Weight gain during pregnancy: Reexamining the guidelines. The National Academies Press. https://doi.org/10.17226/12584
Schaefer-Graf, U., Ensenauer, R., Gembruch, U., Groten, T., Flothkötter, M., Hennicke, J., Köhrle, J., Möhler, J., Kühnert, M., Schmittendorf, A., Stroh, C., Wirth, A., & Schmidt, M. (2021). Adipositas und Schwangerschaft: Leitlinie der DGGG (S3-Level, AWMF Registernummer 015-081, Juni 2019). Geburtshilfe und Frauenheilkunde, 81(3), 279–303. https://doi.org/10.1055/a-1330-7466